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Dreitägiges Treffen der muslimischen Jugend Deutschlands zum Thema “Religion und ihre Notwendigkeit”

 
Das Treffen der muslimischen Jugend Deutschlands 2009 fand drei Tage lang zwischen dem 16. und 18. Oktober im Islamischen Zentrum Hamburg statt. Mehr als 300 junge Frauen und Männer reisten aus ganz Deutschland an, um an diesem Treffen zum Thema „Was ist Religion und warum brauchen wir Religion?“ teilzunehmen.
Das Programm war vielfältig und umfasste kulturelle Programmpunkte, Freizeitbeschäftigungen, Gottesdienste wie Gemeinschaftsgebete und gemeinsam gelesene Bittgebete, Vorträge, Diskussionsrunden und Fragestunden zu Glaube und Religion, Filmvorführungen, eine Ausstellung deutschsprachiger Bücher und einen Wissenswettbewerb.

 
Am ersten Tag wurden den Teilnehmern nach dem gemeinsam verrichteten Freitagsgebet unter der Leitung von Herrn Ayatollah Dr. Ramezani, dem Imam und Leiter des Islamischen Zentrums Hamburg, von den Leitern der Veranstaltung der Tagungsablauf und die für diese drei Tage vorgesehenen kulturellen und spirituellen Programmpunkte vorgestellt.
Nach dem Abend- und Nachtgebet hieß Herr Ayatollah Dr. Ramezani die Teilnehmer willkommen und sagte im Hinblick auf den Todestag von Imam as-Sadiq (a.s.): „Wir müssen bemüht sein, die führenden Autoritäten unserer Religion so gut es uns nur möglich ist, zu kennen und sie als Vorbilder in allen Dingen anzusehen.“ Er zitierte Imam Khomeini (r.a.), der die Jugend als beste Zeit für den nach Gotterkenntnis strebenden Gnostiker erachtete, die eigene Seele zu läutern.
Er fuhr fort: „Die jungen Menschen müssen bemüht sein, ihre Seelen während ihrer Jugendzeit zu läutern und sich die islamische Ethik und qur’anische Erziehung anzueignen. Sie sollten diese Gelegenheit zur Selbstkenntnis und Selbstfindung nutzen, denn junge Menschen haben reine Herzen und ihre Erziehung und Läuterung ist deswegen leichter.“
Der Leiter des Islamischen Zentrums wünschte den Anwesenden Erfolg, und dass sie im Rahmen dieses Treffens die Antworten auf zumindest einen Teil ihrer Fragen finden würden.
Der zweite Tag des Treffens begann mit einer Qur’anrezitation. Danach hielt Herr Dr. Djavad Mohagheghi einen Vortrag mit dem Titel „Religion - eine Theorie oder ein Lebensweg?“ Er berief sich darin auf Qur’anverse und Überlieferungen zu Religion, Gott und die menschlichen Wahrheiten, Rechte und Werte und beschrieb die islamische Religion als einen Lebensweg, der der Menschheit immer offen steht.

 
Im zweiten Vortrag des Tages widmete sich Herr Cemil Sahinöz dem Thema der Reise des Menschen von der Welt der Seelen in die ewige Bleibe. Anhand von Qur’anversen und Überlieferungen vom edlen Propheten des Islam (s.a.s.) erläuterte er die verschiedenen Phasen dieser Reise des Menschen.

 
Am Nachmittag dieses zweiten Tages sprach Herr Hodschatoleslam Muhammad Waldmann über die „Bedeutung der Religion in einer Gesellschaft angesichts der verschiedenen Wertvorstellungen“. Er hob die Bedeutung von Kenntnis hervor, auf der Glauben notwendigerweise beruhen muss, da der Islam im Hinblick auf die Grundlagen der islamischen Weltanschauung keine Nachahmung zulässt. Die individuelle Erforschung und Analyse stärken die eigenen Überzeugungen und das Bekenntnis zu den Grundlagen des islamischen Glaubens, was die Überlieferung vom Propheten (s.a.s.) „Nach Wissen zu streben ist die Pflicht eines jeden Muslims“ belegt. Herr Waldmann führte abschließend weitere Überlieferungen an, in denen die Bedeutsamkeit eines guten Charakters, guter Verwandtschaftsbeziehungen, der Rechte von Eltern, Besuchen bei Kranken usw. hervorgehoben wurde.

 
Frau Hamideh Mohagheghi befasste sich in ihrem Vortrag mit den verschiedenen Aspekten der Menschenrechte und verwies in diesem Kontext auf die relevanten Qur’anverse. Sie gab zu bedenken, dass der Mensch den göttlichen Geist in sich trägt und unter den Geschöpfen eine besondere Position genießt. Die Würde des Menschen gründet in diesem Geist und seiner Stellung als Stellvertreter Gottes auf Erden.
Am Abend konnten sich die Tagungsteilnehmer zwischen zwei Veranstaltungen entscheiden, nämlich einem Wettbewerb zum Islam und Qur’an von Herrn Dr. Zain al-Abidin, und einem Vortrag von Frau Fatima Djamul über den Menschen und seine spirituelle Stellung.
Der dritte Veranstaltungstag begann mit einem Redebeitrag von Herrn Dr. Zain al-Abidin bezüglich der Rechtleitung der Menschheit, wonach Wissenserwerb ohne göttliche Rechtleitung nichts Gutes erzielen, bzw. den Menschen sogar in die Irre führen kann; entsprechend müssten auch Vorschriften und Gesetze mit der göttlichen Rechtleitung verbunden sein, d. h. der Mensch muss an diese Gesetze glauben und innerlich ihre Umsetzung überwachen, denn ohne die göttliche Rechtleitung kann er keine Vervollkommnung erlangen.

 
Der letzte Vortrag war dem Leiter des IZH vorbehalten. Herr Ayatollah Dr. Ramezani dankte den Teilnehmern, Referenten und selbstverständlich auch den Organisatoren, Mitarbeitern und Helfern, die an diesem Treffen mit viel Engagement mitgewirkt haben. Er hob die Kenntnis des wahren Islam, wie er von Muhammad (s.a.s.) übermittelt wurde, hervor, dieses Wissen über den Islam müsse man sich gemäß dem Heiligen Qur’an mittels Vernunft und Verstand von den Gelehrten aneignen, die im wissenschaftlichen Sinne Islamkenner sind, d. h. die in der Lage sind, islamische Inhalte gemäß den Hauptquellen des Islam, d. h. dem Heiligen Qur’an und der Sunna des Propheten (s.a.s) und seiner Ahlu-l-bayt (a.s.) darzulegen. Es reicht nicht aus, z. B. über ein Thema wie Menschenrechte einige Aspekte darzulegen, sondern wenn dieses Thema aus der Sicht des Islam besprochen werden soll, müssen dabei alle relevanten Qur’anverse und Überlieferungen einbezogen und berücksichtigt werden, um korrekte Informationen zu vermitteln und Missverständnisse zu vermeiden.

 
Ayatollah Ramezani betonte, das der Islam die Religion der Mäßigkeit ist, also weder Unter- noch Übertreibung der Maßstab ist. Gerade junge Muslime müssten sich diese Kennzeichen des Islam, nämlich Mäßigkeit, Rationalität und Spiritualität immer wieder vor Augen führen. Im Hinblick auf die Integration wies er darauf hin, dass Integration keineswegs bedeute, einige Grundlagen oder Aspekte des Glaubens, wie z. B. die islamischen Bekleidungsvorschriften, vernachlässigen zu dürfen, - zumal die Gesetze dies nicht fordern -, wenngleich es einen Konsens der islamischen Gelehrten gibt, wonach man die Gesetze eines Landes respektieren muss.

 
Der Imam des Zentrums empfahl den Jugendlichen, ihre Fähigkeiten richtig zu erkennen und das, was ihnen von Gott anvertraut wurde, gut zu bewahren. Ihre Talente und Bemühungen sollten sie im Sinne der qur’anischen Lehren entwickeln und heranbilden. Er fügte hinzu, dass Gott viele Geschöpfe erschaffen hat, sich selbst aber nur für die Schöpfung des Menschen gepriesen hat. Ein junger Mensch ist Gottes höchstes Geschöpf, wenn er seine verborgenen Talente pflegt und entfaltet. Ayatollah Dr. Ramezani erwähnte in diesem Zusammenhang eine Überlieferung vom Propheten (s.a.s.), wonach er zu einer Gruppe von Jugendlichen, die ihre Kräfte miteinander messen wollten, sagte: „Der stärkste von euch ist derjenige, der aufgrund seiner Liebe zu etwas nicht vom Weg der Wahrheit abweicht und blind, taub und stumm wird.“ Das Herz eines jungen Menschen ist unbefleckt und eine unverletzliche Grenze Gottes; was Gott nicht erlaubt hat, darf er nicht in sein Herz lassen.
Erziehung umfasst drei Stufen, nämlich erstens das Benehmen sich selbst, zweitens Gott und drittens den Mitmenschen und der Schöpfung gegenüber.

 
Der Imam des Islamischen Zentrums beendete seine Rede mit der Aufforderung, jeder möge sich seine ihm innewohnenden Fähigkeiten und die Lebensziele vergegenwärtigen. Jesus (a.s.) sagte: „Erkenne Dich selbst, dann erkennst du Deinen Herrn. Erst wenn Du Gott erkannt hast, wirst Du auch Andere kennen.“ Würden wir uns selbst besser kennen, würden wir Taten unterlassen, die mit der Vernunft nicht zu rechtfertigen sind, wie Selbstmord, Drogenmissbrauch, Zügellosigkeit und ähnliches. Gerade junge Menschen sollten sich mit Qur’an vertraut zu machen, die Handlungs- und Verhaltensweisen des Propheten (s.a.s.) und der Ahlu-l-bayt (a.s.) studieren und regelmäßig an den verschiedenen Bittgebeten teilnehmen und sich somit vor negativen Einflüssen bewahren.

 
Anschließend beantwortete er die Fragen der Jugendlichen, bevor die Tagung mit dem gemeinsamen Mittags- und Nachmittagsgebet beendet wurde.