Islamisches Zentrum Hamburg
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Nachrichten Code : 42640
Datum der Veröffentlichung : 1/15/2014 7:16:00 PM
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Islamkunde 62 – Islam und Freiheit 13 Redner: Ayatollah Dr. Reza Ramezani Imam und Leiter des Islamischen Zentrums Hamburg

Bevor wir uns näher mit der Freiheit aus gesellschaftlicher Sicht befassen, möchten wir zunächst zwei weitere Bedeutungen dieses Begriffes erörtern, und zwar aus der Sicht der Ethik und Erkenntnislehre.


Im Namen Gottes, des Gnädigen, des Barmherzigen.

Aller Lobpreis gebührt Gott, dem Erhabenen, dem Herrn aller Welten. Wir danken Ihm für Seine Gnade und Seine Gaben und bitten Ihn um Hilfe und Rechtleitung in allem, was wir tun, und hoffen, dass Er uns in Seine Gunst aufnimmt. Sein Frieden und Segen seien mit unserem Propheten Muhammad, seinen reinen Nachkommen und seinen rechtschaffenen Gefährten. O Diener Gottes, ich rate mir selbst und Ihnen allen zur Ehrfurcht vor Gott und zum Gehorsam gegenüber Seinen Geboten.
 
Bevor wir uns näher mit der Freiheit aus gesellschaftlicher Sicht befassen, möchten wir zunächst zwei weitere Bedeutungen dieses Begriffes erörtern, und zwar aus der Sicht der Ethik und Erkenntnislehre.
Aus ethischer Sicht bedeutet Freiheit, dass der Verstand kein Sklave der Instinkte und des Verlangens ist. Solange der Verstand nämlich von diesen Dingen zurückgehalten wird, gilt der Mensch nicht als wahrer Mensch, sondern weist vielmehr die Eigenschaften des Teufels und der Tiere auf. Damit der Verstand sich von diesen Dingen befreien kann, muss er konsequent durch Geistesläuterung geübt werden, damit er diese Ketten sprengen kann. Dies ist ein hartes Gefecht, welches auch der „größere Jihad“, nämlich der Kampf gegen die Triebseele genannt wird.
Damit der Mensch seine wahre Position erlangt, muss er drei grundlegende Fragen beantworten: Was waren wir, was sind wir, und was können wir sein. Er muss bemüht sein, sich mit ethischen Tugenden zu schmücken, damit er seine Seele und seinen Verstand aus den Klauen des Teufels befreien kann. Dies kann nicht erzielt werden, solange der Mensch nicht über genügend Selbsterkenntnis verfügt.
In einer Überlieferung heißt es: „Wer sich selbst kennt, kämpft gegen seine Triebseele. Wer sich selbst aber nicht kennt, der lässt ihr freien Lauf.“[1] Ebenfalls von Imam Ali (a.s.) wird überliefert: „Wer seiner Triebseele freien Lauf lässt, der wird Schaden davon tragen.“ In einer weiteren, sehr bedeutungsvollen Überlieferung von Imam Ali (a.s.) heißt es, dass der Mensch, wenn er die in ihm verborgenen Wahrheiten entdecken will,  zunächst die richtige Kenntnis besitzen und seinen Geist anschließend läutern muss: „O Mensch, du musst dich von der Versklavung durch deine Triebseele und dein Verlangen befreien, damit du die Wahrheit deiner Seele erfährst. Erst dann ist die Seele eines Menschen frei.“ Dies wird in der einschlägigen Literatur ausführlich behandelt.
Die Freiheit aus der Sicht der Erkenntnislehre bedeutet, dass der Mensch frei von allem ist, was nicht von Gott ist. Um diese Freiheit zu erlangen, braucht der Mensch Führung und Rechtleitung. Die Experten der Ethik und Erkenntnislehre definieren auf diesem Pfad verschiedene Stufen und Phasen, beginnend mit dem „Aufwachen“ bis hin zum „Monotheismus“. Letzteres ist - in der Erkenntnislehre - eine hohe und erhabene Position, die von jedem Gnostiker angestrebt wird. Er will niemals von diesem Pfad abkommen und wenn er sich erst mal darin befindet, bekommen seine Gottesdienste eine völlig andere Bedeutung. Er betet Gott nicht aus Angst vor dem Höllenfeuer oder aus Gier für das Paradies an, sondern weil er nur Gott für Anbetungswürdig hält.
Von Imam Ali (a.s.) wird überliefert: „O Gott, ich bete dich nicht aus Angst vor dem Höllenfeuer oder aus Gier für dein Paradies an. Ich sehe [nur] Dich als Anbetungswürdig!“ Diese Ansicht begleitet den Gnostiker in allen Lebensphasen, und manifestiert sich selbst in seinem Alltagsleben auf die allerschönste Art. Diese Art der Freiheit kann nur von jenen erlangt werden, die in allen Angelegenheiten ihres Lebens äußerste Vorsicht walten lassen. Sie sind den göttlichen Anweisungen so ergeben, dass sie der göttlichen Weisheit alle Momente ihres Lebens anvertrauen. Sie sehen immerwährend und überall die göttlichen Anzeichen, und zwar nicht mit ihren Augen sondern durch ihr Herzen.
 

[1] Mizan al-Hikma. Bd. 3, S. 1881, Kapitel „Kenntnis“.


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