Islamisches Zentrum Hamburg
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Nachrichten Code : 193262
Datum der Veröffentlichung : 4/18/2018 4:32:00 PM
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Lehren aus dem Koran (9) Vertrauen in Gott (1)



Freitagsansprache von 23.02.2018
von Ayatollah Dr. Ramezani Imam und Leiter des Islamischen Zentrums Hamburg e.V

Im Namen Allahs, des Barmherzigen, des Allerbarmers
Aller Lobpreis gebührt Gott, dem Erhabenen, dem Herrn aller Welten. Wir danken Ihm für Seine Gnade und Seine Gaben und bitten Ihn um Hilfe und Rechtleitung in allem, was wir tun, und hoffen, dass Er uns in Seine Gunst aufnimmt. Sein Frieden und Segen sei mit unserem Propheten Muhammad, seinen reinen Nachkommen und seinen rechtschaffenen Gefährten. O Diener Gottes, ich rate mir selbst und Ihnen allen zur Ehrfurcht vor Gott und zum Gehorsam gegenüber Seinen Geboten

In den Lehren des Islams werden auch hoffnungserregende Elemente genannt, die den Menschen Hoffnung auf die Zukunft machen. Einer dieser Elemente ist Vertrauen in Gott, der einer der wichtigsten Kapitale des Gläubigen ist, und eine wichtige Rolle in seiner Entwicklung und Fortschritt spielt. Besonders bei „sozialen, geistigen und spirituellen“ Krisen können sie den Gläubigen helfen.


Die Wahrheit des Vertrauens

Einer der wichtigsten Punkte, die hier genannt werden muss, ist das tiefe und genaue Verständnis vom Vertrauen, damit der Mensch diesen Begriff nicht missversteht. Einige glauben, dass Faulheit und Glaubensschwäche das Vertrauen in Gott ist. Aus diesem Grund glauben sie, dass Gott ihre Angelegenheiten regelt – ohne dafür nur ein Finger zu krümmen und die Voraussetzungen zu beachten. Zum Beispiel lassen sie ein Kamel in der Wüste frei herumlaufen, und wenn ihnen dann gesagt wird. Sie verlaufen sich oder werden gestohlen, antworten sie: Vertrau in Gott! Oder wenn sie aufgerufen werden: Helft diesen und Jenen, damit ihr Problem gelöst wird, sagen sie: Vertraut in Gott! Oder wenn sie für die Familie zur Arbeit gehen müssen, dann antworten sie: Ich vertraue in Gott!

Die Denkweise dieser Personen – die sich leider als Gläubige ausgeben – verbindet diese Faulheit mit der Religion, und führt auch die Anderen damit in die Irre, denn die oberflächliche Definition dieser Menschen von der Religion zerstört die funktionellen Werte – wie das Vertrauen in Gott. Aus diesem Grund ist es auch angebracht, dass diese Tugend genau unter die Lupe genommen wird, und die richtige Bedeutung aus den Koranversen und Überlieferungen erörtert wird.

Das wahre Vertrauen ist, wenn der Gläubige Gott als Zeuge seiner Taten bestimmt. Das heißt, dass nach seinen Bemühungen und den Angelegenheiten, die eine besondere Beachtung bedürfen, er dabei in Gott vertraut und auf seine Güte hofft.

Vertrauen in Gott ist eine Herzensangelegenheit. Die Natur dieser Tugend ist das innige Vertrauen in Gott bei allen Angelegenheiten. Dies bedeutet natürlich nicht, dass der Mensch die täglichen Sachen, die Gott ihm auf den Weg gegeben hat, unbeachtet lässt.

Ein Gläubiger, der in Gott vertraut, sieht niemals das Vertrauen in Widerspruch zu den alltäglichen Werkzeugen, sondern sieht in Gott den Ursprung dieser Werkzeuge. So einer glaubt daran, dass alles auf Befehl Gottes geschieht. Er glaubt, dass der Grund für die Gründe Gott selbst ist. So eine Ansicht spielt in der Natur des Vertrauens eine gewichtige Rolle. Feyz Kashani sagt über die Natur des Vertrauens: „Vertrauen ist einer der Pforten des Glaubens, und alle Pforten des Glaubens haben drei Grundsätze: Wissen, Natur und Tat. Wissen ist die Wurzel, Taten sind die Früchten und die Natur ist ein Symbol für das Vertrauen.“[1]

Ein wichtiger Punkt, der eingehalten werden muss, ist, dass der Mensch seinen Lebensweg so gestalten muss, dass er sich nicht einmal einen Augenblick von der Wahrheit des Monotheismus – sowohl im theoretischen, als auch im praktischen – entfernen darf. Auf der anderen Seite darf er auch nicht den Äußerlichen verfallen – also in gewisser Hinsicht der Ketzerei verfallen.

Aus diesem Grund muss ein Gläubiger für einen Erfolg sowohl die Materiellen Werkzeuge Nutzen, um die Probleme zu bewältigen und die Hindernisse zu beseitigen, als auch auf die unendliche verborgene und sichtbare Güte Gottes vertrauen. Auch in einer Überlieferung sagt der Prophet bei einer Frage an Gabriel: „Ich sagte: ˏWas ist Vertrauen auf Gott?ˊ, er sagte: ˏDas Wissen, dass die Schöpfung weder Schaden zufügt, noch Nutzen bringt, weder gibt, noch verhindert – und auch keine Hoffnung auf Menschen hegenˊ…“[2], (also wissen, dass alles auf Gottes Geheiß und ist und von Gott kommt). Dann fügt der Prophet der Güte und Liebe hinzu: „Sobald ein Diener Gottes diese Eigenschaften hat, wird er für niemanden außer Gott arbeiten, und Bangen und nur Hoffnung in Gott hegen. Dies ist (der wahre) Vertrauen“[3]. So wird in den islamischen Überlieferungen betont, dass Vertrauen auf Gott in keiner Weise bedeutet, dass man die vorhandenen Werkzeuge und Möglichkeiten nicht nutzen soll. In einer bekannten Überlieferung steht, wie ein arabischer Mann im Beisein des Propheten (gegrüßet sei er) sein Kamel freien Lauf lässt, und sagt: „In Vertrauen auf Gott“, Der Prophet sagt ihm: „Binde dem Kamel eine Fußfessel an, und vertraue dann auf Gott“[4]. Das ist auch das, was in der persischen Literatur erwähnt wurde: „So rief der Prophet den Leuten zu ** Vertraut in Gott und bindet euer Vieh zu“[5] Diese Geschichte wird auch in einer anderen Form überliefert, die besagt, dass der Araber den Propheten fragte: „Soll ich mein Kamel frei laufen lassen und in Gott vertrauen?“, der Prophet antwortete: „Binde sein Bein fest und Vertraue in Gott!“[6]



[1] اعلم أنّ التوكّل من أبواب الإيمان و جميع أبواب الإيمان لا ينتظم إلّا بعلم و حال و عمل و التوكّل كذلك ينتظم من علم هو الأصل، و من عمل هو الثمرة، و حال هو المراد باسم التوكّل, Feyz Kashani; Mohammad bin Shah Morteza, al-Mohadschat al-Beyza, Band 7, S. 381, Qom, Muassissah al-Nashr al-Islamiyah, 4. Auflage, 1417 Nach dem Mondkalender

[2] فقلتُ: و ما التَّوكُّلُ علَى اللّهِ عز و جل؟ فقالَ: العِلمُ بأنَّ المَخلوقَ لا يَضُرُّ ولايَنفَعُ ولا يُعطي ولا يَمنَعُ، واستِعمالُ اليَأسِ مِن الخَلق, Ibn Babuye, Mohammad bin Ali, Ma´ani al-Ikhbar, S. 261, Qom, Büro für islamische Publikationen, 1. Auflage, 1403 nach dem Mondkalender

[3] فَإِذَا كَانَ الْعَبْدُ كَذَلِكَ لَمْ يَعْمَلْ لِأَحَدٍ سِوَى اللَّهِ وَ لَمْ يَرْجُ وَ لَمْ يَخَفْ سِوَى اللَّهِ وَ لَمْ يَطْمَعْ فِي أَحَدٍ سِوَى اللَّهِ فَهَذَا هُوَ التَّوَكُّل, ebenda

[4] وَ دَخَلَ الْأَعْرَابِيُّ إِلَى مَسْجِدِ النَّبِيِّ(ص) فَقَالَ(ص) أَ عَقَلْتَ نَاقَتَكَ؟ قَالَ لَا قَدْ تَوَكَّلْتُ عَلَى اللَّهِ! فَقَالَ(ص) اعْقِلْهَا وَ تَوَكَّلْ عَلَى اللَّه, Aldeylami, Alhassan bin Mohammad, Irshad al-Qolub, Band 1, S. 121, Qom, al-Sharif al-Razi Publikation, 2. Auflage, 1415 nach dem Mondkalender

[5] گفت پیغمبر به آواز بلند ** با توکل زانوی اشتر ببند, Molana, Mathnavi Manavi, 1. Buch, S. 44

[6] جَاءَ رَجُلٌ إِلَى رَسُولِ اللَّهِ(ص) فَقَالَ يَا رَسُولَ اللَّهِ(ص) أُرْسِلُ نَاقَتِي وَ أَتَوَكَّلُ‏ أَوْ أَعْقِلُهَا وَ أَتَوَكَّلُ؟ قَالَ(ص): اعْقِلْهَا وَ تَوَكَّل, Tabarassi, Ali bin Hassan, Mishkat al-Anvar fi Qarrar al-Ikhbar, S. 319, Nadschaf, al-Maktab al-Heydariye, 2. Auflage, 1385 nach dem Mondkalender, und Al-Bosti, Ibn Haban, SAhih ibn Hoban, Eine Forschungsarbeit von Shuaib al-Arno´ut, Band 2, S. 510, Beirut, Muassisah al-Risalat, 2. Auflage, 1414 nach dem Mondkalender


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