Islamisches Zentrum Hamburg
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Nachrichten Code : 42606
Datum der Veröffentlichung : 1/15/2014 5:43:00 PM
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Islamkunde 27 – Verstand, wie er von religiösen Muslimen wahrgenommen wird 1 Redner: Ayatollah Dr. Ramezani Imam und Leiter des islamischen Zentrums Hamburg

Im Namen Gottes, des Gnädigen, des Barmherzigen.



Aller Lobpreis gebührt Gott, dem Erhabenen, dem Herrn aller Welten. Wir danken Ihm für Seine Gnade und Seine Gaben und bitten Ihn um Hilfe und Rechtleitung in allem, was wir tun, und hoffen, dass Er uns in Seine Gunst aufnimmt. Sein Frieden und Segen seien mit unserem Propheten Muhammad (Friede sei mit ihm), seinen reinen Nachkommen (Friede sei mit ihnen) und seinen rechtschaffenen Gefährten. O Diener Gottes, ich rate mir selbst und Ihnen allen zur Ehrfurcht vor Gott und zum Gehorsam gegenüber Seinen Geboten.

Im Namen Gottes, des Gnädigen, des Barmherzigen.

 

Aller Lobpreis gebührt Gott, dem Erhabenen, dem Herrn aller Welten. Wir danken Ihm für Seine Gnade und Seine Gaben und bitten Ihn um Hilfe und Rechtleitung in allem, was wir tun, und hoffen, dass Er uns in Seine Gunst aufnimmt. Sein Frieden und Segen seien mit unserem Propheten Muhammad (Friede sei mit ihm), seinen reinen Nachkommen (Friede sei mit ihnen) und seinen rechtschaffenen Gefährten. O Diener Gottes, ich rate mir selbst und Ihnen allen zur Ehrfurcht vor Gott und zum Gehorsam gegenüber Seinen Geboten.

In den bisherigen Ansprachen wurde vom Verstand aus der Sicht des Qur’ans und den Überlieferungen gesprochen. Dabei gibt es aber noch viel darüber zu sagen, sei es nun aus der Sicht monotheistischer, oder auch nicht monotheistischer Religionen. Den Verstand aus den verschiedenen, im Laufe der Geschichte entstandenen Blickpunkten zu erklären, würden mehrere Sitzungen und detaillierte Anführungen benötigen. Wir beabsichtigen hier nicht, alle Details und Feinheiten dieses Themas zu bearbeiten, vielmehr möchten wir die islamische Ansicht zu diesem Thema anhand der hauptquellen dieser großen, monotheistischen Religion, vor allem anhand des hl. Qur’ans darlegen. Nach dem Studium des Qur’ans und einer Überlegung der darin vertretenen Ansichten haben wir erfahren, dass die Vernunft, der Verstand und die Vernünftigkeit im Islam eine besondere Position besitzen, und gar eine der wichtigeren Charakteristiken des Islams darstellen. Der Islam und die Vernunft sind unzertrennlich und der Muslim darf den Bereich des Verstands nicht verlassen. Aus diesem Grund ruft der Islam auch die Gläubigen fortwährend dazu auf, Ihren Verstand zu nützen und rügt ihn, wenn er sich davon distanziert.

Nichtsdestotrotz wäre es hier angebracht, die Ansichten islamischer Wissenschaftler über den menschlichen, den all-umfassenden und den philosophischen Verstand darzulegen. Es kommen hier drei Gruppen auf, die wir hier erwähnen, und auf ihre Ansichten eingehen möchten: Es gibt Gegner, Befürworter, und solche, die einen Ausgleich zwischen der Vernunft und der (überlieferten) Tradition suchen.

Die Gegner sind in der islamischen Welt viererlei, es gibt die theologischen Ansichten mancher Theologen wie z.B. Imam Muhammad Ghazali, die gnostischen Ansichten wie die von Dschalal ud’din Maulawi, die Anhänger der Überlieferung (die sogenannten „Akhbariyun“), und die Denkschule der Trennung. Die erste und vierte dieser Gruppierungen haben eine Unabhängigkeit von Verstand und Offenbarung anerkannt. Eine weitere Gemeinsamkeit ist, das sie eine nicht-philosophische Ansicht des Verstands liefern und einen religiösen Verstand anstreben, während die strenger Gläubigen der Ansicht sind, dass der Verstand der Religion widerspricht und wählen die Seite der Offenbarung und des Glaubens. Die Akhbariyun sind hingegen der Vertretung, dass der Verstand kein gültiges Instrument zur Wahrnehmung der Religion ist und dass man sich ausschließlich an die Überlieferungen zu wenden hat, wenn man den Qur’an interpretieren möchte. Kommt man etwa auf einen Vers, zu dem es keine Überlieferung gibt, muss man dort aufhören und darf nichts Eigenes dazu sagen. Sie erkennen eine Mehrheit nicht an, die Regelungen und Anweisungen aus religiösen Texten extrahiert und sind der Überzeugung, dass der Verstand nur da Gültigkeit besitzt, wenn es um spürbare, ergo materielle Dinge geht, oder um Dinge, die damit in naher Verbindung stehen, ansonsten habe er nichts mitzureden.

Die Denkschule der Trennung ist der Ansicht, dass es zwischen „menschlichen“ Wissenschaften wie Philosophie und Gnostik, und den „göttlichen“ Wissenschaften wie die Offenbarung und der Qur’an ganz klar getrennt werden muss. Sie haben keinerlei Gemeinsamkeit, weder in ihrer Methodik, noch in ihren Instrumenten, in ihren Fragen oder in ihren Schlussfolgerungen. Da der philosophische, der gnostische und der auf Offenbarung basierte Ansatz also drei völlig verschiedene Dinge sind, muss zwischen ihnen getrennt werden. Die Vertreter dieser Denkschule sind allerdings der Meinung, dass man den Verstand sehr wohl zu benutzen hat, um religiöse oder glaubensbezogene Dinge wahrzunehmen oder sich Kenntnisse dieser Art anzueignen. Der Verstand ist nämlich der innere Beweis, und nicht etwa Philosophie oder Gnostik. Sie sind der Ansicht, dass diese drei Arten von Kenntnis drei verschiedene Stufen besetzen und dass man etwas, was die Philosophie oder Gnostik aufwirft, nicht für religiös zu halten oder der Offenbarung zuschreiben kann. Sie vertreten allerdings auch nicht die Ansicht derer, die den Verstand gänzlich ablehnen, und sind auch mit den Akhbariyun nicht einer Meinung. Sie haben das Konzept eines selbstständigen, religiösen Verstands entworfen und vertreten dieses. Die Anhänger dieser Denkschule sind der Meinung, dass der menschliche, instrumentalisierte Verstand und der erleuchtende Verstand der Ahlulbait (a.s.) zwei verschiedene Dinge sind und dass man sich um religiöse Kenntnisse zu gewinnen nicht an den beschränkten, menschlichen Verstand anlehnen kann. So ist es nicht der Verstand alleine, der den Menschen auf den Pfad der Rechtschaffenheit bringt, sondern muss die Offenbarung zur Hilfe gerufen werden.

Wie dem auch sei, widerspricht die Meinung dieser Gruppe nicht den Ansichten des Islams über den Verstand und über seinen Stellenwert. Sie erachten den beschränkten, menschlichen Verstand nur für die hohen Kenntnisse des Islams für unzulänglich. Wir möchten hier nicht näher auf diese Ansichten eingehen, wir sollten nur wissen, dass weder die Akhbariyun, noch die Anhänger der Denkschule der Trennung, den Verstand als Ganzes Ablehnen und seinen Stellenwert abstreiten.

Die Ansichten von Imam Muhammad Ghazali gelten als eine der wichtigsten Theorien der Theologie. Er hat im Thema des Glaubens die Methode der Ascha’ariten gewählt und ist streng gegen Philosophie und philosophisches Denken. Er ist jedoch nicht gegen das Denken im Allgemeinen, und er hat auch selbst einige Werke im Bereich der Logik verfasst, doch er ist der Ansicht, dass man die Logik in der göttlichen Offenbarung und in den göttlichen Schriften zu suchen hat. Seine Exegese des Qur’ans basiert daher oft auf den Prinzipien der Logik. Er ist von der Notwendigkeit des Verstands und der göttlichen Regelung überzeugt und vertritt die Ansicht, dass diese beiden Dinge wie die Augen des Betrachters und die Sonne sind. Jemand der seinen Verstand ignoriert und sich nur an die göttlichen Regelungen hält ist wie jemand, der seine Augen verschließt und sich selbst das Sonnenlicht verwehrt. Er unterscheidet sich also kaum von einem Blinden. Er ist der Ansicht, dass der Verstand sehr wohl dem Menschen hilft, Dinge wahrzunehmen, doch auch die göttlichen Regelungen machen den Menschen über die Tatsachen aufmerksam und weisen sie auch auf die Wahrheit und auf die Details davon hin. Wenn sich diese beiden also vereinen, werden dem Menschen in seiner Kenntnisgewinnung keine Fehler unterlaufen. Trennt man sie aber, läuft der Verstand die Gefahr, Fehler zu begehen.

Einige sind allerdings der Ansicht, dass Ghazali dem Verstand eigentlich einen höheren Stellenwert zuschreibt und der Meinung ist, dass jemand der nicht genug Einsicht und Verstand besitzt, die Religion als Hirn benützt und nur die Oberfläche sieht, und dass religiöses Wissen ohne Wissen, welches durch den Verstand gewonnen wird, nicht verständlich sein kann.

Die letzte Ansicht ist die gnostische. Vertreter dieser Ansicht, wie z.B. Maulawi rügen und tadeln den unvollständigen, menschlichen Verstand und sind der Überzeugung, dass die innere Sicht und die Wahrnehmungen des Herzens viel bedeutender sind der Verstand. Diese Gruppe von Menschen halten den Verstand allerdings für erwünscht und glauben, dass er den Menschen sehr wohl eine Strecke lang leiten kann, doch ab einer gewissen Grenze ist der Verstand zu schwach und man muss das Herzen und den Glauben benützen, um den Gipfel der menschlichen Vervollkommnung zu erlangen. Der Mensch darf sich nicht ausschließlich in Fragen des menschlichen Verstands verfangen, vielmehr hat er das Reich der Liebe zu betreten. Auch jemand wie Maulawi sieht allerdings keinen Widerspruch zwischen dem ultimativen Verstand und der ultimativen Liebe, doch ist der menschliche Verstand vom vollkommenen Verstand weit entfernt und man kann sich nicht damit begnügen. Man muss den Pfad der Liebe beschreiten und all die damit verbundene Mühe und Anstrengung in Kauf nehmen.

Wie man sieht, wird also auch in dieser Ansicht der Verstand eigentlich nicht getadelt und sein Stellenwert nicht abgestritten, sein Bereich wird aber festgelegt und seine Grenzen betont. Diese Ansicht unterstreicht, dass der beschränkte menschliche Verstand gereinigt werden muss und dass er den in seinem üblichen Zustand nicht zur Vervollkommnung führen kann, die ursprünglich für den Menschen vorgesehen war.


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