Islamisches Zentrum Hamburg
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Nachrichten Code : 42639
Datum der Veröffentlichung : 1/15/2014 7:14:00 PM
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Islamkunde 61 – Islam und Freiheit 12 Redner: Ayatollah Dr. Reza Ramezani Imam und Leiter des Islamischen Zentrums Hamburg

Die qur’anische Kultur ist eine Kultur des Wachstums und der Entwicklung.


Im Namen Gottes, des Gnädigen, des Barmherzigen.

Aller Lobpreis gebührt Gott, dem Erhabenen, dem Herrn aller Welten. Wir danken Ihm für Seine Gnade und Seine Gaben und bitten Ihn um Hilfe und Rechtleitung in allem, was wir tun, und hoffen, dass Er uns in Seine Gunst aufnimmt. Sein Frieden und Segen seien mit unserem Propheten Muhammad, seinen reinen Nachkommen und seinen rechtschaffenen Gefährten. O Diener Gottes, ich rate mir selbst und Ihnen allen zur Ehrfurcht vor Gott und zum Gehorsam gegenüber Seinen Geboten.
 
Die qur’anische Kultur ist eine Kultur des Wachstums und der Entwicklung. Immer wenn der Heilige Qur’an vom Menschen spricht, spricht er auch von Wegen, wie er sich bessern und vervollkommnen kann. Die Freiheit der Menschen ist, wie ihre Spiritualität und ihre Vernunft auch, aus dieser Sicht zu betrachten und zu definieren. Mit anderen Worten: Alles muss das Ziel verfolgen, Gott näher zu kommen, und dies ist in allen menschlichen Wertvorstellungen zu berücksichtigen.
 
Für die Steigerung und Vervollkommnung ist der Mensch sowohl auf gewisse innere, als auch äußere Bedingungen angewiesen. Solange beide Bedingungen nicht gegeben sind, wird er es immer mit Problemen zu tun haben. Wenn wir die menschliche Geschichte etwas genauer beachten, sehen wir, dass der Mensch auf seinem Pfad zur Vervollkommnung immer wieder mit inneren sowie äußeren Hindernissen konfrontiert gewesen ist.
 
Die inneren Hindernisse waren oftmals seine eigenen Tendenzen und Neigungen, denen er verfallen ist, so dass er zu einem Sklaven seiner Triebe geworden ist. Die äußeren Hindernisse waren andere, opportunistische Menschen, die ihn immer ausbeuten und versklaven wollten. Viele Menschen wurden aufgrund ihrer Hautfarbe, ihrer Ethnizität oder ihrer Religion zu Sklaven der Machthaber ihrer Zeit, und erfuhren viel Unrecht.
 
Nachdem wir uns nun mit den persönlichen Freiheiten der Menschen, welche seine Befreiung von inneren Ketten bedeuten, befasst haben, ist es hier angebracht, auch die Freiheit im gesellschaftlichen Sinne anzusprechen. Dies setzt voraus, dass wir uns mehr mit den Bedeutungen der Freiheit aus verschiedenen, wissenschaftlichen Sichten vertraut machen.
 
Eine mögliche Bedeutung der Freiheit ist in der Philosophie definiert, und zwar ist Freiheit dann gegeben, wenn eine Wahl gegeben ist. Der Mensch ist frei, in dem Sinne, dass er immer eine Wahl hat. Er ist frei erschaffen worden und eine Wahl zu haben ist ihm in die Natur gelegt worden. Dies gehört zu seinen existentiellen Attributen. Das Gegenwort zu dieser Freiheit ist der Zwang. Sie ist eine Tatsache, die wohl belegt ist, und überdies kann sie dem Menschen nicht gegeben und kann ihm auch nicht genommen werden. Kein Individuum, Gruppe oder Regierung kann dem Menschen diese Freiheit gewähren oder verwehren; es handelt sich hier um eine Gabe und Zuwendung Gottes, die dem Menschen auch nur von Gott gegeben werden kann.
 
Der Mensch ist ein Phänomen und ihm wurden viele Geschenke von Gott gegeben. All seine Glieder und seine körperliche Gesundheit, bis hin zu seiner Natur, seinem Intellekt, seinen Emotionen und seiner Seele. Überdies hat Gott dem Menschen das Geschenk gemacht, ihm Mittel für seine Rechtleitung zur Verfügung zu stellen. Zu diesen Geschenken gehören die monotheistischen Propheten, die himmlischen Schriften und die Stellvertreter der Propheten, die den Menschen zusammen mit seinem Verstand unterstützen und ihm helfen, das wahre Ziel seines Lebens zu finden.
 
Die Freiheit und die Wahl, die dem Menschen gegeben wurde, gehört ebenfalls zu diesen Gaben, die Gott jedem Menschen, ob Mann oder Frau, ob Kind oder Erwachsen, gegeben hat. Diese göttliche Zuwendung, und alle anderen göttlichen Zuwendungen dienen dem Zweck, den Menschen zu bessern und seine Vervollkommnung zu fördern. Die Auserwählung der Propheten zur Rechtleitung der Menschen und die Regelungen der Regierungen um die Menschen zu lehren und zu erziehen sind allesamt Anzeichen der Freiheit, die dem Menschen gegeben wurde und bezeugen, dass dem Menschen die Wahl gegeben wurde, zu tun oder zu lassen, was ihm geboten wird.
 
Das Schicksal eines jeden Menschen hängt davon ab, wie er seine Freiheit nützt und ob er die Wahl trifft, sich zu steigern und fortzuschreiten. Das Paradies und die Hölle, die von allen Propheten angekündigt worden sind bezeugen dies auch; hätte der Mensch in allen Dingen nicht die Wahl, würden Himmel und Hölle ihre Bedeutung verlieren. Jemanden für Sünden und Fehler, die er nicht freiwillig begangen hat sondern zu denen er gezwungen wurde, zur Hölle zu verurteilen, wäre nicht gerecht. Es besteht daher kein Zweifel darin, dass der Mensch frei geschaffen wurde und diese göttliche Gabe für das Ziel einsetzen sollte, wofür er auch geschaffen wurde.


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