Islamisches Zentrum Hamburg
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Nachrichten Code : 196018
Datum der Veröffentlichung : 10/24/2018 10:54:00 AM
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Bekanntschaft mit dem Qur’an (3)

Freitagsansprache von 12.10.2018
von Hujjat ul-Islam Dr. Mofatteh

 Im Namen Allahs, des Barmherzigen, des Allerbarmers

Aller Lobpreis gebührt Gott, dem Erhabenen, dem Herrn aller Welten. Wir danken Ihm für Seine Gnade und Seine Gaben und bitten Ihn um Hilfe und Rechtleitung in allem, was wir tun, und hoffen, dass Er uns in Seine Gunst aufnimmt. Sein Frieden und Segen sei mit unserem Propheten Muhammad, seinen reinen Nachkommen und seinen rechtschaffenen Gefährten. O Diener Gottes, ich rate mir selbst und Ihnen allen zur Ehrfurcht vor Gott und zum Gehorsam gegenüber Seinen Geboten.

Wunder

Wunder sind für Propheten ein Mittel zur Bestätigung ihrer Behauptung hinsichtlich ihrer Prophetenschaft und der besonderen Beziehung zu Gott mit der daraus resultierenden Folge, dass sie aus der verborgenen Welt Botschaften empfangen. Folglich müssen die Wunder, die durch sie vollbracht werden, Spuren und Elemente übernatürlichen Ursprungs aufweisen und derart sein, dass die übrige Menschheit außerstande ist diese auszuführen.

Allerdings muss hierbei unterstrichen werden, dass kein Prophet die Einladung zu Gott gleich von Beginn an mit der Ausführung von Wundern paarte. Denn diese wurden nur getätigt, damit auch die letzten Zweifel bei den Leugnern ausgeräumt werden. Die Botschaft der Propheten ist eins zu eins deckungsgleich zur Wahrheit und steht mit der authentischen natürlichen Veranlagung sowie dem gesunden Menschenverstand in Übereinstimmung. Der heilige Qur’an spricht in Bezug auf die Botschaft der Propheten:

„Fürwahr sind die Gesandten unseres Herrn mit der Wahrheit gekommen.“ [1]

„O ihr Menschen, zu euch ist die Wahrheit von eurem Herrn gekommen.“ [2]

Somit wird im heiligen Qur’an erklärt, dass die an der Wahrheit interessierten Denker die Einladung zur Wahrheit mit offenen Armen willkommen heißen, wohingegen diese von denjenigen, die die Wahrheit nicht in ihrem Interesse sehen, abgelehnt wird, wobei sie sich in ihrem Herzen den Wahrheitsgehalt der Botschaft durchaus eingestehen: „Und sie verleugneten sie, obwohl ihr Inneres darüber Gewissheit hegte, aus Ungerechtigkeit und Überheblichkeit.“ [3]

Der heilige Prophet Moses wurde zu einer Zeit zum Propheten berufen, in der die Magie und die Hexerei in der Gesellschaft großen Anklang fanden. Und so musste Moses zur Bestätigung seiner Wahrhaftigkeit ein Wunder vollbringen, welches von den Menschen seiner Zeit in einer Art und Weise nachvollzogen werden musste, dass sie zur Überzeugung gelangten, dass Moses ein von Gott entsandter Prophet ist. Der heilige Qur’an spricht über das Wunder Mose:

„Er warf seinen Stab, und da war er eine offenkundige Schlange. Und er zog seine Hand heraus, da war sie weiß für die Zuschauer.“ [4]

Seine Exzellenz führte in einer Situation sein Wunder aus, in der er mit seiner Verleugnung durch den Pharao und seiner Gefolgschaft konfrontiert wurde. Sie verlangten von ihm einen Beweis für seine Ausführungen und Behauptungen. Gott befahl Moses und Aron: „Geht zu Pharao und sagt: Wir sind der Gesandte des Herrn der Welten.“ [5] Nach einer Diskussion mit Moses wurde der Pharao wütend und äußerte unverhohlen ohne jeglichen nachvollziehbaren Grund: „Wenn du dir einen anderen Gott als mich nimmst, werde ich dich sicher zu einem der Gefangenen machen.“ [6] Daraufhin entgegnete Moses sanftmütig: „Was aber, wenn ich dir eine offenkundige Sache bringe?“ [7] Der Pharao ging darauf ein und äußerte: „So bring sie her, wenn du zu denen gehörst, die die Wahrheit sagen.“ [8] Sodann zog Moses seinen Stab und seine leuchtende Hand. Als der Pharao als Reaktion darauf eine Gruppe von Zauberern und Hexern zu sich an den Hof rief, um es mit Moses aufzunehmen, wurden ihnen noch vor allen anderen die Rechtmäßigkeit und Wahrhaftigkeit der Prophetenschaft Moses vor Augen geführt, da sie als Zauberer und Hexer nur allzu gut darüber Kenntnis besaßen, dass die von Moses durchgeführten Aktionen keinen Bezug zu ihren Tricksereien hatten und tatsächliche Wunder darstellten.

Zur Zeit des Propheten Jesus waren Heilkünste in der Gesellschaft hoch im Kurs und so genossen Heiler und Mediziner eine außerordentliche soziale Stellung, weshalb seine Wunder aus diesem Holze geschnitzt waren, damit die Menschen den übernatürlichen Charakter der Handlungen von Jesus besser nachvollziehen konnten. Der heilige Qur’an spricht dahingehend:

„Und als Gott sprach: «O Jesus, Sohn Marias, gedenke meiner Gnade zu dir und zu deiner Mutter, als Ich dich mit dem Geist der Heiligkeit stärkte, sodass du zu den Menschen in der Wiege und als Erwachsener sprachst; und als Ich dich das Buch, die Weisheit, die Tora und das Evangelium lehrte; und als du aus Ton etwas wie eine Vogelgestalt mit meiner Erlaubnis schufst und dann hineinbliesest und es mit meiner Erlaubnis zu einem Vogel wurde; und als du Blinde und Aussätzige mit meiner Erlaubnis heiltest und Tote mit meiner Erlaubnis herauskommen ließest.“ [9]

Zur Zeit des barmherzigen Propheten Muhammad waren Gedichte und literarische Kenntnisse in der Gesellschaft angesagt und so genossen Dichter und Literaten ein besonderes gesellschaftliches Ansehen. In diesem Sinne bildet der heilige Qur’an das Wunder des Propheten Muhammad. Der heilige Qur’an wurde auf die eloquenteste Art und der aussagekräftigsten Methode mit der inhaltsreichsten Bedeutung an die Menschen jener Zeit vorgetragen und da die damaligen Araber eine besondere Aufmerksamkeit auf dichterische und literarische Erzeugnisse legten, konnten sie innerhalb kurzer Zeit nur allzu gut erkennen, dass es sich beim heiligen Qur’an gewiss um kein Produkt menschlichen Ursprungs handeln konnte. In diesem Sinne fordert der heilige Qur’an diejenigen heraus, die am heiligen Propheten und seiner Legitimität zweifeln:

„Und wenn ihr im Zweifel seid über das, was Wir auf unseren Diener hinabgesandt haben, dann bringt eine Sure gleicher Art herbei.“ [10]

„Oder sagen sie: Er hat ihn sich selbst in den Mund gelegt? Nein, vielmehr glauben sie nicht. Sie sollen doch eine Botschaft gleicher Art beibringen, so sie die Wahrheit sagen.“ [11]

In den vorangegangenen Büchern der Propheten waren die Botschaften und Bedeutungen von Gott bestimmt, doch die Wahl der Wörter und Begriffe trafen die Propheten selbst, wohingegen beim heiligen Qur’an sowohl der Inhalt wie auch die Wörter von Gott bestimmt wurden ohne dass der barmherzige Prophet darin eine Rolle spielte. In diesem Lichte fordert der heilige Qur’an alle Menschen und Dschinn heraus:

„Sprich: Wenn die Menschen und die Dschinn zusammenkämen, um etwas beizubringen, was diesem Qur‘an gleich wäre, sie brächten nicht seinesgleichen bei, auch wenn sie einander helfen würden.“  [12]

Einst setzte sich Abu al-Walid Utbah ibn Rabi’ah, der als Oberhaupt des Stammes der Quraysch betrachtet wurde, zu den anderen Stammesoberhäuptern der Quraysch in der Moschee zu Mekka. Der barmherzige Prophet des Islam saß ebenfalls in der Moschee, jedoch an einem anderen Ort. Utbah schaute auf die Stammesoberhäupter und sprach: „Seid ihr damit einverstanden, dass ich mit Muhammad, nun wo er hier alleine ist, spreche, auf dass ich ihn vielleicht überzeuge endlich von seiner Einladung zum Islam abzusehen?“ Die Versammlung entgegnete: „Wenn du es dir zutraust, so gehe und spreche mit ihm und versuche ihn auf jede Art und Weise auch immer zu überzeugen.“

Utbah ging zum Propheten und äußerte: „O Sohn meines Bruders, [13] du kommst aus einer achtbaren Familie, doch behauptest du etwas, was zu Zwietracht unter deinem Volk geführt hat. Höre mir nun gut zu, damit ich dir etwas sage.“ Der Prophet erwiderte: „So sprich, ich höre dir zu.“ Utbah fuhr fort: „O Sohn meines Bruders, wenn es dein Ziel ist Vermögen anzuhäufen, so werden wir dir so viel an Materiellem geben, dass du zum wohlhabendsten Menschen der Quraysch wirst. Wenn du Macht willst, werden wir dich zu unserem Oberhaupt bestimmen. Wenn du willst, machen wir dich zu unserem Führer. Was sich dir erscheint und zu dir flüsterst, rührt aus einer Erschütterung her, die deine Nerven in Mitleidenschaft gezogen hat. Wir sind bereit dich auf unsere Kosten heilen zu lassen und hierbei werden wir keine Kosten und Mühen scheuen.“ Utbah sprach und sprach, während der Prophet all seinen Worten lauschte. Als er fertig war, fragte der Prophet: „Bist du nun fertig mit deiner Rede?“ Utbah bejahte und nun setzte der Prophet an: „Nun höre du mir gut zu. ‚Im Namen Gottes, des Gnädigen, des Begnadenden. Ein Buch, dessen Zeichen im Einzelnen dargelegt sind, als arabischer Koran, für Leute, die Bescheid wissen. Als Freudenbote und Warner.‘“ [14] Der Prophet fuhr fort und Utbah hörte gespannt seiner atemberaubenden Rezitation zu, bis er an dem Vers ankam, der eine verpflichtete Niederwerfung beinhaltet und sich der Prophet folglich zur Niederwerfung begab. Sodann sprach er: „O Abu al-Walid, du hast gehört, was ich dir verlesen habe, nun denke darüber nach und treffe ein Urteil.“ Utbah kam aus der Trance, in der er sich befunden hatte, heraus und ohne etwas zu sagen ging er zurück zu den anderen Stammesoberhäuptern. Sie konnten eine Veränderung an ihm feststellen und sprachen: „Was hast du für Neuigkeiten?“ Utbah entgegnete: „Was ich erzählen kann, ist, bei Gott, dass ich einer Rede gelauscht habe, die in ihrer Eloquenz unerreicht ist. Sie war weder ein Gedicht, noch eine Zauberei wie ihr glaubt.“ Die Oberhäupter sprachen entsetzt: „O Abu al-Walid, Muhammad hat dich mit seinen Worten also verhext!“ [15]




[1] Heiliger Qur’an, Sura Al-A’raf (7)/43:

لَقَدْ جاءَتْ رُسُلُ رَبِّنا بِالْحَقِ

[2] Heiliger Qur’an, Sura Younus (10)/108:

يا أَيُّهَا النَّاسُ قَدْ جاءَكُمُ الْحَقُّ مِنْ رَبِّكُمْ

[3] Heiliger Qur’an, Sura Al-Naml (27)/14:

وَ جَحَدُوا بِها وَ اسْتَيْقَنَتْها أَنْفُسُهُمْ ظُلْماً وَ عُلُوًّا

[4] Heiliger Qur’an, Sura Al-A’raf (7)/107-108:

فَأَلْقَىٰ عَصَاهُ فَإِذَا هِيَ ثُعْبَانٌ مُّبِينٌ ؛ وَنَزَعَ يَدَهُ فَإِذَا هِيَ بَيْضَاءُ لِلنَّاظِرِينَ

[5] Heiliger Qur’an, Sura Al-Schu’ara (26)/16:

فَأْتِيا فِرْعَوْنَ‏ فَقُولا إِنَّا رَسُولُ رَبِّ الْعالَمِينَ

[6] Heiliger Qur’an, Sura Al-Schu’ara (26)/29:

لئن اتّخذت إلها غيري لأجعلنّك من المسجونين

[7] Heiliger Qur’an, Sura Al-Schu’ara (26)/30:

أَوَلَوْ جِئْتُكَ بِشَيْءٍ مُّبِينٍ 

[8] Heiliger Qur’an, Sura Al-Schu’ara (26)/31:

فَأْتِ بِهِ إِن كُنتَ مِنَ الصَّادِقِينَ

[9] Heiliger Qur’an, Sura Al-Ma’idah (5)/110:

إِذْ قَالَ اللَّهُ يَا عِيسَى ابْنَ مَرْيَمَ اذْكُرْ نِعْمَتِي عَلَيْكَ وَعَلَىٰ وَالِدَتِكَ إِذْ أَيَّدْتُكَ بِرُوحِ الْقُدُسِ ... وَإِذْ تَخْلُقُ مِنَ الطِّينِ كَهَيْئَةِ الطَّيْرِ بِإِذْنِي فَتَنْفُخُ فِيهَا فَتَكُونُ طَيْرًا بِإِذْنِي ۖ وَتُبْرِئُ الْأَكْمَهَ وَالْأَبْرَصَ بِإِذْنِي ۖ وَإِذْ تُخْرِجُ الْمَوْتَىٰ بِإِذْنِي

[10] Heiliger Qur’an, Sura Al-Baqarah (2)/23:

وَ إِنْ كُنْتُمْ فِي رَيْبٍ مِمَّا نَزَّلْنا عَلى‏ عَبْدِنا فَأْتُوا بِسُورَةٍ مِنْ مِثْلِهِ

[11] Heiliger Qur’an, Sura Al-Tur (52)/33-34:

أَمْ يَقُولُونَ تَقَوَّلَهُ بَلْ لا يُؤْمِنُونَ. فَلْيَأْتُوا بِحَدِيثٍ مِثْلِهِ إِنْ كانُوا صادِقِينَ

[12] Heiliger Qur’an, Sura Al-Isra (17)/88:

قُل لَّئِنِ اجْتَمَعَتِ الْإِنسُ وَالْجِنُّ عَلَىٰ أَن يَأْتُوا بِمِثْلِ هَٰذَا الْقُرْآنِ لَا يَأْتُونَ بِمِثْلِهِ وَلَوْ كَانَ بَعْضُهُمْ لِبَعْضٍ ظَهِيرًا

[13] Anm.: Unter den Arabern war es geläufig, dass Personen aus einem anderen Stamm „Sohn meines Bruders“ gerufen wurden.

[14] Heiliger Qur’an, Sura Fussillat (41)/3-4:

بِسْمِ اللَّهِ الرَّحْمنِ الرَّحِيمِ‏ ... كِتابٌ فُصِّلَتْ آياتُهُ قُرْآناً عَرَبِيًّا لِقَوْمٍ يَعْلَمُونَ. بَشِيراً وَ نَذِيراً

[15] Vgl.: Ibn Hischam, Al-Sira, B. 1, S.313-314.


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