Islamisches Zentrum Hamburg
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Nachrichten Code : 66942
Datum der Veröffentlichung : 1/22/2015 5:56:54 PM
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Islamkunde, Teil 134 – Islam und Menschenrechte (Teil: 10)

Freitagsansprache vom 16. Januar 2015

von Ayatollah Dr. Ramezani Imam und Leiter des Islamischen Zentrums Hamburg e.V.

Im Namen Gottes, des Gnädigen, des Barmherzigen

Aller Lobpreis gebührt Gott, dem Erhabenen, dem Herrn aller Welten. Wir danken Ihm für Seine Gnade und Seine Gaben und bitten Ihn um Hilfe und Rechtleitung in allem, was wir tun, und hoffen, dass Er uns in Seine Gunst aufnimmt. Sein Frieden und Segen sei mit unserem Propheten Muhammad, seinen reinen Nachkommen und seinen rechtschaffenen Gefährten. O Diener Gottes, ich rate mir selbst und Ihnen allen zur Ehrfurcht vor Gott und zum Gehorsam gegenüber Seinen Geboten

Zu den wichtigen Punkten, denen im Zuge der Behandlung des Themas Menschenrechte Beachtung geschenkt werden muss, zählt die Moral und das damit in Verbindung stehende Tun und Lassen der Menschen.

Einleitend ist zu daran zu erinnern, dass einige Theologen des Islams, wie der Verstorbene Naraqi, die Moral als eine Art Wissenschaft betrachtet haben und so folgerten:
"Die Wissenschaft der Moral ist die Lehre der für den Menschen zerstörerischen Eigenschaften, und denen, die ihn retten - wie man die Eigenschaften der Rettung verinnerlicht, und wie man die Eigenschaften, die das Zugrundegehen des Menschen bewirken, hinter sich lässt:"
Unter den westlichen Wissenschaftlern, betrachteten ebenso einige die Moral als eine Art der Wissenschaft und definierten: "Die Wissenschaft der Moral besteht aus der Erforschung des menschlichen Verhaltens, in Bezug darauf, wie es (optimalerweise) sein sollte"

Einige Juristen definierten den Begriff Recht(e), als "eine Zusammenstellung verpflichtender Regeln des Regierenden, in Bezug auf die Beziehungen der Individuen innerhalb der Gesellschaft." In der Erklärung dieser Interpretation des Wortes Recht, führten sie weitergehend aus: "Das Recht ist eine Zusammenstellung von Anordnungen, die die Menschen - aufgrund dessen, dass sie in einer Gemeinschaft leben - regiert bzw. leitet."

Daher lässt sich das Recht als eine Zusammenstellung von Regeln für das Zusammenleben der Menschen betrachten, welche über die gemeinschaftlichen Beziehungen der Personen richten muss, und da es ein Gesetz darstellt, ist diese Zusammenstellung zur Ausführung verpflichtet.

In den vorhergehenden Erläuterungen wurde deutlich gemacht, dass das Recht eine Zusammenstellung von Regelungen, Kriterien, Gesetzen und Anordnungen in Bezug auf das gemeinschaftliche Leben der Menschen darstellt, mit dessen Einhaltung alle Menschen aufgrund ihrer innewohnenden Würde, die Erfüllung ihrer Rechte erreichen.

Wichtig ist hier zu wissen, dass die Moral eine enge und tiefe Beziehung bzw. Verknüpfung mit dem Recht aufweist; so, dass beispielsweise auch bekannte französische Juristen die enge Beziehung dieser beiden Komponenten bestätigen und auf sie aufmerksam machen.  Jedoch weist auch der Islam aufgrund der Wichtigkeit von Recht und Moral ebenfalls auf eine enge Beziehung dieser Beiden hin.

Wenn man weitere Nachforschungen bezüglich dieser Gebiete anstellt, so erkennt man deutlicher die enge Beziehung dieser beiden Komponenten. In diesem Teil sollen jedoch nur einige kleine Ausblicke darauf gegeben werden. Viele moralische Regelungen zählen ebenfalls zu den rechtlichen Anordnungen, so wie die Gesetze und Regelungen Übergriffe gegenüber anderen Menschen, ihrem Besitz und ihrer Familie als Verbrechen definieren, so werden sie innerhalb der Moral ebenso zu den schlimmsten und abscheulichsten Taten gezählt. Oder beispielsweise die Gesetze über das Einhalten von Versprechen und Verträgen oder die ungerechte Aneignung von Dingen.

Auch wenn einige moralische Aspekte sich nicht komplett in den Gesetzgebungen wiederfinden lassen, so sind oft in einer anderen Form als "Recht" nachzuverfolgen. So ist es zum Beispiel mit dem Lügen, welches in den Lehren der Moral als der Schlüssel zu Unschönem und Abscheulichem betrachtet wird (جُعِلَتِ‏ الْخَبَائِثُ‏ فِي‏ بَيْتٍ وَ جُعِلَ مِفْتَاحُهُ الْكَذِبُ) - so ist es genau aus diesem Grund, dass der Lügner keinerlei gesellschaftlichen Status genießt, hingegen ist in der Welt der Gesetze, nicht jede Lüge ein Straftat. Jedoch in gewissen Situationen, kann dies durchaus der Fall sein, beispielsweise bei Zeugenaussagen oder beim Ablegen eines Eides.

Wenn auch einige gesetzliche Anordnungen, wie zum Beispiel die Verkehrsgesetze, einem zunächst als unabhängig von jeglichem moralischen Kontext erscheinen, so wird man, wenn man diese genauer betrachtet, feststellen, dass diese ebenfalls moralischer Natur sind. Das Ergebnis dieser Gesetze ist nämlich das Gute, die Zufriedenheit und der Allgemeinnutzen - so ist auch die Realisierung eines Allgemeinnutzens ebenfalls ein Teil der moralischen Anordnungen.

Ebenfalls wichtig zu erwähnen, ist, dass in der gemeinschaftlichen und gesellschaftlichen Dimension der Lehren der Moral, das Gute für die allgemeine Öffentlichkeit einen besonders hohen Stellenwert einnimmt. Auf die gesellschaftlichen Anordnungen haben darüber hinaus auch Verse aus dem heiligen Koran besonderen Fokus, beispielsweise bezüglich der Vergebung, Selbstlosigkeit, dem guten Umgang mit den Mitmenschen, der Treuhandschaft und Vertrauenswürdigkeit, sowie die Aufrichtigkeit und das Innehaben des Geistes zur Zusammenarbeit und Empathie.

Ein relevanter Punkt, welcher ebenfalls in Bezug auf Moral und Menschenrechte erwähnt werden muss, ist, dass die Moral die Grundlage der Menschenrechte darstellt. Insofern, dass wenn die Gesellschaft der Menschen sich den moralischen Erziehungen widmet und sich mit moralischem und wertvollem Verhalten schmückt, alle Bereiche der Gesetzgebung auf korrekte Weise akzeptiert und befürwortet werden. Jedoch darf man sich nicht mit den reinen Lehren der Moral oder lediglich der Wissenschaft der Moral begnügen, sondern man muss sich dem moralischen Verhalten und der Ausarbeitung und Verfeinerung der Moral in Taten widmen - dies stellt ein Muss in unserer heutigen Zeit dar. (Obgleich moralisches Verhalten zu jeder Zeit in der Geschichte der Menschheit,sei es von jeglichem individuellen und persönlichen, sowie familiären, gesellschaftlichen und kulturellen Aspekt, stets eine mit Lob verbundene Anordnung darstellte.)

Es erscheint so, dass das was heute in der Gesellschaft der Menschen verloren gegangen ist, die religiöse Moral ist. Eine Moral basierend auf den Lehren der Religion, führt die Beziehung zwischen Mensch und Schöpfer zum Wachstum, welcher den Menschen durch seinen göttlichen Glauben, ein menschliches, reines Leben erfahren lässt. Vor Allem die heutige Zeit, in welcher das Wissen und die Beziehungen und die Atmosphäre zunehmend virtuell und cyber-basiert sind, kann den Menschen dazu bringen habgierig zu werden, stets die Bequemlichkeit vor Augen zu haben, Macht- und Überlegenheitsansprüche zu stellen und so mit Leichtigkeit die humanen Werte zu verletzen und das eigene Recht und das der Anderen zu untergraben.


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