Islamisches Zentrum Hamburg
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Nachrichten Code : 42677
Datum der Veröffentlichung : 1/16/2014 8:29:00 PM
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Islamkunde 68 - Islam und Freiheit 19 Redner: Ayatollah Dr. Reza Ramezani Imam und Leiter des Islamischen Zentrums Hamburg

Eine der Fragen, mit denen sich das Thema der Glaubensfreiheit befasst, ist ob der Mensch sich die Lehren einer Religion frei auswählen kann oder nicht.
Im Namen Gottes, des Gnädigen, des Barmherzigen
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Aller Lobpreis gebührt Gott, dem Erhabenen, dem Herrn aller Welten. Wir danken Ihm für Seine Gnade und Seine Gaben und bitten Ihn um Hilfe und Rechtleitung in allem, was wir tun, und hoffen, dass Er uns in Seine Gunst aufnimmt. Sein Frieden und Segen seien mit unserem Propheten Muhammad, seinen reinen Nachkommen und seinen rechtschaffenen Gefährten. O Diener Gottes, ich rate mir selbst und Ihnen allen zur Ehrfurcht vor Gott und zum Gehorsam gegenüber Seinen Geboten.
 
Eine der Fragen, mit denen sich das Thema der Glaubensfreiheit befasst, ist ob der Mensch sich die Lehren einer Religion frei auswählen kann oder nicht. Mit anderen Worten: Kann man, nachdem man sich zu einer Religion bekannt hat, manche ihrer Anweisungen annehmen und andere ablehnen? Die Antwort ist in diesem Fall ganz klar, denn ein solcher Umgang mit den Lehren einer Religion kann niemals mit der Wahrheit und den Zielen einer Religion vereinbar sein. Wenn sich ein Mensch zu einer Religion bekennt, bedeutet es, dass er akzeptiert, dass seine Glückseligkeit und seine Erlösung davon abhängen, ob er sich zu deren Anweisungen verpflichtet oder nicht.
Erkennt man einen Teil der Lehren einer Religion nicht an, verwehrt man sich die Glückseligkeit sowohl im irdischen Leben als auch im Jenseits. Der gläubige Mensch muss sich den religiösen Lehren unterwerfen, weil es für diese Anweisungen nämlich Gründe gibt, die Gott der Erhabene weiß. Er weiß, dass diese Anweisungen im Interesse der Menschheit sind und offenbart sie daher, damit der Mensch sich dazu verpflichten und Glückseligkeit erlangen kann.
Der Qur’an betont, dass der Mensch sich die Lehren der Religion nicht aussuchen kann: „Diejenigen, die Gott und seine Gesandten verleugnen, einen Unterschied machen zwischen Gott und Seinen Gesandten und sagen, dass sie an einige Gesandte glauben und an andere nicht und meinen, sie könnten einen Weg dazwischen einschlagen,sind wahrhaftig die Ungläubigen. Für die Ungläubigen haben Wir eine schmähliche, qualvolle Strafe bereitet.“ (4:150-151)
Dieser Vers unterstreicht, dass es keinen mittleren Weg zwischen Glauben und Unglauben gibt. So lässt der Islam auch nicht zu, dass der Gläubige manche Propheten anerkennt, und andere nicht. Der Muslim muss an die Wahrhaftigkeit aller monotheistischen Propheten glauben, weil der wahre Glaube nämlich den Glauben an Gott und alle seine Propheten bedeutet.
Bezüglich der Freiheit religiöser Minderheiten und der Ungläubigen muss erwähnt werden, dass der Islam, selbst wenn er die Staatsgewalt auf seiner Seite hat, keinen Zwang auf religiöse Minderheiten und ihren Überzeugungen ausübt. Sie sollen ungestört als Bürger des jeweiligen Staates leben dürfen und unter Einhaltung der Gesetze des Landes, ihren Glauben praktizieren.
Der Qur’an sagt: „Gott verbietet euch nicht, gegen diejenigen, die euch des Glaubens wegen nicht bekämpft und euch aus euren Häusern nicht vertrieben haben, gütig und gerecht zu sein. Gott liebt die Gerechten.“ (60:8)
Manche der Exegeten sind der Überzeugung, dass dieser Vers eine allgemeine Regel über die Interaktion zwischen Muslimen und Ungläubigen beinhaltet: Wenn die Ungläubigen den Muslimen keinen Schaden zufügen und sich auch nicht gegen sie verschwören, können freundschaftliche Beziehungen zwischen ihnen herrschen. Wenn sie aber davon aus sind, ihnen zu schaden, dann kann man keine Freundschaften mit ihnen schließen und sie gut behandeln. (Ahsan-ul-Hadith Exegese, Band 11, S. 124)Auch in den Überlieferungen wird betont, dass die Rechte der Ungläubigen und religiösen Minderheiten ihnen zuzugestehen sind. Sie sind wie alle anderen Mitmenschen zu behandeln, wenn sie euch nicht bekämpfen.
Es wird überliefert, dass Imam Ali (a.s.) einen alten, gebrechlichen Mann sah, wie er bettelte. Er war davon zutiefst bestürzt und als man ihm sagte, dass diese Person kein Muslim sei, sagte er: „Man hat ihm also Arbeit abverlangt, solange er dazu fähig war, und dann sich selbst überlassen, als er zu schwach dafür war!?“ Der Edelmutige gab die Anweisung, die Lebenskosten dieses Mannes – bis an sein Lebensende – vom Bayt-ul-Mal (Kollektives Eigentum der Muslime, Staatseigentum) zu übernehmen.
Den Qur’an-Versen und Überlieferungen wird entnommen, dass der Islam, in einem islamischen Staat, den Ungläubigen und religiösen Minderheiten im Allgemeinen ihre Freiheiten zugesteht und erlaubt, dass sie ihre eigene Religion praktizieren. Muslime sind dazu verpflichtet, sie gut und gerecht zu behandeln und ein islamischer Staat hat ihnen ihre Rechte zuzugestehen.


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