Islamisches Zentrum Hamburg
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Nachrichten Code : 63132
Datum der Veröffentlichung : 11/19/2014 6:21:38 PM
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Islamkunde Teil 125 - Islam und Menschenrechte Teil 1

Freitagsansprache vom 19. September 2014

von Ayatollah Dr. Ramezani Imam und Leiter des Islamischen Zentrums Hamburg e.V.

Im Namen Gottes, des Gnädigen, des Barmherzigen.

Aller Lobpreis gebührt Gott, dem Erhabenen, dem Herrn aller Welten. Wir danken Ihm für Seine Gnade und Seine Gaben und bitten Ihn um Hilfe und Rechtleitung in allem, was wir tun, und hoffen, dass Er uns in Seine Gunst aufnimmt. Sein Frieden und Segen sei mit unserem Propheten Muhammad, seinen reinen Nachkommen und seinen rechtschaffenen Gefährten. O Diener Gottes, ich rate mir selbst und Ihnen allen zur Ehrfurcht vor Gott und zum Gehorsam gegenüber Seinen Geboten.

Einer der Lehren innerhalb des Islams, welcher viel Aufmerksamkeit und besondere Betonung zu Grunde liegt, ist das Thema der Menschenrechte; und wenn man die Hauptlehren der göttlichen Religion erforscht, so wird man ebenfalls zu diesem Fazit kommen.
Alle abrahamitischen Religionen spielten eine wirksame Rolle bei der Verbreitung der Menschenrechte, daher ist der Anteil der göttlichen Religionen in der Geschichte jener Rechte besonders auffallend. Der Grund hierfür ist sehr ersichtlich und klar, da die göttlichen Propheten stets das Erkennen der Wahrheit und des Wertes der Menschen im Sinne hatten.

Die Menschheit wurde mit einem wichtigen Ziel und einer Absicht erschaffen. Mit dem Ziel, dass sie sich selbst finden und alle ihre Möglichkeiten und Fähigkeiten auf dem Weg hin zur menschlichen und himmlischen Vervollkommnung Nutzen machen. Diese Absicht ist nicht zu erreichen, außer mit der Hingabe und Dienerschaft zum einzig wahren Gott und der Meidung und Lossagung von jeglichem Abgott („Taghut“). Zweifelsohne waren die göttlichen Propheten auf ihrem Lebensweg mit Menschen konfrontiert, die bemüht waren die Menschen auszubeuten und sie ihrem eigenen Joch zu unterwerfen, sie auszunutzen und die Menschen zum Erreichen ihrer eigenen verdorbenen Zwecke unterdrückten und ihre Rechte übergingen und mit Füßen traten. Daher ist es so, dass die göttlichen Propheten im Verlauf der gesamten Menschheitsgeschichte stets gegen die Ausbeuter und jene, die mit Zwang und Betrug die Menschen ausbeuteten, in Konflikt traten. Sie bekämpften diese, zwecks Umsetzung einer gesellschaftlichen Gerechtigkeit und der Erhaltung der Rechte der Menschen und der Aufhebung der Benachteiligung zwischen Rassen und der Bevorzugung von sozialen oder hierarchischen Schichten.
Um ein Beispiel zu nennen, nehme man den Propheten Abraham (Friede sei mit ihm), welcher dem Abgott / Übertreter („Taghut“) seiner Zeit - Nimrod - welcher sogar die Göttlichkeit für sich beanspruchte, Widerstand leistete und sein Gedankengut und Prinzipien entfernte. Jener Nimrod, der die Menschen seiner Sklaverei und Dienerschaft unterjochen wollte und sich sogar die Macht des Herren, über Leben und Tod des Menschen zu entscheiden, zuschrieb. Dahingehend sagt der heilige Koran folgendes:

"Hast du nicht über jenen nachgedacht, der über seinen Herrn mit Abraham ein Wortgefecht führte, weil Allah ihm die Herrschaft gegeben hatte? Als Abraham sagte: "Mein Herr ist Derjenige, Der lebendig macht und sterben lässt", sagte er: "Ich bin es, der lebendig macht und sterben lässt". Da sagte Abraham: "Doch es ist Allah, Der die Sonne im Osten aufgehen lässt; so lass du sie im Westen aufgehen". Da war der Ungläubige verwirrt. Und Allah leitet nicht die ungerechten Leute" (Sure Al-Baqarah Vers 258)

Aus diesem heiligen Vers entnehmen wir: Nimrod sprach aufgrund seines arroganten Charakters, sogar das Entscheidungsrecht über Leben und Tod des Menschen sich selbst zu.

Ein weiterer Wiederstand, welcher im Koran auf ausführliche Art und Weise erwähnt wird, ist der Widerstand des Propheten Moses (Friede sei mit ihm) gegen den Gewaltherrscher seiner Zeit - Pharao („Fir'aun“). Pharao teilte die Menschen in zwei Teile, auf der einen Seite die vorzüglicheren Menschen und auf der anderen die Schwachen; für die Zweite Gruppe sah er in keinster Weise Rechte vor, in jenem Maße, dass er jeder Person der er wollte, zu jeder Zeit, sein Leben nehmen konnte. Daher erhebte sich der Prophet Moses (Friede sei mit ihm) gegen die Arroganz der Leute Pharaos und leistete bis zuletzt dem pharaonischen Gedankengut und Prinzip Widerstand. Der heilige Koran erzählt uns die Geschichte wie folgt:

"Gewiss, Fir'aun (Pharao) zeigte sich überheblich im Land und machte seine Bewohner zu Lagern, von denen er einen Teil unterdrückte, indem er ihre Söhne abschlachtete und (nur) ihre Frauen am Leben ließ. Gewiss, er gehörte zu den Unheilstiftern."
(Sure Al-Qasas Vers 4)

Darüber hinaus wird in weiteren Versen über Verletzungen der Menschenrechte durch Pharao und seinem Heer berichtet. Aber der Allmächtige Gott beauftragte den Propheten Moses (Friede seit mit ihm) mit der Aufgabe, sich diesem arroganten Herrscher entgegenzustellen und das Recht der Menschen zu verteidigen, sodass sie von ihrem gottgegebenen Recht auf Leben Nutzen ziehen können und in Ehre und Würde leben können.

Und so wie ebenfalls von Abbas (Friede sei mit ihm) überliefert wird:
Seine Heiligkeit leistete Widerstand gegen die religiösen Abweichungen und der damit verbundenen Gewaltherrschaft seiner Zeit und brachte allen Menschen die Botschaft des Friedens, der Freundschaft und Barmherzigkeit. Er lehrte der Menschheit mit seinen Predigten und Ratschlägen den Weg der Seligkeit und des Glückes - was bedeutet, dass im Hinblick auf den heiligen Koran die Verteidigung aller Rechte des Menschen durch den Propheten des Islams Mohammad (Friede sei mit ihm und seiner reinen Nachkommenschaft) ersichtlich ist.

Wenn man sich nun mit der Zeit der Unwissenheit (vorislamische Zeit) auseinandersetzt, so gelangt man zum folgenden Fakt. Der Prophet (Friede sei mit ihm und seiner reinen Nachkommenschaft) hat in seiner Erziehung und Belehrung (der Menschen), die Verteidigung der Menschenrechte als seine wichtigste Mission betrachtet. Außerdem hatte seine Heiligkeit stets die Bestrebung, dass keinem Menschen sein Recht entzogen werden darf - stattdessen solle in jeder Zeit die Führung den Menschen ihre Rechte gewähren und sich tatsächlich bemühen die Menschenrechte, in jeder ihrer verschiedenen Ausprägungen, zu erfüllen.

Das Entgegentreten gegenüber den moralischen, wirtschaftlichen, religiösen, politischen und gesellschaftlichen Krisen und Problemen zu Zeiten des Propheten Mohammad (Friede sei mit ihm und seiner reinen Nachkommenschaft), ist das beste Zeugnis für das Verteidigen der Menschenrechte seitens der göttlichen und abrahamitischen Religionen. Als Beispiel wird kurz auf die Analyse des Fürsten der Gläubigen über die damalige (vorislamische) Kultur der Unwissenheit, welche gänzlich gegen die Menschenrechte ausgerichtet war, angedeutet, sodass diese Wahrheit ans Tageslicht kommt, dass die göttlichen Propheten und die Krone all dieser, der Prophet Mohammad (Friede sei mit ihm und seiner reinen Nachkommenschaft), die wichtigste Rolle bei der Erklärung und Darlegung der Menschenrecht innehatte.

Imam Ali (Friede sei mit ihm) sagt über die entartete Kultur der Unwissenheit zu Zeiten des Propheten:

«ارسله علی حین فتره من الرّسل و طول ............. من الحروب»

Der Gesandte Gottes wurde zu einem Zeitpunkt auserwählt, als (längere) Zeit seit den vorherigen Propheten verstrichen war; als die Gemeinschaften schliefen; die Zwietracht unentwegt die Gesellschaft zerschlug; und Kriege loderten.
Darüber hinaus sagt er an anderer Stelle:

انّ الله بعث نذیراً للعالمین و امینا علی ......... بکم معصوبه»

Der Gesandte Gottes (Friede sei mit ihm und seiner reinen Nachkommenschaft) wurde zu einem Zeitpunkt zur Prophetie erhoben, als ihr Araber den schlimmsten Glauben (Polytheismus und Götzenanbetung) hattet, ihr auf dem schlechtesten Boden (was Wasser und Klima betraf) verharrtet, eurer Aufenthalt zwischen der trockenen und brennenden Steinwüste und den Reptilien und giftigen Schlangen lag, das, was ihr zu Trinken pflegtet, war verschmutzt und ihr aßt schreckliche Dinge, ihr ließet euer Blut gegenseitig zu Unrecht fließen und ihr schnittet die Verbindungen der Beziehungen, die Götzen wurden in euren Reihen angebetet, und ihr wart von Übel und Sünden durchdrungen.

Aus diesem Grund liegt hierin kein Zweifel, dass in den Lehren der Bücher der göttlichen Religionen, die verschiedenen Aspekte der Menschenrechte, wie das Wahren der Menschenwürde, Freiheit, gesellschaftliche und politische Rechte, gesellschaftliche Gerechtigkeit und das Verhindern von Benachteiligungen und Diskriminierungen aufgrund der Rasse, Sprache, Volkszugehörigkeit und der sozialen und hierarchischen Ebenen - in bester Art und Weise verteidigt werden, auf die wir in unseren zukünftigen Erörterungen noch eingehen werden; so wie auf die Aspekte der Menschenrechtserklärung vom 26. August 1789 ( Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte in Frankreich) und der islamischen Menschenrechtserklärung von Kairo vom 5. August 1990.


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