Islamisches Zentrum Hamburg
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Nachrichten Code : 42685
Datum der Veröffentlichung : 1/16/2014 9:01:00 PM
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Islamkunde 76 - Spiritualität 3 Redner: Ayatollah Dr. Reza Ramezani - Imam und Leiter des Islamischen Zentrum Hamburg

Heute wird den Lehren aller monotheistischen Religionen entnommen, dass der Mensch ein spirituelles Wesen ist,

Im Namen Gottes, des Gnädigen, des Barmherzigen.

Aller Lobpreis gebührt Gott, dem Erhabenen, dem Herrn aller Welten. Wir danken Ihm für Seine Gnade und Seine Gaben und bitten Ihn um Hilfe und Rechtleitung in allem, was wir tun, und hoffen, dass Er uns in Seine Gunst aufnimmt. Sein Frieden und Segen seien mit unserem Propheten Muhammad, seinen reinen Nachkommen und seinen rechtschaffenen Gefährten. O Diener Gottes, ich rate mir selbst und Ihnen allen zur Ehrfurcht vor Gott und zum Gehorsam gegenüber Seinen Geboten.

 

 

Heute wird den Lehren aller monotheistischen Religionen entnommen, dass der Mensch ein spirituelles Wesen ist, denn seine Wahrheit und Echtheit steht im direkten Zusammenhang mit seiner Seele und seinem Geist. Es sind die spirituellen Neigungen der Menschen, welche ihren Seelen – und nicht ihren Körpern – entspringen, die ihnen einen wahren Wert verliehen haben. Die Seele und der Körper eines Menschen sind dem Reiter und seinem Reittier gleichzusetzen. Der Wert und die Position des Menschen hängt von seiner Seele, welche eine göttliche Seele ist, ab.

Erst nachdem dem Menschen die göttliche Seele, wie sie im Qur’an erwähnt[1] wird, eingehaucht wird, ist er des Erlernens des göttlichen Wissens würdig[2]. Es ist die Wahrheit, die sich in den Seelen der Menschen befindet, die überhaupt die Kapazität besitzt, das ihnen von Gott anvertraute Wissen aufzubewahren und ans Ziel zu bringen: "Wahrlich, Wir boten das Treuhänderamt den Himmeln und der Erde und den Bergen an; doch sie weigerten sich, es zu tragen, und schreckten davor zurück. Aber der Mensch nahm es auf sich. Wahrlich, er ist sehr ungerecht, unwissend.“ (33:72)

Aufgrund dieser natürlichen Beschaffenheit neigen die Menschen zum Spirituellen und sind bemüht, ihr Leben entsprechend zu gestalten. Leider wird dieses Talent aber bei manchen Menschen nicht benutzt, und somit bleibt ihnen das wahre, spirituelle Leben verwehrt. Sie bilden sich ein, ein spirituelles Leben zu führen, doch tatsächlich treiben sie in absoluter Unwissenheit vor sich hin und ihr Inneres ist leer von jeglicher Spiritualität. Die Spiritualität spricht zwei wichtige Bedürfnisse der Menschen an: Erstens den Bedarf nach eines spirituellen Lebens im Gegensatz zum rein materiellen Leben, und zweitens den Bedarf nach einem Sinn im Leben.

Ein spirituelles Leben ist nicht einem sinnvollen Leben gleichzusetzen. Sie hängen zwar auf eine Art miteinander zusammen, denn als spirituelles Leben wird schließlich jenes bezeichnet, dass von einem vom Herzen stammenden Glauben an das Verborgene und an das Jenseits gekennzeichnet ist. Ist der Glaube an das Übernatürliche nicht vorhanden, ist auch kein spirituelles Leben gegeben. Glaubt jemand daran und verhält sich auch entsprechend, so führt er ein reines und spirituelles Leben. Im Qur’an steht diesbezüglich: „Dem, der recht handelt - ob Mann oder Frau - und gläubig ist, werden Wir gewiss ein gutes Leben gewähren; und Wir werden gewiss solchen (Leuten) ihren Lohn nach der besten ihrer Taten bemessen.“ (16:97)

Auch der Mensch, der eine klare Definition von der Welt, von der Menschheit und von Gott hat, wird ein spirituelles und sinnvolles Leben führen. Er wird den richtigen Lebensweg erkennen und nichts in seinem Leben wird umsonst sein. Der Qur’an betont, dass alles in der Existenz einen Sinn hat: „Wir haben die Himmel und die Erde und das, was zwischen beiden ist, nicht anders als in Wahrheit und für eine bestimmte Zeit erschaffen.“ (46:3)

Auch vom Menschen sagt der Qur’an, dass er nicht umsonst, sondern mit einem Ziel erschaffen wurde: „Glaubtet ihr denn, Wir hätten euch in Sinnlosigkeit erschaffen, und ihr würdet nicht zu Uns zurückgebracht?“ (23:115) Alles ist in Wahrheit und mit Ziel und Zweck geschaffen worden. Der Sinn der Existenz des Menschen und der Welt ist also eine Voraussetzung für die Spiritualität dieser Existenz. Wir müssen zuerst den Glauben besitzen, dass alles mit einem besonderen Ziel erschaffen worden ist und dass es nichts Sinnloses auf dieser Welt gibt, erst dann können wir auch an das Spirituelle glauben.

Ein Wesen, dessen Existenz keinen Sinn hat, kann auch nicht spirituell sein. Zunächst muss man einsehen, dass es aus einem Sinn existiert, erst dann kann man sich mit dem spirituellen Aspekt des Wesens befassen. Dies ist eine sehr wichtige Tatsache, und wird vom Qur’an sowie von den Überlieferungen ausführlich behandelt. Gott ist laut den islamischen Lehren die Wahrheit, und in seiner Weisheit hat er alles in Wahrheit und in Weisheit erschaffen, nichts ist ohne Ziel und Absicht zustande gekommen.

Wenn wir den Sinn hinter der Schöpfung aller Dinge verstanden haben, werden wir auch stärker an eine absolute Wahrheit glauben. Wir wissen und wir glauben daran, dass Gott der Erhabene nichts ohne Grund erschaffen hat. Wenn man also den Menschen als spirituelles Wesen diskutieren möchte, muss man zunächst die gesamte Existenz und mitunter auch den Menschen als sinnvoll erachten. Auch die Kenntnis der Menschen muss die richtige sein. Viele Menschen haben nicht genügend Einsicht und es kann daher sein, dass sie sich mit einem oberflächlichen, materiellen und profitgierigem Leben begnügen, und somit vom richtigen Pfad abkommen.

Es hat im Laufe der Geschichte viele solche Menschen gegeben. Sie haben ihr Leben lang eine sehr beschränkte und oberflächliche Ansicht der Dinge gehabt und die Wahrheit des Lebens nicht erkannt. Sie haben die Tiefe des menschlichen Lebens nicht erfahren, und ein sinn- und zweckloses Leben geführt. Wenn der Mensch davon ausgeht, dass die Existenz keinen Sinn hat, ist auch ein spirituelles Leben nicht mehr möglich.[3]



[1]    Wenn Ich ihn nun vollkommen geformt und ihm Meinen Geist eingehaucht habe, dann werft euch vor ihm nieder.“ (15:29)

[2]    und er brachte Adam alle Namen bei“ (2:31)

[3]    Die Bedeutungslosigkeit ist für diese Menschen oft selbst eine Bedeutung, doch wird kein Ziel zustande kommen, welches tatsächlich von Belang ist.


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