Islamisches Zentrum Hamburg
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Nachrichten Code : 197594
Datum der Veröffentlichung : 2/9/2019 9:24:00 AM
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Bekanntschaft mit dem Qur’an (10)


Freitagsansprache von 30.11.2018
von Hujjat ul-Islam Dr. Mofatteh

 Im Namen Allahs, des Barmherzigen, des Allerbarmers

Aller Lobpreis gebührt Gott, dem Erhabenen, dem Herrn aller Welten. Wir danken Ihm für Seine Gnade und Seine Gaben und bitten Ihn um Hilfe und Rechtleitung in allem, was wir tun, und hoffen, dass Er uns in Seine Gunst aufnimmt. Sein Frieden und Segen sei mit unserem Propheten Muhammad, seinen reinen Nachkommen und seinen rechtschaffenen Gefährten. O Diener Gottes, ich rate mir selbst und Ihnen allen zur Ehrfurcht vor Gott und zum Gehorsam gegenüber Seinen Geboten



Eine andere wichtige Thematik, von der erwartet wird, dass sie im heiligen Qur’an behandelt wird, handelt über die Frage nach der Handlung des Menschen, „Was ist zu tun?“ Diese Thematik wird dem Verlauf der Frage zu welchem Zweck die Schöpfung des Menschen dient, zugeordnet. Es handelt sich demnach um die praktischen Handlungsanweisungen.

3.        Praktische Handlungsanweisungen

Auf Basis der vorherrschenden Lehrmeinung handeln ungefähr über 500 Verse des heiligen Qur’an über die praktischen Handlungsanweisungen des Menschen, die auch als „Gebots-Verse“ bezeichnet werden. Diese Gebots-Verse handeln über religionsrechtliche Gebote und praktische Handlungsanweisungen. Über die Anzahl dieser Verse gibt es unterschiedliche Meinungen. Sie reichen von 300-800 Versen, doch es scheint, dass es mehr als diese sind. Gemäß der Lehrmeinung von Al-Bahrani, die er in seinem exzellenten Tafsir-Werk Al-Burhan geschildert hat, handeln ein Viertel der Qur’anverse über religionsrechtliche Gebote und Handlungsanweisungen.

Es wurden zahlreiche Bücher seitens der Qur’anexegeten verfasst, die sich mit der Auslegung ausschließlich jener Gebots-Verse befassen, welches auch als „Jurisprudenz des Qur’an“ bezeichnet wird. Als Beispiel hierfür ist bspw. das Werk „Die Jurisprudenz des Qur’an“ von Qutb al-Rawandi zu benennen. Bisweilen wird diese Thematik auch als „Exegese der Gebots-Verse“ bezeichnet, wofür das Werk „Die Gebots-Verse“ von Gorgani oder „Gebote des Qur’an“ von Ibn Arabi genannt werden können.

Die Stellung der Gebots-Verse bei der Extrahierung

Der heilige Qur’an ist die erste und wichtigste Quelle für die Rechtsfindung in der islamischen Scharia. An zweiter Stelle folgt die Sunnah und Verfahrensweise, die als Erläuterung des heiligen Qur’an fungiert und nicht als gesonderte Quelle neben dem heiligen Qur’an gilt.

In diesem Lichte ist der heilige Qur’an auch der Maßstab für die Beurteilung der Überlieferungen. So sind all jene Überlieferungen, die konform zum heiligen Qur’an sind, akzeptabel, wohingegen jene Überlieferungen, die dem heiligen Qur’an widersprechen, keine Bedeutung und Gültigkeit haben. Demnach wird die Kenntnis über die Gebots-Verse bisweilen als eine Bedingung für einen Rechtsexperten genannt.


Die Besonderheiten der Qur’anverse

Da der heilige Qur’an ein rechtleitendes und erzieherisches Buch ist, befindet sich alles, was für die Rechtleitung und wahre Glückseligkeit des Menschen notwendig ist, in ihm. In diesem Sinne werden auch die Gebots-Verse dort aufgeführt, wodurch sie sich von Geboten, die in rechtlichen Gesetzestexten aufgeführt werden, in einigen Aspekten unterscheiden:

1.        Allgemeine Benennung mit Hinweis-Charakter

Für gewöhnlich werden die Gebote komprimiert und in einem hinweisenden und allgemeinen Charakter benannt. Eines der Besonderheiten dieser Methodik besteht darin, dass die Details der Gebote entsprechend den unterschiedlichen Gegebenheiten und Bedingungen extrahiert werden können. Der heilige Qur’an spricht allgemein und grundsätzlich: „O ihr Gläubigen, haltet euch an die Verträge“, [1] oder: „O ihr, die ihr glaubt, verzehrt nicht untereinander euer Vermögen durch Betrug, es sei denn, es geht um einen Handel in gegenseitigem Einvernehmen.“ [2]

2.        Paarung der Gebots-Verse mit Verheißungen und Warnungen

Die Gebots-Verse werden im heiligen Qur’an mit Belohnungen, Drohungen oder Verheißungen gemeinsam genannt. Entsprechend der Bedeutung des Gebots ändert sich auch die Sprache, in der das Gebot benannt wird:

Hinsichtlich des Verfassens eines Testaments spricht der heilige Qur’an in einem sanften Ton: „Vorgeschrieben ist euch, wenn einer von euch im Sterben liegt, falls er Vermögen


·       Vorgeschrieben ist euch, wenn einer von euch im Sterben liegt, falls er Vermögen hinterlässt, eine Verfügung zugunsten der Eltern und der Angehörigen auf rechtliche Weise zu machen. Das ist eine Rechtspflicht für die Gottesehrfürchtigen.“ [1]

·       Hinsichtlich des Gebotes zum Fasten spricht der heilige Qur’an in einem belohnenden und motivierenden Stil über das Ergebnis des Fastens: „O ihr, die ihr glaubt, vorgeschrieben ist euch, zu fasten, so wie es denen vorgeschrieben worden ist, die vor euch lebten, auf dass ihr gottesehrfürchtig werdet.“ [2]

·       Der Ton im heiligen Qur’an kann aber auch drohend werden, wenn bspw. über die bewusste Missachtung der göttlichen Gebote und ihren Folgen die Rede ist. Nachdem die Gebote der Hadsch erläutert wurden, heißt es: „Habt Ehrfurcht gegenüber Gott und wisst, dass Gott eine harte Strafe verhängt.“ [3]

·       Die Sprache kann mitunter noch härter werden, indem die Rede vom Krieg gegen Gott und seinem Propheten die Rede ist: „O ihr, die ihr glaubt, habt Ehrfurcht gegenüber Gott und lasst, was an Zinsnehmen anfällt, bleiben, so ihr gläubig seid. Wenn ihr es nicht tut, so erwartet Krieg von Gott und seinem Gesandten.“ [4]

Zu den Vorteilen dieses Ausdrucksstils gehört, dass zusätzlich zu der Benennung des Sinns und den Folgen einer Handlung, der Adressierte dahingehend motiviert wird eine gute Handlung zu begehen und davor geängstigt wird eine schlechte Handlung auszuführen. Des Weiteren wird bei einem Konflikt zwischen zwei Geboten ersichtlich, welches von beiden bedeutender ist.

Die Gliederung der Gebots-Verse

Die Gebots-Verse lassen sich auf vielfältige Arten und Weisen gliedern. Beispielhaft weisen wir auf einige Unterteilungen hin:

 

Verse, die auf unabhängige Art und Weise auf ein Gebot hinweisen

Verse, die gepaart mit anderen Versen auf ein Gebot hinweisen

Beispiele

„Gott hat das Verkaufen erlaubt und das Zinsnehmen verboten.“ [5]

„Und seine Entwöhnung erfolgt binnen zwei Jahren.“ [6]

+

„Die Zeit von der Schwangerschaft bis zur Entwöhnung beträgt dreißig Monate.“ [7]

=

Die Mindestdauer der Schwangerschaft beträgt sechs Monate.

 

 

Verse mit aufforderndem Charakter

Verse mit benachrichtigendem Charakter

Beispiele

„Verrichtet das Gebet.“ [8]

„Verboten ist euch Verendetes.“ [9]

 

 

Verse mit direktem Befehl

Verse mit indirektem Befehl

Beispiele

„Verrichtet das Gebet.“ [10]

„Sprich zu den gläubigen Männern, sie sollen ihre Blicke senken und ihre Scham bewahren. (…) Und sprich zu den gläubigen Frauen, sie sollen ihre Blicke senken und ihre Scham bewahren.“ [11]

 

 

Verse, die das Urteil hinsichtlich eines Gebots erläutern

Verse, die den Zustand eines Gebots erläutern

Verse mit allgemeinen Grundsätzen

Beispiele

„Euch ist das Fasten vorgeschrieben.“ [12]

„Und wer krank ist oder sich auf einer Reise befindet, für den gilt eine Anzahl anderer Tage.“ [13]

„Gott will für euch Erleichterung, Er will für euch nicht Erschwernis.“ [14]

„Er hat euch in der Religion keine Bedrängnis auferlegt.“ [15]

 

 

Verse, die auf die Etikette der Gläubigen im Umgang mit dem Gesandten Gottes hinweisen

Verse, die auf die sozialen Beziehungen der Gläubigen untereinander eingehen

Beispiele

„O ihr, die ihr glaubt, erhebt nicht eure Stimme über die Stimme des Propheten.“ [16]

„O ihr, die ihr glaubt, meidet viel von den Mutmaßungen. Gewiss ist manche Mutmaßung eine Sünde. Spioniert nicht und führt nicht üble Nachrede übereinander.“ [17]

 



[1] Heiliger Qur’an, Sura al-Baqarah (2):180:

کُتِبَ عَلَیکُم إِذا حَضَرَ أَحدَکُمُ المَوتُ إِن تَرَکَ خَیرًا الْوَصِیّةُ لِلولِدَینِ و الأَقرَبِینَ بِالمَعرُوفِ حَقّـًا عَلَی المُتَّقِین

[2] Heiliger Qur’an, Sura al-Baqarah (2):183:

يَا أَيُّهَا الَّذِينَ آمَنُوا كُتِبَ عَلَيْكُمُ الصِّيَامُ كَمَا كُتِبَ عَلَى الَّذِينَ مِنْ قَبْلِكُمْ لَعَلَّكُمْ تَتَّقُونَ

[3] Heiliger Qur’an, Sura al-Baqarah (2):196:

وَاتَّقُوا اللَّهَ وَاعْلَمُوا أَنَّ اللَّهَ شَدِيدُ الْعِقَابِ

[4] Heiliger Qur’an, Sura al-Baqarah (2):278-279:

یأَیّهَا الَّذِینَ ءَامَنوا اتَّقُوا اللّهَ وَ ذَرُوا مَا بَقِیَ مِنَ الرِّبواْ إِن کُنتُم مُؤمِنِین؛ فَإِن لَم تَفْعَلوا فَأذَنُوا بِحَرب مِن اللّهِ وَ رَسولِه

 

[5] Heiliger Qur’an, Sura al-Baqarah (2):275:

أَحَلَّ اللّٰهُ الْبَيْعَ وَ حَرَّمَ الرِّبٰا

[6] Heiliger Qur’an, Sura Luqman (31):14:

وَ فِصٰالُهُ فِي عٰامَيْنِ

[7] Heiliger Qur’an, Sura al-Ahqaf (46):15:

وَ حَمْلُهُ وَ فِصٰالُهُ ثَلٰاثُونَ شَهْراً

[8] Heiliger Qur’an, Sura al-Baqarah (2):43:

أَقِيمُوا الصَّلٰاةَ

[9] Heiliger Qur’an, Sura al-Ma‘idah (5):3:

حُرِّمَتْ عَلَيْكُمُ الْمَيْتَةُ

[10] Heiliger Qur’an, Sura al-Baqarah (2):43:

أَقِيمُوا الصَّلٰاةَ

[11] Heiliger Qur’an, Sura al-Nur (24):30-31:

قُلْ لِلْمُؤْمِنِينَ يَغُضُّوا مِنْ أَبْصَارِهِمْ وَيَحْفَظُوا فُرُوجَهُمْ ... وَقُلْ لِلْمُؤْمِنَاتِ يَغْضُضْنَ مِنْ أَبْصَارِهِنَّ وَيَحْفَظْنَ فُرُوجَهُنَّ

[12] Heiliger Qur’an, Sura al-Baqarah (2):183:

كُتِبَ عَلَيْكُمُ الصِّيَامُ

[13] Heiliger Qur’an, Sura al-Baqarah (2):185:

مَنْ كٰانَ مَرِيضاً أَوْ عَلىٰ سَفَرٍ فَعِدَّةٌ مِنْ أَيّٰامٍ أُخَرَ

[14] Heiliger Qur’an, Sura al-Baqarah (2):185:

يُرِيدُ اللّٰهُ بِكُمُ الْيُسْرَ وَ لٰا يُرِيدُ بِكُمُ الْعُسْرَ

[16] Heiliger Qur’an, Sura al-Hudschurat (49):2:

يٰا أَيُّهَا الَّذِينَ آمَنُوا لٰا تَرْفَعُوا أَصْوٰاتَكُمْ فَوْقَ صَوْتِ النَّبِيِّ


[1] Heiliger Qur’an, Sura al-Ma‘idah (5):1:

يَا أَيُّهَا الَّذِينَ آمَنُوا أَوْفُوا بِالْعُقُودِ

[2] Heiliger Qur’an, Sura al-Nisa (4):29:

يَا أَيُّهَا الَّذِينَ آمَنُوا لَا تَأْكُلُوا أَمْوَالَكُمْ بَيْنَكُمْ بِالْبَاطِلِ إِلَّا أَنْ تَكُونَ تِجَارَةً عَنْ تَرَاضٍ مِنْكُمْ


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