Islamisches Zentrum Hamburg
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Nachrichten Code : 42693
Datum der Veröffentlichung : 1/16/2014 9:54:00 PM
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Islamkunde 85 - Spiritualität 12 Redner: Ayatollah Dr. Reza Ramezani Imam und Leiter des Islamischen Zentrums Hamburg

Die Bekanntschaft mit den Hindernissen zur Bildung der Spiritualität gehört zu den unleugbaren Notwendigkeiten.

Im Namen Gottes, des Gnädigen, des Barmherzigen.

Aller Lobpreis gebührt Gott, dem Erhabenen, dem Herrn aller Welten. Wir danken Ihm für Seine Gnade und Seine Gaben und bitten Ihn um Hilfe und Rechtleitung in allem, was wir tun, und hoffen, dass Er uns in Seine Gunst aufnimmt. Sein Frieden und Segen seien mit unserem Propheten Muhammad, seinen reinen Nachkommen und seinen rechtschaffenen Gefährten. O Diener Gottes, ich rate mir selbst und Ihnen allen zur Ehrfurcht vor Gott und zum Gehorsam gegenüber Seinen Geboten.

Die Bekanntschaft mit den Hindernissen zur Bildung der Spiritualität gehört zu den unleugbaren Notwendigkeiten. In der letzten Sitzung wurde auf die wichtigste Hürde zur Spiritualität, welches der mangelnde Glaube an die verborgene Welt (Alam Ghaib) ist, hingewiesen und dargelegt, dass der Unglauben aus der Ignoranz, Unwissenheit, Leugnung, sowie dem Zweifel und der Skepsis herrührt. Weiterhin wurde die Bekanntschaft mit den richtigen Merkmalen auf den Gebieten der Spiritualität, Moral etc. als geeignetster Weg zu seiner Überwindung aufgeführt, welches dazu führt, dass der Mensch Wissen und Erkenntnis erlangt. Aus diesem Grund stellt das Festhalten an der geoffenbarten Erkenntnis zur Behandlung dieser eminenten Krankheit den wichtigsten Lösungsansatz dar.

 

Als weitere ernsthafte Hürde zur Spiritualität kann man das Sündigen und den Ungehorsam gegenüber dem erhabenen Herrn aufzählen. Diejenigen, die sich nicht an die lichterfüllten Gesetze und Gebote der Religion, wie den religiösen Verpflichtungen, Verboten, sowie dem Empfohlenem und Verpöhntem halten, haben in Wahrheit den richtigen Rahmen zur Erkenntnis der Rechtschaffenheit und dem Verwerflichen aus den Augen verloren, welches dazu führt, dass sie den Pfad der Spiritualität verlassen und das Augenlicht für die spirituelle Welt verlieren. Die Sünde gleicht einer Demontage und ist gleichbedeutend mit dem Verlassen des Weges der vernünftigen und natürlich veranlagten Gesetze. Sie trübt Stück für Stück den Pfad der menschlichen Rechtleitung und schwächt weiterhin die Beziehung des Menschen zu Gott und der verborgenen Welt, sodass göttliche Zeichen geleugnet werden und sich über sie belustigt wird. So spricht Gott, der Erhabene: „Das Ende derjenigen, die sündigten, war, dass sie die Zeichen Allahs verleugneten und über sie zu spotten pflegten.“ 

 

ثُمَّ كَانَ عَاقِبَةَ الَّذِينَ أَسَاءُوا السُّوأَىٰ أَنْ كَذَّبُوا بِآيَاتِ اللَّهِ وَكَانُوا بِهَا يَسْتَهْزِئُونَ

 

Die Fortschreitung auf diesem Weg führt zur weiteren Abweichung des Menschen (vom rechten Pfad) und zu größerer Verirrung, sodass er in eine Position kommt, in welchem das Schlechte in seinen Augen als gut erscheint: „Ist etwa derjenige, dem sein böses Tun ausgeschmückt wird und der es dann für schön befindet, (wie jemand, der die Wirklichkeit so sieht, wie sie ist?)“ 

 

أَفَمَنْ زُيِّنَ لَهُ سُوءُ عَمَلِهِ فَرَآهُ حَسَنًا

 

Durch diese Abweichung werden die guten Handlungen in Wahrheit als schlecht und die schlechten Handlungen als gut angesehen. In einem solchen Fall ist der Weg der Spiritualität mit einer ernsthaften Bedrohung konfrontiert, da die Sünde ein Hindernis für das seelische und spirituelle Wachstum des Menschen darstellt und ihm seinen wahren Wert nimmt, sowie vom Weg des Rechts und der Wahrheit distanziert.

 

Wenn man den Folgen und Effekten der Sünde in unterschiedlichen Bereichen eine größere Aufmerksamkeit schenkt, so kommt man unweigerlich zum Ergebnis, dass die Sünde ein großes Hindernis für die Spiritualität des Glaubens darstellt, treffen wir doch bereits bei einem oberflächlichen Blick auf die situationsbedingten Folgen der Sünde auf Fälle, die einen schweren Schlag in die seelische und spirituelle Verfassung des Menschen versetzen. Man kann hierbei u.a. auf die Angst und Furcht, die Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit, den Raub der seelischen und gesellschaftlichen Sicherheit, die Sorge und Bedrückung, das Schrecken und die Verwirrung, die Zwietracht und Spaltung, sowie der Verwehrung einer vertrauten Beziehung zu Gott hinweisen. Falls einer dieser Folgen des Sünde in das Leben des Menschen tritt, so zerstört sie alles in ihm. In Wahrheit kommt die zarte menschliche Seele durch die Sünde in eine Stufe des Absturzes und der Rückbildung, bei der zuweilen das Gefühl der Identitäts- und Sinnlosigkeit ins Leben tritt, welches im Falle einer Fortsetzung und Kontinuität der Sünde dazu führen kann, dass sich der Mensch das (weitere) Leben auf der Erde verbietet und unrechte Handlungen begeht.

 

Auch wenn die Wege der Konfrontation mit der Sünde nicht Gegenstand unserer heutigen Sitzung sind, so kann man kurz und bündig sagen, dass sich der Mensch eine starke Stütze zur Konfrontation mit der Sünde errichten kann und in seinem Inneren die Bewegung in Richtung der Spiritualität zu stärken vermag, sollte er sich u.a. mit den Bittgebeten verbinden, bestrebt sein seinen Glauben, Willen und seine Überzeugung zu stärken, mit dem Gedenken Gottes beschäftigen, die Neigungen seiner natürlichen Veranlagung entfalten, dem Nachdenken widmen und in Richtung Gottes zurückkehren, sowie Reue zeigen und auf die Verfassung seiner Triebseele achten, ihre Begierden kontrollieren und mit dem wahren Wort, dem heiligen Qur’an, eins werden und es mit Aufmerksamkeit und Bewusstsein rezitieren.


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