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Redner: Hojjatolislam S. M. M. Masoumi/ Stellvertretender Imam des Islamischen Zentrums HamburgDie Bedeutung des Monats Radschab (Teil 3)Im Namen Gottes, des Gnädigen, des Barmherzigen.
Aller Lobpreis gebührt Gott, dem Erhabenen, dem Herrn aller Welten. Wir danken Ihm für Seine Gnade und Seine Gaben und bitten Ihn um Hilfe und Rechtleitung in allem, was wir tun, und hoffen, dass Er uns in Seine Gunst aufnimmt. Sein Frieden und Segen seien mit unserem Propheten Muhammad (Friede sei mit ihm), seinen reinen Nachkommen (Friede sei mit ihnen) und seinen rechtschaffenen Gefährten. O Diener Gottes, ich rate mir selbst und Ihnen allen zur Ehrfurcht vor Gott und zum Gehorsam gegenüber Seinen Geboten.
Ich rate mir selbst und Ihnen zu Gottesfurcht. In den letzten Ansprachen war von der Gottesnähe die Rede, und dass die drei Monate Radschab, Scha’ban und Ramadan eine uns von Gott gegebene, besondere Gelegenheit darstellen, deren Segen wird nutzen sollten, um Gott näher zu kommen. Beschreiben wurde weiter der gottesnahe Mensch, dessen Lehrer Gott ist, und der sein Leben mit Bewusstsein und Gottesfurcht und ohne Verzweiflung, Sünde, Ausschweifung, Ungerechtigkeit, Unterdrückung und Achtlosigkeit Gott gegenüber führt. Nun wollen wir uns mit der wichtigsten Eigenschaft der Gottesnähe befassen, nämlich der Liebe. Wenn wir uns etwas oder jemandem nähern, empfinden wir Zuneigung dafür bzw. für diesen Menschen. Grundsätzlich hängt die Nähe von der Zuneigung ab, so dass Nähe ein Symbol oder eine Manifestation von Zuneigung und Liebe ist. In diesem Sinne führt alles, was Zuneigung bewirkt, auch zu Nähe. Alles, was den Menschen zur göttlichen Liebe führt, bringt ihn Gott auch näher.
Der Mensch nähert sich also dem, wofür er Zuneigung empfindet, gleich ob es sich dabei um einen anderen Menschen handelt oder um Reichtum, Stellung und Position. Es kommt darauf an, wofür der Mensch diesen Edelstein der einzigartigen Gabe der Liebe verwendet und wem oder was er seine Zuneigung schenkt. Zu- oder Abneigung eines Menschen einer Sache oder einem anderen Menschen gegenüber hängen also von seiner Nähe bzw. Distanz ab. Was einer Liebe Wert verleiht bzw. sie ihres Wertes beraubt, ist nicht die Liebe selbst, sondern das Subjekt dieser Liebe. Die Liebe zu Gott ist somit die höchste Form der Liebe, und die daraus folgende Nähe zu Gott ist die beste Form der Nähe. Ob die Nähe zu etwas oder jemand wünschenswert ist, kommt also auf den oder das Geliebte an. Aus diesem Grund mahnt Gott den Menschen davor, sich gewissen Dingen zu nähern, und ermutigt ihn andererseits dazu, ihn und die Ihn Liebenden zu lieben und sich ihnen zu nähern. Eine Voraussetzung dafür, dass die Taten und Gottesdienste des Menschen von Gott akzeptiert werden, ist die Absicht, sich damit Gott zu nähern. Erfolgt ein Gottesdienst nicht mit dieser Absicht, wird er nicht als solcher anerkannt, weil ein solcher Dienst nicht dazu beiträgt, sich Gott zu nähern, sondern vielmehr den Menschen von Gott entfernt und ihn etwas außer Gott näher bringt. Auch die Taten, die zulässig sind und üblicherweise mit keinen weiteren Belohnungen verbunden sind, gelten als Gottesdienst, wenn sie mit der Absicht verrichtet werden, sich Gott zu nähern, weil sie die Liebe zu Gott stärken und den Menschen Gott näher bringen. Verallgemeinernd kann man sagen, dass dem Gottesdienst die Nähe zu Gott im Rahmen der Liebe und Zuneigung zu Ihm zu Grunde liegt.
Sich etwas nähern zu wollen impliziert nicht nur Zuneigung dazu, sondern es bedeutet auch, dass man sich Dingen enthält, die sich damit nicht vereinbaren lassen. Nähert man sich jemandem, distanziert man sich von gewissen anderen Dingen, und die Abneigung von diesen Dingen entspringt direkt der Zuneigung für die betreffende Person. Es kommt so weit, dass der Mensch nichts anderes mehr sieht als den Geliebten, und für nichts anderes mehr Zuneigung empfinden kann.
Es sollte nicht unerwähnt bleiben, dass ein Teil der Sufis und einige Anhänger anderer Denkschulen meinen, die Liebe zu Gott sei mit keiner anderen Liebe vereinbar; sie vermitteln, dass ein Gnostiker jemand ist, der nur Gott liebt und nichts anderes in sein Herz schließen kann. Sie glauben deswegen, dass man nichts anderes lieben kann, wenn man Gott einmal in sein Herz geschlossen hat. Leider führte dies zur Auffassung, dass ein Gnostiker, der sich Gott genährt hat, der Welt den Rücken zukehrt und seine Einsamkeit mit Gott allem vorzieht, was es in dieser Welt gibt. Das erweckt dann den Eindruck, dass ein gottesnaher Gnostiker sich von anderen Menschen, von der Gesellschaft im Allgemeinen und von allen anderen Anzeichen Gottes distanziert, während die Lehren der Ahlu-l-bayt (a.s.) etwas anderes vermitteln. Danach bedeutet die Liebe zu Gott die Liebe zu allem, was schön ist. Es bedeutet die Liebe zu allem, was mit Gottes Zufriedenheit vereinbar ist, die Liebe zu allem, was Gott geboten hat. Ein gottesnaher Mensch ist jemand, der der Welt nahe steht und die Menschen liebt, und zwar Gott zuliebe. Aus der Sicht der Ahlu-l-bayt (a.s.) ist ein gottesnaher Mensch jemand, der den Kummer der Menschen teilt und sich über ihr Wohlergehen freut. Er fühlt mit den Menschen und kann sich nicht von ihnen distanzieren, er sucht die Nähe zu Gott, indem er die Nähe zu seinen Mitmenschen sucht. Andere Menschen zu lieben und sich ihnen zu nähern bedeutet also auch die Liebe und Nähe zu Gott. Das ist die einzige Liebe, die trotz ihrer Vielfalt einheitlich ist. Sie ist die einzige Liebe, die durch die Liebe zu anderen Dingen entsteht. Menschen in Not zu helfen, sich für die Rechtleitung anderer einzusetzen oder die Bedürfnisse anderer Menschen und Gesellschaften zu erfüllen gelten alle als Gottesdienste, die, falls sie mit der Absicht vollbracht werden, sich Gott zu nähern, die göttliche Liebe zum Menschen bewirken. So entsteht die Zufriedenheit Gottes mit diesen Menschen und umgekehrt die Zufriedenheit der Menschen mit Gott. Das war die Lebensweise des Propheten (s.a.s.).
Imam Bagher (a.s.) erzählte, was der weise Luqman seinem Kind in seinem Testament hinterließ. Luqman sagt darin, dass man, um die göttliche Nähe zu erreichen, seine Freundschaften und Feindseligkeiten ausschließlich für Gott hegen sollte, und dass man im Allgemeinen seinen Nächsten lieben sollte. Von sechs Eigenschaften, die er für gottesnahe Menschen erwähnte, beziehen sich drei auf die Person selbst und drei davon auf Nächstenliebe.[1]
Welche Taten zur Gottesnähe und zu Seiner Liebe führen, und was für Taten uns von Gott distanzieren, können lediglich Gottes Worten und der Quelle der Offenbarung entnommen werden. Der Mensch glaubt manchmal durch Götzendienerei oder Eitelkeit Gott näher zu kommen. Er glaubte manchmal, dass ihn Dinge wie Macht, Reichtum oder Erben vor der göttlichen Strafe retten werden:
„Und sie sprachen:
‚Wir sind reicher an Gut und an Kindern; und wir werden nicht bestraft werden.’“[2]
Die Machthaber, die Jahrhunderte lang die schlimmsten Verbrechen gegen Gott begingen, weil sie glaubten, sie würden sich Ihm nähern, diejenigen, die den Glauben als „Überzeugung von unbekannten Dingen“ definierten, Denkschulen, die Macht als Basis für Gottesnähe ansehen, aber auch die Irregegangenen, die die Distanz von der Gesellschaft und von Menschen für Gottesnähe halten, haben sich in Wirklichkeit alle von Gott distanziert. Das Entstehen und der Aufstieg verschiedener Denkschulen, die den Menschen introvertiert werden lassen und ihn von anderen Menschen distanzieren, bezeugen deutlich den täglich steigenden Bedarf der Menschheit nach Rechtleitung. Aber Gott sagt zu diesem eitlen und übermutigen Menschen:
„Und es ist nicht euer Gut, noch sind es eure Kinder, die euch Uns nahe bringen werden; die aber, die glauben und gute Werke tun, die sollen vielfachen Lohn erhalten für das, was sie getan. Und in den hohen Hallen (des Paradieses) sollen sie sicher wohnen.“[3]
Erkennen wir die Monate Scha’ban und Ramadan als Monate, die uns eine Gelegenheit bieten, uns Gott zu nähern, sollten wie die Gottesnähe suchen, indem wir unsere Zuneigung den Menschen schenken, ihnen helfen und sie rechtleiten. Wir sollten in diesen Monaten besonders die Unterdrückten unterstützen und die Gottesnähe in der Nähe zu unseren Mitmenschen suchen.
Möge Gott uns allen den Erfolg gewähren, mehr als je zuvor dem Islam zu dienen und allen Unterdrückten dieser Welt zu helfen. Wir bitten Gott um Seine Liebe und Nähe, und um höhere Stufen für unsere Weisen, Glaubenszeugen, Gelehrten und alle Diener der Menschheit auf der ganzen Welt. Und der Friede und die Gnade Gottes und Seine Segnungen seien mit euch.
[1] Die Lichtermeere, Kapitel 22; Die Vermächtnisse des Baqer, S. 162.
[2] Sure 34, Vers 35.
[3] Ebd., Vers 37.
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