Islamisches Zentrum Hamburg
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Nachrichten Code : 42683
Datum der Veröffentlichung : 1/16/2014 8:56:00 PM
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Islamkunde 74 - Spiritualität 1 Redner: Ayatollah Dr. Reza Ramezani Imam und Leiter des Islamischen Zentrums Hamburg

Spiritualität[1] ist ein sehr wichtiges Thema im Islam.

 

Im Namen Gottes, des Gnädigen, des Barmherzigen
 
 
Aller Lobpreis gebührt Gott, dem Erhabenen, dem Herrn aller Welten. Wir danken Ihm für Seine Gnade und Seine Gaben und bitten Ihn um Hilfe und Rechtleitung in allem, was wir tun, und hoffen, dass Er uns in Seine Gunst aufnimmt. Sein Frieden und Segen seien mit unserem Propheten Muhammad, seinen reinen Nachkommen und seinen rechtschaffenen Gefährten. O Diener Gottes, ich rate mir selbst und Ihnen allen zur Ehrfurcht vor Gott und zum Gehorsam gegenüber Seinen Geboten.
Spiritualität[1] ist ein sehr wichtiges Thema im Islam. Auch andere Religionen und Weltanschauungen haben sich mit diesem Thema intensiv befasst. Man muss allerdings zugeben, dass die wahre Spiritualität einzig und allein in den monotheistischen Religionen zu suchen ist. Was die anderen Religionen unter Spiritualität verstehen ist nur eine Täuschung davon, und nicht die Wahrheit dahinter. Die Spiritualität ist, so wie Gerechtigkeit, Freiheit und Vernunft auch, eine wichtige Eigenschaft des Islams. Alle Lehren des Islams sind aus spiritueller Sicht zu betrachten.
Bei der Spiritualität geht es um das immaterielle, nicht über die Sinne wahrnehmbare. Im Arabischen und Persischen werden diesem Begriff Bedeutungen wie „inhärent“, „absolut“ oder „wahr“ zugewiesen. Auch innere oder geistliche Angelegenheiten werden als spirituelle Angelegenheiten bezeichnet. Der übliche Gebrauch dieses Begriffes deutet an, dass dem menschlichen Leben Geist eingehaucht wird. Jeder Mensch neigt aufgrund seiner natürlichen und geistlichen Beschaffenheit zur Kenntnis, Liebe, Frieden, Fortschritt, Bindung und Güte, und fühlt sich dort wohl, wo die Voraussetzungen dafür gegeben sind. Werden diese Neigungen und wahren Wünsche aber vernachlässigt, bleiben dem Menschen die spirituellen und geistlichen Ebenen des Lebens verwehrt.
Wir werden demnächst auch festhalten, dass der Mensch diese Aspekte seines Lebens pflegen muss, wenn er in seinem Leben eine eindeutige Richtung haben will, weil er sonst die Wahrheit nicht entdecken wird. Die spirituellen Neigungen des Menschen müssen von ihm dringend beachtet werden, denn nur so kann er sich dem Ziel seiner Schöpfung nähern und all seinen Mühen einen Sinn verleihen. So kann sich der Mensch vergewissern, dass er seine Zeit tatsächlich mit dem verbracht hat, wofür er erschaffen wurde.
Molana drückt dies in seinem Werk Matnawi so aus:
Bau dein Haus nicht auf dem Land anderer, tu dein eigenes Werk, nicht das eines Fremden. Selbst der in Moschus getauchte Körper wird dem Geruch der Verwesung nicht entkommen, wenn er stirbt. Nicht deinen Körper, sondern dein Herz sollst du in Moschus reiben. Was ist Moschus? Der Name des glorreichen Herrn.
Der Heuchler reibt seinen Körper in Moschus und seine Seele wirft er in die Aschengrube, der Name des Herrn auf seiner Zunge und der Gestank des Frevels in seiner Seele. Preist er Gott an, so gleicht es dem Kraut auf einer Aschengrube, es sind Rosen und Lilien auf einem Dunghaufen. Die Blüten sind dort, aber ausgeborgt – ihre Heimat sind das Gastmahl und das Fest. Das Gute kommt zu den Guten, und im Buche heißt es, das Üble zu den Schlechten, sei Achtsam!
Sei nicht böswillig, denn die Gräber der Böswilligen werden bei den Böswilligen gegraben. Die Bosheit ist in der Hölle zuhause, und deine Bosheit ist Teil davon, und der Feind deines Glaubens. Bist du Teil der Hölle, sei auf der Hut! Der Teil kehrt zum Ganzen zurück. Wer bitter ist, der wird an dem Bitteren hängen, wie sollen falsche Worte sich denn mit der Wahrheit vereinen?
O Bruder, du bist Dein Gedanke, und der Rest von euch ist nur Knochen und Fasern. Ist Dein Gedanke eine Rose, bist Du der Garten, und ist er ein Dorn, bist Du Brennholz für den Herd. Bist du Rosenwasser, wirst du auf Kopf und Herz verteilt, doch bist Du wie Harn, wirst Du nur ausgeschieden.
Es ist der Wunsch des spirituellen Menschen, sich mit dem „höheren Selbst“ zu befassen, es richtig zu erkennen und ein Leben in Zweifel und Einbildung zu meiden. Er will das vernünftige Leben leben, mit einem hohen Ziel und einem spirituellen Weg. Leidenschaft und Eifer führen den Menschen auf diesem Pfad weiter, und er scheut vor keiner Anstrengung zurück. Der spirituelle Mensch sieht seine Mission darin, sich selbst zu erkennen, seine Wahrheit anzuerkennen und sein Leben an dem zu orientieren, wofür ihn der weise Herr geschaffen hat.
Qur’an-Verse und Überlieferungen besagen, dass jener Mensch spirituell genannt wird, der sein Leben nicht auf das natürliche und animalische beschränkt, sondern diese Aspekte seines Lebens nur als Mittel dafür sieht, den wahrhaftigen Aspekt des Lebens, nämlich die geistliche, innere und spirituelle Dimension zu erreichen. Der spirituelle Mensch dient sein ganzes Leben lang der Wahrheit damit er das vollständige Leben erreicht, und ist stets bemüht, sich vor Selbstsucht und Einbildung zu retten.
 
 


[1]    „Spiritualität“ kommt aus dem lat. „Spiritus“, was Atem bedeutet. „Spiritus“ ist mit „Spirare“ (Atmen) verwandt. In den neuen Übersetzungen der Bibel wird der spirituelle Mensch „Spirituaalis“ jener genannt, dessen Leben vom heiligen Geist geleitet wird. Der Begriff „Spiritualitas“ entstammt dieser Deutung in der Bibel.


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