Islamisches Zentrum Hamburg
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Nachrichten Code : 42704
Datum der Veröffentlichung : 1/16/2014 10:20:00 PM
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Islamkunde 99 – Frieden und Sicherheit 6 Redner: Ayatollah Dr. Reza Ramezani Imam und Leiter des Islamischen Zentrums Hamburg

In der Thematik der Arten der Sicherheit wurde auf die zwei Arten bezüglich des Lebens und der Würde hingewiesen.

Im Namen Gottes, des Gnädigen, des Barmherzigen.

Aller Lobpreis gebührt Gott, dem Erhabenen, dem Herrn aller Welten. Wir danken Ihm für Seine Gnade und Seine Gaben und bitten Ihn um Hilfe und Rechtleitung in allem, was wir tun, und hoffen, dass Er uns in Seine Gunst aufnimmt. Sein Frieden und Segen sei mit unserem Propheten Muhammad, seinen reinen Nachkommen und seinen rechtschaffenen Gefährten. O Diener Gottes, ich rate mir selbst und Ihnen allen zur Ehrfurcht vor Gott und zum Gehorsam gegenüber Seinen Geboten.

In der Thematik der Arten der Sicherheit wurde auf die zwei Arten bezüglich des Lebens und der Würde hingewiesen. Nun werden wir die anderen Arten der Analyse unterziehen.

 

Die Sicherheit bezüglich des Vermögens: Aus den Lehren des Qur’an erhalten wir, dass der Mensch sein Hab und Gut und das der anderen, der gesamten Gesellschaft zugehörig weiß, sodass ihr Schutz und die Bereitstellung von Sicherheit bezogen auf das Vermögen der Menschen ein Recht darstellt, welches jeder an die Regierung richtet. Das gesellschaftliche Hab und Gut stellt ein allgemeines Vermögen dar und ihr Schutz ist in Wahrheit der Schutz des gesellschaftlichen Lebens und ihrer Zusammensetzung. Allerdings hat diese qur’anische Sichtweise nicht zu bedeuten, dass man nicht im Besitz privaten Eigentums sein kann. Der Islam hat genauestens die Grenzen des privaten und öffentlichen Besitzes festgelegt und jeweils eigene Gesetze festgeschrieben. Aus islamischer Sicht ist die Achtung vor dem Vermögen des Gläubigen, der Achtung vor seinem Blut gleichgestellt, die der Sicherheit bedarf. So wurde vom Propheten Muhammad (s.)[1] überliefert:  „Und die Achtung vor seinem Vermögen ist wie die Achtung vor seinem Blut.“

 

وَ حُرمَةُ مَالِهِ كَحُرمَةِ دَمِهِ [2]

 

Allerdings ist es eindeutig, dass mit „Achtung“ der Respekt gegenüber dem Besitz des Gläubigen gemeint ist und das jedwede Überschreitung eine verbotene Handlung darstellt. Genauso wie das Vermögen eines jeden einzelnen in der Gesellschaft geschützt werden muss, muss auch das Vermögen der Öffentlichkeit und einer Nation in Sicherheit sein. Die wirtschaftliche Sicherheit zwischen den Staaten bedarf sogar eines höheren Schutzes als der militärischen Sicherheit, da das wirtschaftliche Wachstum einer jeden Gesellschaft von dem Sicherheitsempfinden der Investoren gegenüber ihrer Investitionen abhängt, sodass sie es vor jedwer Gefahr in Sicherheit wissen können. Deshalb ist die Gerechtigkeit im Hinblick auf die Wirtschaft noch vor der wirtschaftlichen Sicherheit für die Gesellschaft von Bedeutung. Sollte es keine wirtschaftliche Gerechtigkeit in einer Gesellschaft geben, so werden die wohlhabenden, kein Leid kennenden, unterdrückerischen und selbstsüchtigen Schichten einer Gesellschaft bestrebt sein sich am allgemeinen Vermögen der Menschen zu bereichern, sodass sich die Gesellschaft zu einer verschwenderischen wandelt. Hierbei ergaunern sich einige wenige durch wirtschaftliche Tricksereien das öffentliche Hab und Gut in ihre eigenen Taschen. Genau dies führt zu rassistischen Diskriminierungen, Unterdrückung und Tyrannei in einer Gesellschaft und zur Armut, Mittellosigkeit und dem Elend eines jeden einzelnen. Allerdings muss zur Realisierung der wirtschaftlichen Sicherheit, der Verschwendung ein Ende gesetzt werden und die Menschen müssen zur Erhöhung der nationalen Produktion eingeladen werden.

 

Rechtliche Sicherheit:Alle Menschen müssen von dem Gerechtigkeitsstreben der gerichtlichen Institutionen überzeugt sein, sodass im Falle eines begangenen Unrechts gegen jemanden, diese für sein Recht einstehen und es verteidigen. Der noble Qur’an zählt die Umsetzung der Gerechtigkeit zu den wichtigen Aufgaben der göttlichen Propheten und unterstreicht, dass keineswegs gegen jemanden ein Unrecht ausgeübt werden darf. Die Atmosphäre einer Gesellschaft muss für alle Menschen Sicherheit bereitstellen, sodass kein Raum mehr für irgenwelche Sorgen übrig bleibt. Eine andere Ebene der rechtlichen Sicherheit bezieht sich auf die Klage. Dies bedeutet, dass jeder in einer Gesellschaft, unabhängig von seinem Stand, im Falle seiner Hinwendung an das Gericht zur Vereidigung seines Rechts die Überzeugung haben muss, dass er zu seinem Recht kommen kann. Dem Richter wurde angewiesen, dass er beim richten zwischen den beiden Parteien neutral bleiben muss, sodass weder im Freund Hoffnung geweckt wird, noch im Feind Hoffnungslosigkeit. Er muss genauestens ihre Behauptungen vernehmen und analysieren und auf Basis dessen anschließend zu einem gerechten Urteil kommen. Aus diesem Grund widmet der Führer der Gläubigen, Imam Ali (a.), einen Teil seiner Reden der Erklärung über die Aufgaben des Richters: „Achte unter den Muslimen auf die Gleichheit deines Blickes, deiner Rede und dem Ort deines Sitzens ihnen gegenüber, sodass nicht ein dir Nahestehender deinen Posten ausnutzt, noch dein Feind bezüglich deiner Gerechtigkeit in Hoffnungslosigkeit gerät.“

 

« ثُمَّ وَاسِ بَيْنَ الْمُسْلِمِينَ بِوَجْهِكَ وَ مَنْطِقِكَ وَ مَجْلِسِكَ حَتَّى لَا يَطْمَعَ قَرِيبُكَ فِي حَيْفِكَ وَ لَا يَيْأَسَ عَدُوُّكَ مِنْ عَدْلِكَ... »[3]

 

 

In einer anderen Überlieferung wird über Imam Sadiq (a.) berichtet, welcher sprach: „Ein Mann begab sich zum Führer der Gläubigen und verbrachte einige Tage bei ihm. Anschließend berichtete er seiner Exzellenz über einen Streitfall, den er mit einigen anderen hatte. Imam Ali (a.) sagte ihm: „Bist du einer der Streitparteien?“ Er sagte: „Ja.“ Der Imam sprach: „Gehe von uns, da der Gesandte Gottes es verboten hat, dass einer der Streitparteien ohne die Anwesenheit des anderen Gast des Richters ist.““

 

« تَحَوَّل عَنَّا فَإِنَّ رَسُولَ اللَّهِ(ص) نَهَى أَنْ يُضَافَ الْخَصمُ إِلَّا وَ مَعَهُ خَصْمُهُ »[4]

 

Der Islam ehrt die Achtung des Menschen in einer Art und Weise, sodass es keineswegs erlaubt, dass jemand der Würde des Menschen einen Schaden zufügt. Sollte jemand sich gegen ihn verschwören, seine Ehre verletzen, in seinen privaten Angelegenheiten spionieren und stöbern oder jemanden ängstigen und unhaltbare Vorwürfe an jemanden richten oder gar misstrauisch sein, so sieht er keines von diesen Fällen als erlaubt an. Dies ist von großer Bedeutung, da die Aufmerksamkeit auf ihnen dazu führt, dass der Mensch von einer sicheren und ruhigen Atmosphäre profitieren kann und in Richtung des Schutzes der Ehre des Menschen und seiner hohen Stellung schreitet.



[1] Friede sei mit ihm

[2] Al-Kafi, B. 2, S. 359

[3] Al-Kafi, B. 7, S. 412

[4] حر عاملی،  محمد بن حسن بن على بن محمد بن حسين‏، وسائل الشيعه، ج 27، 3ـ باب استحباب مساواة القاضي بين...، ح 33624.

 

 


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