Islamisches Zentrum Hamburg
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Nachrichten Code : 42592
Datum der Veröffentlichung : 1/15/2014 5:03:00 PM
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Islamkunde13 – Islam und der Glaube 5 Redner: Ayatollah Dr. Ramezani Imam und Leiter des islamischen Zentrums Hamburg

Im Namen Gottes, des Gnädigen, des Barmherzigen.

Aller Lobpreis gebührt Gott, dem Erhabenen, dem Herrn aller Welten. Wir danken Ihm für Seine Gnade und Seine Gaben und bitten Ihn um Hilfe und Rechtleitung in allem, was wir tun, und hoffen, dass Er uns in Seine Gunst aufnimmt. Sein Frieden und Segen seien mit unserem Propheten Muhammad (Friede sei mit ihm), seinen reinen Nachkommen (Friede sei mit ihnen) und seinen rechtschaffenen Gefährten. O Diener Gottes, ich rate mir selbst und Ihnen allen zur Ehrfurcht vor Gott und zum Gehorsam gegenüber Seinen Geboten.
Im Namen Gottes, des Gnädigen, des Barmherzigen.
 
Aller Lobpreis gebührt Gott, dem Erhabenen, dem Herrn aller Welten. Wir danken Ihm für Seine Gnade und Seine Gaben und bitten Ihn um Hilfe und Rechtleitung in allem, was wir tun, und hoffen, dass Er uns in Seine Gunst aufnimmt. Sein Frieden und Segen seien mit unserem Propheten Muhammad (Friede sei mit ihm), seinen reinen Nachkommen (Friede sei mit ihnen) und seinen rechtschaffenen Gefährten. O Diener Gottes, ich rate mir selbst und Ihnen allen zur Ehrfurcht vor Gott und zum Gehorsam gegenüber Seinen Geboten.
In den vergangenen Ansprachen wurden einige der am meisten vertretenen Sichtweisen von Islamwissenschaftlern bezüglich des Glaubens erwähnt. Hier ist es angebracht, etwas näher auf die dritte erwähnte Sichtweise einzugehen. Diese Sichtweise wird von denen vertreten, die den Glauben in der Bekenntnis zu Gott und zum hl. Propheten (s.) definieren. Scheich Mufid vertritt in seinen verschiedenen Werken eine solche Sichtweise. Von ihm lesen wir: „Wer die Kenntnis besitzt und glaubt, und eine schwere Sünde begeht, ist ein Gläubiger weil er die Kenntnis besitzt, und ein Verworfener, weil er sich einer schweren Sünde schuldig gemacht hat.“ Aus der Ansicht dieses großartigen Wissenschaftlers beeinträchtigt eine Sünde den Glauben nicht und ein Gläubiger der eine Sünde begeht, ist eben ein Gläubiger und ein Übeltäter.[1]
Seyed Mortaza, ebenfalls ein großer Wissenschaftler der Schiiten, schreibt über den Glauben: „Der Glaube ist eine Bestätigung im Herzen. Wenn jemand das an Gott glaubt und auch an alles, dessen Kenntnis von Gott vorgeschrieben wurde, ist er ein Gläubiger und muss seine Bekenntnis nicht erst aussprechen.“[2]
Dieser große Weise argumentiert damit, dass das Wort Glaube eigentlich Bestätigung bedeutet und sofern es kein anderes Analog oder keine übertragene Bedeutung vorhanden ist, sollten wir uns an die wörtliche Bedeutung halten (und der Glaube an Gott und seinen Propheten ist kein Analog für die wörtliche Bedeutung des Glaubens [des arabischen Wortes: „Imån“]).[3]
Scheich Tousi definiert den Glauben wie folgt: „Der Glaube ist eine Bestätigung im Herzen. Die Kenntnis über Gott und die Bekenntnis zu ihm bedeuten das innereBekenntnis zu Dingen, die von Gott hierfür bestimmt wurden. Diese Bekenntnis miss nicht erst mündlich erfolgen.“[4]
„Aus unserer Sicht verfügt jeder, der an Gott und seinen Propheten glaubt, sich seiner Pflichten bewusst ist und sie anerkennt, über einen makellosen Glauben.“[5]
Khadjeh Nasir-ud-Din Tousi schließt in einem seiner Werke der Überzeugung eines großen, schiitischen Gelehrten an und besagt, dass der Glaube eben diese innere Bekenntnis ist.[6]
In einem anderen Buch wird aber der Glaube als eine Mischung von der inneren und der mündlichen Bekenntnis betrachtet. Demnach reicht das Bekenntnis im Herzen nicht aus:
„Und sie verwarfen sie in Ungerechtigkeit und Hochmut, während ihre Seelen doch von ihnen überzeugt waren.“[7]
Dieser Vers besagt, dass die innere Bekenntnis nicht zureichend ist, weil es doch Menschen gab, die zwar innerlich davon überzeugt waren, es doch nach außen hin abstritten, was sie zu Ungläubigen machte. Andererseits reicht es auch nicht, sich nur mündlich zu bekennen, denn der folgende Vers besagt, dass die Araber keine Gläubigen sind, nur weil sie sich mündlich dazu bekennen:
„Die Wüstenaraber sprechen: »Wir glauben.« Sprich: »Ihr glaubet nicht; saget vielmehr: Wir haben den Islam angenommen« …“[8],[9] Einige, prominentere Gelehrten der Ma’arif[10] lehnen dies allerdings ab und sagen, dass die mündliche Bekenntnis notwendig ist, und die Taten auch viel über den Glauben aussagen. Somit bestünde der Glaube aus drei Grundelementen.
Unter den islamischen Philosophen besagt Mullasadra, dass der Glaube und die Kenntnis ein und dasselbe sind. Er ist der Überzeugung, dass man einigen Qur’anversen entnehmen kann, dass der Glaube im Herzen zuhause und daher eine abstrakte Angelegenheit ist. Wenn der Qur’an vom Glauben spricht, folgt das eine abwechselnd auf das andere. Er erzählt auch, dass gute Taten nicht in der Beschaffenheit des Glaubens inbegriffen sind, denn in manchen Versen wird der Glaube mit Ungehorsam zusammen erwähnt, und zwar um anzudeuten, dass jemand gläubig sein und dennoch den Versuchungen nachgeben und eine Sünde begehen kann. Dies ist auch ein Argument dafür, dass die Taten wenig mit der Beschaffenheit des Glaubens selbst zu tun haben. Auch der Vers „Es gibt keinen Zwang im Glauben“[11] besagt, dass der Glaube mit dem Herzen zu tun hat und nicht von außen kommt, um erzwungen werden zu können. Laut Mullasadra ist das arabische Wort für „Glaube“ als „Bestätigung“ zu verstehen, und im Qur’an hat dieses Wort auch keine andere Bedeutung. Mullasadra selbst sagt: „Der Glaube an Gott und an den hl. Propheten (s.) bedeutet die Kenntnis über das Göttliche.“[12]
Insgesamt kann man diesen wertvollen Aussagen entnehmen, dass der Glaube mehr oder weniger von allen schiitischen Gelehrten mit Bestätigung assoziiert wird, doch eine Gruppe von ihnen zählt auch das Bekenntnis dazu.[13] Diejenigen, aber, die den Glauben der Bekenntnis gleichsetzen, sehen auch die Taten als ein Anzeichen und gar eine Voraussetzung für den Glauben. Für sie sind Bestätigung, Bekenntnis und Taten unzertrennbar vom Glauben, sie berufen sich hierfür auf manche Überlieferungen.[14] Es scheint jedoch, dass die meisten Überlieferungen dies nicht unbedingt bestätigen, Kenntnis, Bekenntnis und Taten sind nicht alle in der Essenz des Glaubens enthalten sind. Vielmehr besagen die Überlieferungen, dass sich diese drei Elemente in den Glauben einwirken. Es geht in den Überlieferungen gar nicht darum, welche dieser Elemente ein fester Bestandteil des Glaubens sind und welche vom Glauben vorausgesetzt werden. In der nächsten Ansprache werden wir uns mit einschlägigen Qur’anversen und Überlieferungen befassen. Wir bitten Gott darum, uns den Erfolg zu bescheren, unseren Glauben auszubauen.


[1] Scheich Mufid, Ava’el al maqalat (Sammelwerke) S. 84, Kapitel 66
[2] Seyed Morteza, Aldhakhira fi elm alkalam, S. 536
[3] Ebd S. 538-541
[4] Scheich Tusie, Alqtisad, S. 233
[5] Scheich Tusie, Tamhid alhaul, S. 648
[6] Allameh Helli, Kaschf ul khand fi schar ul ghava’ed, Sammlung von Abhandlungen, S. 92
[7] 27:14
[8] 49:14
[9] Allame Helli, Kasch ul murad fi scharh e tadjarud ul e‘teghad
[10] Seyed Ali Khan Madani, Riadh ul masakin, S. 269; Shahid Thani, Haghayegh ul iman, S. 89
[11] 2:256
[12] Sadr ed din schirazi, Qur’anexegese, S. 249
[13] Die Enzyklopädie des Schiitentums, S. 654, zum Begriff des Glaubens
[14] Ebd, S. 655


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