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Ansprache zum Id-ul-Adha (Opferfest) 1430 n. H.

von Ayatollah Dr. Reza Ramezani
Imam und Leiter des Islamischen Zentrums Hamburg
 

Im Namen Gottes, des Gnädigen, des Barmherzigen
 
Zu den großen islamischen Festen, die den Gedanken der Dienerschaft wecken, gehört das Opferfest. Ein Fest, das uns mit dem großen Propheten Abraham (a.s.) das Beispiel eines monotheistischen, Gott gewidmeten Lebens gibt, das, wenn man sich intensiv damit befasst, die Bedeutung von Opferbereitschaft und Verantwortungsgefühl vermittelt. Dieser Tag wurde durch die große Tat einer herausragenden Persönlichkeit im Rahmen einer bedeutsamen Prüfung verewigt. Der erhabene Herr unterzog seinen treuherzigen Diener einer großen Prüfung und befahl ihm, seinen Sohn an einen Opferplatz zu bringen und ihn dem Herrn zu opfern und zu schenken.

Abraham (a.s.) besprach sich mit seinem geliebten Sohn und bereitete sich auf diesen Auftrag vor. Im Heiligen Qur’an steht:

„… ‚O mein lieber Sohn, ich habe im Traum gesehen, dass ich Dich schlachte. Nun schau, was meinst Du dazu?’ Er antwortete: ‚O mein Vater, tu, wie Dir befohlen; Du sollst mich, so Gott will, standhaft finden.’“ 1

Daraus geht hervor, dass dieser großartige Prophet Gottes diese Szene vielfach im Traum gesehen hatte und sich nun sicher war, dass es sich um keinen herkömmlichen Traum handelte, sondern um eine göttliche Eingebung, um einen wahren Traum. Als er seinen Sohn dann prüft und seine Meinung hören will, antwortet Ismael (a.s.): „… Du sollst mich, so Gott will, standhaft finden.“ Dies zeigt die Treuherzigkeit und Ehrlichkeit und den Rang der spirituellen Zufriedenheit und Ergebenheit von Ismael (a.s.). Mit dieser schönen Antwort haben sich beide als opferbereite Ergebene erwiesen, und der Sohn stellt sich dem Vater zur Ausführung dieses göttlichen Befehls zur Verfügung, damit dem Vater nichts im Wege steht. Diese beiden Propheten haben das größtmögliche Maß an bedingungsloser Opferbereitschaft dem Herrn gegenüber gezeigt. Ein Diener wie Abraham hinterfragt niemals den Befehl des Herrn. Er sagte nie: „O Herr befreie mich von dieser Pflicht, denn Ismael ist mein geliebter Sohn, und ich hänge an ihm, ich kann mich schwer von ihm trennen. O Herr! Ich konnte keinen Sohn bekommen, so schenktest Du mir in diesem Alter einen Sohn, nun hänge ich sehr an ihm…“. Derartige Worte wurden von Abraham (a.s.) nicht überliefert. Er bereitete sich ohne Fragen auf die Ausführung dieses Befehls vor, so wie er es für alle anderen Befehle des Herrn zu tun pflegte, z. B. auch als der Herr ihm befahl, seine Frau und seinen Sohn in eine Einöde zu schicken, und er gehorchte. Das ist dieser Rang der Ergebenheit, den er erlangt hatte, und aufgrund seines Erfolges in diesen großen Prüfungen, wurde ihm vom Herrn der Rang der Führung (Imamat) gewährt und er großzügig belohnt. Da es sich hierbei also um eine Prüfung handelte, ließ Gott zu Abraham rufen, sobald Ismael zum Opfern bereit am Boden lag:
„Da riefen Wir ihm zu: ‚O Abraham, Du hast bereits das Traumgesicht erfüllt.‘ So belohnen Wir die, die Gutes tun. Das war wahrlich eine offenkundig schwere Prüfung. Und Wir lösten ihn aus durch ein großes Opfer. Und wir bewahrten seinen Namen unter den künftigen Geschlechtern. Friede sei auf Abraham!“ 2

Prophet Abrahams (a.s.) gläubige und liebende Reaktion ließ ihn als eine Persönlichkeit in die Geschichte eingehen, zu dessen Anhänger sich Menschen sämtlicher Bekenntnisse zählen, während der Prophet selbst ein ½anÍf, d. h. ein dem rechten Glauben zugeneigter Mensch war. Abrahams großartiger Tat wird jedes Jahr an diesem Tag gedacht. Alle Muslime feiern diesen Tag, und die Pilger und Besucher des Hauses des Herrn sind dazu verpflichtet, zu einer bestimmten Stunde dieses Tages ein Opfer zu bringen und sich mit dem Gottesdienst zu beschäftigen. Dabei muss beachtet werden, dass die Annäherung und Nähe von besonderer Bedeutung ist, die jeder Muslim erlangen soll, und mit dieser Nähe ist die spirituelle Nähe zum erhabenen Herrn gemeint. Der Diener Gottes sollte durch das Entfernen der verdunkelnden Vorhänge diese Nähe erlangen, denn der Herr ist dem Menschen näher als seine Halsschlagader. Er ist ein Freund, Der uns näher steht als wir uns selbst, also sollten wir uns Ihm nähern, denn:
Zwischen Liebendem und Geliebten ist nichts -
Du selbst bist der Vorhang, o Hafis, so steh’ auf und geh’ zur Seite!

Von Imam Sajjad (a.s.) ist der Ausspruch überliefert:

„Und Du verbirgst Dich nicht vor Deinen Geschöpfen, es sei denn, ihre eigenen Missetaten schirmen sie ab vor Dir.“

Und der Friede und die Gnade Gottes und Seine Segnungen seien mit euch.


 1.Sure as-Safat, Verse 101-102.                  
 2.Ebd., Verse 104-109.


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