Donnerstag 09. Feb 2012 (Hamburg)
Morgendämmerung 05:54
Sonnenaufgang 07:51
Mittag 12:34
Nachmittag 14:48
Maghreb 17:45
Nacht 18:48
Mitternacht 23:34
Home :: Freitagsgebet :: Archiv :: 19.02.2010 - Das qur’anische Menschenbild (Teil 12)
Kommentare: 0
Redner: Imam und Leiter des Islamischen Zentrums Hamburg

Das qur’anische Menschenbild (Teil 12)

Im Namen Gottes, des Gnädigen, des Barmherzigen

Aller Lobpreis gebührt Gott, dem Erhabenen, dem Herrn aller Welten. Wir danken Ihm für Seine Gnade und Seine Gaben und bitten Ihn um Hilfe und Rechtleitung in allem, was wir tun, und hoffen, dass Er uns in Seine Gunst aufnimmt. Sein Frieden und Segen seien mit unserem Propheten Muhammad (Friede sei mit ihm), seinen reinen Nachkommen (Friede sei mit ihnen) und seinen rechtschaffenen Gefährten. O Diener Gottes, ich rate mir selbst und Ihnen allen zur Ehrfurcht vor Gott und zum Gehorsam gegenüber Seinen Geboten.
 
 
Die dem Menschen inhärente Würde
 
Die Qur’anverse, die sich auf den Menschen beziehen, repräsentieren zwei Sichtweisen. In manchen Versen wird die Würde des Menschen und seine Überlegenheit im Vergleich zu anderen Geschöpfen angesprochen:
 
 „Und wahrlich, Wir haben die Kinder Adams geehrt und sie über Land und Meer getragen und sie mit guten Dingen versorgt und sie ausgezeichnet - eine Auszeichnung vor jenen vielen, die wir erschaffen haben.“[1]
 
In der Sure „at-TÍn“ wird gesagt, dass der Mensch in bester Gestalt und in schönstem Ebenmaß geschaffen wurde.[2] In einem anderen Vers heißt es, dass die Schöpfung des Menschen in der bestmöglichen Form geschah,[3] und es wird erwähnt, dass alles am Himmel und auf Erden für den Menschen erschaffen wurde:

 
Habt ihr denn nicht gesehen, dass Gott euch alles dienstbar gemacht hat, was in den Himmeln und was auf der Erde ist, und (dass Er) Seine Wohltaten reichlich über euch ergossen hat, äußerlich wie innerlich?...[4]
 
Die menschliche Würde wird so sehr betont, dass Gottes Engel auf Seinen Befehl hin vor dem Menschen niederknien und ihn würdigen sollten, weil diesem die Kompetenz gegeben wurde, die göttlichen Namen zu erlernen und zu Seinem Stellvertreter und Statthalter auf Erden zu werden. Alles ist folglich der Stellung des Menschen gemäß und für ihn erschaffen worden, damit er diese Möglichkeiten nützen und sich selbst vervollkommnen kann. Geht man etwas genauer auf die Qur’anverse ein, die sich mit der Überlegenheit des Menschen anderen Wesen gegenüber befassen, wird deutlich, dass darin im Wesentlichen die Würde des Menschen angesprochen wird. Es sollte allerdings erwähnt werden, dass es auch andere Verse über den Menschen gibt, die seine Schwäche[5], Gier[6], Ungerechtigkeit und Undankbarkeit[7], Ignoranz[8], Verirrung, die ihn den Vierbeinern gleich oder sogar noch schlechter erscheinen lässt[9], und ähnliches ansprechen, und einige Aussagen erklären, dass er den Tiefpunkt erreicht hat[10]. Man sollte dabei beachten, dass dies kein Widerspruch ist, sondern jeder dieser Verse die unterschiedlichen Zustände beschreibt, die der Mensch annehmen kann.
 
Dem Heiligen Qur’an ist zu entnehmen, dass der Mensch zweierlei Würde besitzt. Die eine Art von Würde ist ihm angeboren, während er die andere erst erwirbt. Die angeborene Würde ist ihm gegeben, indem er hinsichtlich seiner Struktur, seiner Kapazitäten und Talente in bester Form erschaffen wurde. Diese Würde hat ihm Gott gegeben dank Seiner besonderen Zuwendung, die der Menschlichkeit eigen ist. Sie hat nichts mit dem Willen des Menschen zu tun. Jeder Mensch sollte seine Position in der Schöpfung erkennen und sich über den großen Anteil an Zuwendung, die ihm von Gott gegeben wurde, bewusst sein. Der Mensch muss bemüht sein, seine Schritte an der Menschlichkeit zu orientieren und sein gesamtes Können auf diesem Weg zu investieren. Mit dem ihm gegeben Vermögen hat er nicht zu prahlen, sondern vielmehr sollte er seine Talente entfalten. Bewahrt er das nicht, was ihm anvertraut wurde, hat er in Wirklichkeit sein Leben und sein Kapital verschwendet. Und der Friede und die Gnade Gottes und Seine Segnungen seien mit euch.


Fußnoten:
[1] Sure al-Isra’, Vers 70.
[2] Sure at-Tin, Vers 4 „Wahrlich, Wir haben den Menschen in schönstem Ebenmaß erschaffen.“
[3] Sure al-Mu’minun, Vers 14: „So sei denn Gott gepriesen, der beste Schöpfer.“
[4] Sure Luqman, Vers 20.
[5] Sure an-Nisa’, Vers 28: „… denn der Mensch ist schwach erschaffen.“
[6] Sure al-Ma`arij, Vers 19: „Wahrlich, der Mensch ist aus Ungeduld geschaffen.“
[7] Sure Ibrahim, Vers 34: „Siehe, der Mensch ist wahrlich frevelhaft, undankbar.“
[8] Sure al-Ahzab, Vers 72: „Fürwahr, er ist sehr ungerecht, unwissend.“
[9] Sure al-Araf, Vers 179: „Sie sind wie das Vieh; ja sie sind weit ärger abgeirrt.“
[10] Sure at-Tin, Vers 5: „Dann setzten Wir ihn auf die niedrigste Rangstufe herab.“

pdf iconDas qur’anische Menschenbild (Teil 12)