Islamisches Zentrum Hamburg
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Nachrichten Code : 66094
Datum der Veröffentlichung : 1/11/2015 10:17:05 PM
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5. Konferenz zur Woche der islamischen Einheit

Extremismus als islamische und gesellschaftliche Herausforderung


Anlässlich des gesegneten Geburtstages des Propheten des Islam und der Woche der islamischen Einheit fand, in Zusammenarbeit mit der Schura-Hamburg, am 10. Januar 2015 von 10:00 bis 17:30 Uhr im Islamischen Zentrum Hamburg eine Konferenz unter dem Titel „Extremismus als islamische und gesellschaftliche Herausforderung“ statt.

Die Veranstalltung wurde simultan in die persische, türkische und englische Sprache übersetzt.

Da die diesjährige Konferenz unglücklicherweise mit den Terroanschlägen in Frankreich einherging, war sie von entscheidender Bedeutung und großem öffentlichen Interesse und wurde daher von einem bunten Publikum aus Muslimen und Nichtmuslimen sowie diversen Pressevertretern des öffentlich-rechtlichen und privaten Fernsehens besucht. Bemerkenswert war dabei die hohe Teilnahme der jungen Generation.

Bei dieser Konferenz versammelten sich Vertreter aus diversen Bereichen wie Theologen, Universitätsdozenten, Vorstandvorsitzende, Vertreter muslimischer Gemeinschaften etc..  Sie stellten ihre Sichtweise hinsichtlich verschiedener Aspekte der Muslime in Deutschland und Europa dar.
In den einzelnen Podien wurden Themen wie z.B.: „Islamfeindlichkeit, Muslime in Zeiten des IS-Terrors - Zwischen Distanzierung und Generalverdacht" und "Salafismus als religiöser Extremismus im Islam" diskutiert und mit anschließender Publikumsfragen vertieft.

Es wurde auch über die Terroranschläge in Frankreich gesprochen, welche von allen Rednern verurteilt wurden.

 Zu den Rednern gehörten neben Ayatollah Dr. Ramezani (Imam und Leiter des Islamischen Zentrums Hamburg und Vorsitzender der SCHURA Hamburg) und Herrn Mustafa Yoldaş (Leitender Vorsitzender der SCHURA Hamburg) noch folgende:

Herr Aiman A. Mazyek (Vorsitzender des Zentralrats der Muslime in Deutschland), Dr. Yasemin Shooman (Historikerin, Akademie des Jüdischen Museums Berlin), Hatice Durmaz (Vorsitzende Rat Muslimischer Studierender und Akademiker (RAMSA)), Dr. Andrea Zielinski (Sozial- und Kulturanthropologin, University of London, School of Advanced Studies, Human Rights Consortium), Ali Kızılkaya (Ratsvorsitzender des Islamrats für die Bundesrepublik Deutschland), Dr. Zekeriya Altuğ (Abteilungsleiter für Außenbeziehungen bei DITIB -  Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion), Ünal Kaymakcı (Vorstandsmitglied Islamische Gemeinschaft der Schiiten), Norbert Müller (Vorstandsmitglied SCHURA - Rat der Islamischen Gemeinschaften in Hamburg), Prof. Dr. Katajun Amirpur (Professorin für Islamische Studien/Islamische Theologie, stellvertretende Direktorin der Akademie der Weltreligionen an der Universität Hamburg), Belal El-Mogaddedi (Deutsche Muslim-Liga), Ali Ghandour (Zentrums für Islamische Theologie, Westfälische Wilhelms-Universität Münster), Bacem Dziri (Institut für Islamische Theologie, Universität Osnabrück), Dr. Ali Özdil (Islampädagoge und Islamwissenschaftler), Abu Ahmed Yacobi (Vorstandsmitglied der Schura Hamburg) etc.

Eröffnet wurde die Einheitkonferenz druch die Rezitation einiger Verse aus dem heiligen Quran, gefolgt durch die Grußworte des ersten Redners, Herrn Ayatollah Dr. Ramezani.

Der zweite Redner war Herr Mustafa Yoldas, der zu Beginn die Zusammenarbeit der Sunniten und Schiiten in Hamburg als vorbildhaft lobte. „Hamburg ist ein Vorbild und Hauptstadt des innerreligösen und interkulturelen Dialog“, sagte er. Dies zeige der erste Staatsvertrag zwischen den muslimischen Verbänden und der Stadt Hamburg. Das sei allerdings nicht überall wie in Hamburg, fügte er hinzu. „Der gesamtgesellschaftliche Frieden ist aktuell einer Belastungsprobe durch Extremisten ausgesetzt" und verwies auf die aktuellen Anschläge in Paris und die Extremisten des sog. IS. All dies sei ein Grund für die zunehmende Islamophobie in Deutschland. „Extreme aus beiden Lagern seinen Verantwortlich dafür“, sagte er im Hinblick auf PEGIDA, deren Nährboden solch terroristische Akte in Paris und der Welt sind.

Weiter äußerte er sein Entsetzten über die Verhaltens- und Vorgehensweise des sog. IS in Syrien und im Irak und verurteilte die Tötung und Verfolgung der Minderheiten im Irak.

"Jeder der Spaltung säht, hat die reinen islamischen Prinzipien nicht verstanden", so Yoldas. "Muslime brauchen eine tiefergehende innerislamische Auseinandersetzung über die ideologischen Grundlagen für religiösen Extremismus und ein Verständnis darüber, wie der Salafismus im Widerspruch zur traditionellen islamischen Lehre steht." Herr Yoldas sprach sich für Einheit, Freiheit, Toleranz und  gegen Extremisten aus. Getreu dem Motto einheitlich gegen Intoleranz.

Andere kommentierten, der Salafismus sei eine fundamentalistische Reformbewegung und im Eigentlichen eine Rebellion gegen die Tradition der Muslime. Heutzutage nutzen sie weltpolitische Ungerechtigkeiten aus, um Leute zu emotionalisieren, die primär keine Relegiösität an sich, sondern eher eine Identität suchen. Salafismus sei ein Produkt des Kolonialismus.

Dr. Ali Özdil (Islampädagoge und Islamwissenschaftler) begrüßte die Worte seines Vorredners. Er kritisierte in seiner Einführung die Gestaltung der Medien in Bezug auf die Besetzung der Talk-Showgäste, welche meist durch zwei extreme Lager auf beiden Seiten belegt sind.
Er warnte die jugendlichen Muslime über die Verbreitung unwissenschaftlicher Rechtsurteile und fälschliche Verwendung von Quranversen, ohne den Kontext zu berücksichtigen. In dieser Hinsicht begrüßte er die Aufklärungsarbeit von Dr. Adnan Ibrahim in diversen sozialen Netzwerken.
Frau Prof. Dr. Katajun Amirpur (
Professorin und stellv. Direktorin der Akademie der Weltreligionen an der Universität Hamburg) fügte zum zuvor Gesagten hinzu, islamisches Wissen sei derartig umfangreich, dass es nicht wie von einigen einschlägigen Predigern in wenigen Minuten oder Sekunden erklärt werden kann.

Sie sprach sich betrübt über die fortwährende Rückweisung der Muslime in Deutschland aus und über die Reduzierung der muslimsichen Bevölkerung auf Ihre Herkunft und Religion, trotz deutscher Staatsbürgerschaft.
"Wir müssen dieses Land überzeugen, dass wir dazu gehören" und befürwortete die Einführung von islamischen Religionsunterricht.
Sie übte harsche Kritik an den Attentätern des Angriffs auf die Nachrichtenagentur Charlie Hebdo aus. "Der Prophet hätte sich nicht für eine Beleidung gerächt, sondern vergeben", sagte sie diesbezüglich.

Bilal Al Mogaddedi (Vorsitzender der Deutschen Muslim Liga) fügte hinzu, "eine Pluralistische Gesellschaft ist wichtig. Problemen und Konflikten sollte man mit Weisheit begegnen. Kritik an Satire darf nicht als anti-pluralistisch gesehen werden, jedoch muss man sich im Rahmen des Rechtlichen dagegen wehren."

Dr. Andrea Zielinski (Sozial- und Kulturanthropologin, University of London, School of Advanced Studies, Human Rights Consortium) wies auf die Pluralität der Minderheiten in Deutschland hin und sagte: "Deutschland ist im Hinblick auf die Idealvorstellung ein extremer Staat, was die Homogenisierung angeht. Das Kopftuch z.B. wird als Angriff auf die Wertevorstellung und Ideale der Mehrheitsgesellschaft in Frage stellt."

Das Schlusswort der Veranstaltung hatte Ayatollah Dr. Ramezani, der sich bei allen Anwesenden sowie den Podiumsgästen bedankte. Das zahlreiche Erscheinen und die verschiedenen Diskussionen sah er als ein Anzeichen dafür, dass es einen sehr großen Bedarf an solchen Debatten und Diskussionen gibt, die tiefgründig untersucht werden müssen.

Er sprach an, dass der Gott aller Propheten, ein und der gleiche Gott ist. Er sei voller Barmherzigkeit. Dies sind ebenso seine Gesandten, einschließlich des Propheten des Islams, Friede sei mit ihm und seiner reinen Nachkommenschaft. Propheten seien zu den Völkern als Warner gekommen und um unter ihnen Freundschaft und Frieden zu schaffen. "Wenn die Religionen und Rechtsschulen zusammenhalten, können keine externen Einflüsse zwischen ihnen Streitigkeiten und Auseinandersetzungen erzeugen“, ermahnte er.

Zu den Terroanschlägen sagte er: „Das Töten der Menschen, egal ob Christ, Jude, Muslim oder Andersdenkende, ist ohne Zweifel verboten und keiner der Propheten würde dies jemals erlauben.“

„Ich habe 35 Jahre lang studiert und geforscht und bin zu dem Ergebnis gekommen, dass keine Religion je für Gewalt gekommen ist und die Zuordnung solcher Gewalt zu dem Glauben absurd und inakzeptabel ist“, betonte er. Der Leiter des Islamischen Zentrums Hamburg sagte noch, dass eine Religion niemals gegen eine andere benutzt werden könne und sämtliche Extremisten, die durch ihre exkommunikativen Ansichten viele andere Menschen als Ungläubige ansehen, woanders ihren Ursprung gefunden haben und keinesfalls zu einer Rechtschule gehören und auf keinen Fall eine innerislamische Erschaffung seien.

Der Islam ist die Religion der Barmherzigkeit und die Rechtsschulen stehen nebeneinander zusammen. Gruppen wie der IS und vorher die Taliban, seien nach Auslegungen des Korans und der Überlieferungen ganz klar keine Muslime!

Er apellierte, dass alle Muslime jetzt tapfer sein und ihre Meinung mit Mut vertreten sollten.

Ayatollah Dr. Ramezani betonte noch, dass jegliche Sähung von Angst und Schrecken zu verurteilen sei. Es sollte gar nicht zur Debatte stehen, ob grausame, terroristische Taten zu einer Religion gehören würden. Es sei eindeutig, dass Terroranschläge oder Enthauptungen gar nichts mit dem Islam gemein haben.

Es bestehe Bedarf, solche Debatten in Zukunft fortzuführen und zu intensivieren.

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