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Redner: Ayatollah Dr. Ramezani Imam und Leiter des islamischen Zentrum Hamburg

Die Art des hl. Propheten (s.)

Im Namen Gottes, des Gnädigen, des Barmherzigen.
 
Aller Lobpreis gebührt Gott, dem Erhabenen, dem Herrn aller Welten. Wir danken Ihm für Seine Gnade und Seine Gaben und bitten Ihn um Hilfe und Rechtleitung in allem, was wir tun, und hoffen, dass Er uns in Seine Gunst aufnimmt. Sein Frieden und Segen seien mit unserem Propheten Muhammad (Friede sei mit ihm), seinen reinen Nachkommen (Friede sei mit ihnen) und seinen rechtschaffenen Gefährten. O Diener Gottes, ich rate mir selbst und Ihnen allen zur Ehrfurcht vor Gott und zum Gehorsam gegenüber Seinen Geboten.
Zunächst soll hier allen Muslimen zum Todestag des hl. Propheten (s.) und den beiden edelmutigen Sachwaltern und Söhnen des hl. Propheten (s.), Imam Hassan (a.s.) und Imam Reza (a.s.) kondoliert werden.
Es ist angesichts dieser Ereignisse auch angebracht, in dieser Ansprache einiges über die Art des hl. Propheten (s.) zu erwähnen.
Einführend möchte erwähnt sein, dass mit der Art des hl. Propheten (s.) die Methoden und das Verhalten gemeint sind, die der Edelmutige angewendet hat, um seine hohen Ziele zu erreichen. Es ist für die Muslime sehr wichtig, zu wissen, welche Methoden der hl. Prophet (s.) für die Verkündung seiner Religion und für die Verwaltung der islamischen Gesellschaft angewendet hat, und welche Dinge der Edelmutige hierbei als Prinzip und Grundlage betrachtet hat, damit wir ihn als Vorbild nehmen und uns ähnlich verhalten können.
Die Art des hl. Propheten (s.) kann einem Studium seines Lebens entnommen werden, und die wichtigsten Aspekte davon werden hier erwähnt. Klarerweise können sie nicht alle in dieser einen Ansprache behandelt werden, weil dies viel mehr Zeit benötigen würde. So hoffen wir aus ganzem Herzen, dass es auch in Zukunft Gelegenheiten dafür geben wird, damit die Muslime umso mehr mit der Art und Tradition des hl. Propheten (s.) vertraut werden.
1.     Die Beratung war ein sehr wichtiges Prinzip des hl. Propheten (s.), welches er in wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Dingen benützte. Er hatte die vollkommene Übersicht über alle Dinge und ihm waren die richtigen Ansätze für die Verwaltung der Dinge sehr wohl bewusst, und dennoch unterließ er es nie, sich mit anderen zu beraten und die Meinungen seiner Gefährten einzuholen. Der Edelmutige (s.) versuchte damit, seine Gefährten so zu erziehen, dass auch sie sich in allen Dingen mit anderen beraten. Die wichtigste Wirkung dieses Verhaltens war, dass den Gefährten des hl. Propheten (s.) somit eine Persönlichkeit gegeben wurde. Er erlaubte es ihnen, sich die Dinge zu überlegen und beleidigte sie niemals. Er respektierte sie stets und folgte manchmal auch ihren Vorschlägen, wovon einige Fälle in der Geschichte dokumentiert worden sind.
2.     Die Art des hl. Propheten (s.) entsprach den Inhalten des hl. Qur’ans. Sein Leben lang orientierte er sein Verhalten an den offenbarten Lehren dieser heiligen Schrift. Fatima (s.) beschrieb das Verhalten des Edelmutigen einst in sehr schönen Worten: „Sein Benehmen ist der Qur’an.“ Auch der hl. Qur’an selbst lobt das Verhalten des hl. Propheten (s.) und sagt:
„Und du verfügst wahrlich über großartige Tugendeigenschaften.“
Der Edelmutige (s.) behandelte seine Mitmenschen immer mit Nachsicht, Sanftheit und Großzügigkeit, und der Qur’an sagt darüber:
„Und in Anbetracht der Barmherzigkeit Allahs warst du (o Muhammad) mild zu ihnen; wärst du aber rauh und harten Herzens gewesen, so wären sie dir davongelaufen. Darum vergib ihnen und bitte für sie um Verzeihung und ziehe sie in der Sache zu Rate; und wenn du entschlossen bist, dann vertrau auf Allah; denn wahrlich, Allah liebt diejenigen, die auf Ihn vertrauen.“[1]
Er war der Prophet der Liebe und übermittelte die ihm offenbarten Lehren mit Nachsicht und Großzügigkeit, doch war zugleich, was die Religion, die Denkschule des Qur’ans und die göttlichen Anweisungen betraft sehr entschlossen. Alles was der Edelmutige tat oder sagte, basierte auf der göttlichen Offenbarung und er schweifte niemals davon ab.
„Euer Gefährte ist weder verwirrt, noch befindet er sich im Unrecht, noch spricht er aus Begierde. Vielmehr ist es eine Offenbarung, die (ihm) eingegeben wird.“[2]
Er war das beste Vorbild für alle Menschen:
„Wahrlich, ihr habt an dem Gesandten Allahs ein schönes Vorbild für jeden, der auf Allah und den Letzten Tag hofft und Allahs häufig gedenkt.“[3]
Er war zweifelsohne das Licht der göttlichen Wahrheit, die allen zu Gute kam und dessen Segen allumfassend war.
Hier möchten wir uns mit einigen anderen Aspekten der Art des hl. Propheten (s.) befassen, die den vielen, verschiedenen Überlieferungen entnommen werden können, auf dass es für uns – so Gott will – lehrreich ist und uns hilft, den Pfad des Edelmutigen (s.) zu beschreiten.
Der hl. Prophet (s.) schien immer nachdenklich und war niemals den anderen gegenüber gleichgültig.[4] Er hatte stets die Rechtleitung der Menschen im Sinn und war fortwährend bemüht, die Menschen gut und richtig zu erziehen, damit jeder seine Pflichten richtig erkennt. Er fühlte sich immer für die Menschen verantwortlich und wollte, dass sie Dinge, die die Bildung und Erziehung betreffen beachten, gut erzogen werden, ihr Leben an den Qur’an orientieren und ihren Lebensweg entsprechend auswählen.
Ebenfalls zur Art des hl. Propheten (s.) gehörte, dass er die göttlichen Gaben immer wertschätzte. Keine der göttlichen Zuwendungen erachtete er jemals als unerheblich, er nahm es sehr ernst, für sie dankbar zu sein. „Er schätzte die Gaben und sah zu, dass er dabei kein einziges Ding vernachlässigte.“[5] Daran zu denken und entsprechend zu handeln ist sehr wichtig, die Menschen befinden sich geradezu in einem Regen göttlicher Gaben, und dennoch beachten sie sie nicht. Keiner von uns ist dazu imstande, all die göttlichen Gaben, die uns gegeben wurden in einer Liste aufzuzählen. Es wird überliefert, dass Umm Salama den hl. Propheten (s.) fragte: „O Gesandter, du bist frei von Sünde und Gottes Zuwendung an dich lässt niemals nach; warum weinst du so viel und warum verrichtest du so lange Gottesdienste?“ Der Edelmutige (s.) antwortete: „Bin ich denn kein dankbarer Gottesdiener?“ Diese Worte des Edelmutigen (s.) besagen, dass die Menschen stets die göttlichen Gaben im Sinn behalten und für sie dankbar sein sollten. Wahre Dankbarkeit besteht klarerweise darin, dass man jede einzelne dieser Gaben an ihrer eigenen Stelle und richtig einsetzt.
Es war die Art des hl. Propheten (s.), dass er gute Taten immer lobte, so wie er schlechte Taten tadelte.[6] Es besteht kein Zweifel darin, dass eine Gesellschaft zum Guten neigt, wenn ihre Menschen gute Taten loben und sie fördern. In einer solchen Gesellschaft werden gute Taten sehr beachtet und das Verwerfliche wird zweifelsohne gemieden. Wir gehören zur Gesellschaft dieses hl. Propheten (s.) der Gnade und dieses Lehrers der Ethik, und sollten aus seiner Art lernen, indem wir uns mit Tugenden schmücken und uns vom Verwerflichen fernhalten.
Der hl. Prophet (s.) begann seine alltäglichen Angelegenheiten immer mit Gottes Gedenken und führte so auch seine Tage zu Ende. Nachts blieb er wach und verrichtete Gottesdienst und beruhigte seine Seele noch mehr, und er stärkte damit auch seine Verbindung zu Gott.
In jeder Sitzung und überall sprach er Gottes Namen aus:
„Er setzte sich nicht nieder und erhob sich nicht, ohne Allahs Namen auszusprechen.“[7]
Dies hat jeder Mensch in seinem Leben zu beachten.
Der hl. Prophet (s.) bewertete die Menschen anhand ihrer Gottesfurcht und niemals anhand ihrer Macht oder ihres Reichtums. Er gesellte sich daher zu den Bedürftigen und Aß mit ihnen, und begrüßte Arm und Reich immer gleichmäßig. Auch die Bedürftigen zählten sich immer zu den Gesellen des hl. Propheten (s.) und fühlten sich in seiner Gegenwart wohl.
Der hl. Prophet (s.) war ihnen gegenüber nämlich bescheiden, so dass er, wenn er sich mit ihnen niedersetzte keinen besonderen Platz für sich suchte. Es wird überliefert dass er den ersten freien Sitzplatz auswählte, den er fand.[8]
Es gehörte auch zur Art des hl. Propheten (s.), dass er jemandem verzieh, der ihm Unrecht tat, aber später um Vergebung bat.[9] Er war den Menschen gegenüber am freundlichsten und hilfreichsten.[10] Er war allen gegenüber Liebevoll, weil er der Prophet der Gnade war und wenn er selbst mit einem Problem konfrontiert wurde, vertraute er Gott voll und ganz.[11] Er sprach nicht, solange es nicht notwendig war[12] und erzürnte niemals, wenn es um weltliche Angelegenheiten ging. Für ihn waren nur spirituelle Dinge und die Angelegenheiten Gottes und des Jenseits wichtig. Er blieb trotz Armut und Hunger unbeirrt, und es wird auch gesagt, dass er einen bescheidenen Lebensstil hatte, der nie nach vielen Auslagen verlangte. Aus diesem Grund luden die Menschen den Edelmutigen (s.) auch immer gerne zu sich ein, sie wussten nämlich, dass er kein kostspieliger Gast ist. Es fühlten sich daher auch die Bedürftigen dabei wohl, ihn einzuladen, und er nahm die Einladungen stets an. Er war ein hl. Prophet (s.), der von ihnen war, zu ihnen gehörte und sich unter ihnen aufhielt und mit ihnen Lebte, und er lehrte sie die göttlichen Anweisungen.

 

[1] 3:159
[2] 53:2-4
[3] 33:21
[4] Al-Misan, Band 6, S. 303
[5] Ebd.
[6] Ebd, S. 304
[7] Ebd.
[8] Al-Mizan, Band 6, s. 304, siehe auch Sunan An-Nabie, S. 76
[9] Sunan An-Nabie, Band 2, S. 76
[10] Ebd, S. 38
[11] Ebd, S. 39
[12] Ebd, S. 13