Islamisches Zentrum Hamburg
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Nachrichten Code : 189927
Datum der Veröffentlichung : 10/11/2017 3:19:00 PM
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Die Religiöse Lebensweise (23)


Freitagsansprache von 08.09.2017
von Ayatollah Dr. Ramezani Imam und Leiter des Islamischen Zentrums Hamburg e.V

Im Namen Allahs, des Barmherzigen, des Allerbarmers
Aller Lobpreis gebührt Gott, dem Erhabenen, dem Herrn aller Welten. Wir danken Ihm für Seine Gnade und Seine Gaben und bitten Ihn um Hilfe und Rechtleitung in allem, was wir tun, und hoffen, dass Er uns in Seine Gunst aufnimmt. Sein Frieden und Segen sei mit unserem Propheten Muhammad, seinen reinen Nachkommen und seinen rechtschaffenen Gefährten. O Diener Gottes, ich rate mir selbst und Ihnen allen zur Ehrfurcht vor Gott und zum Gehorsam gegenüber Seinen Geboten.

Im allgemeinen lässt sich das Leben eines Menschen in drei Stufen einteilen: Phetus, irdisches Leben und jenseitiges Leben. Jeder dieser Stufen ist auch die Vorstufe der anderen Epochen, also verlaufen sie linear hintereinander. Das Leben eines Menschen beginnt im Mutterleib. Danach kommt er zur Welt und begegnet einer Reihe von Unfällen, Entwicklungen und Hindernissen. Letztendlich tritt er dann die Reise in den Jenseits an, was auch die Ewigkeit genannt wird. Aus diesem Grund gibt es auch in den religiösen Lehren für jeder dieser Stufen genaue Definitionen.

Richtiger Kontakt des Menschen mit dem irdischen Leben

Unter den drei genannten Stufen hat der Mensch nur über das irdische Leben Kontrolle. Er kann weder seine Geburt, noch seinen Tod bestimmen. Ihm wurde eine beschränkte Zeit gegeben, bei deren Abstreichen er sich für das Ableben vorbereiten muss. Also muss er in dieser Welt so leben, dass er seine Angelegenheiten und die der Anderen klärt. Der Prophet (gegrüßet sei er) sagt in diesem Zusammenhang: „Regelt euer irdisches Leben, und bemüht euch so um euer Jenseits, als ob ihr morgen sterben werdet.“[1] Der Mensch muss also sich bemühen, die Wahrheit über dieses Leben zu erkennen, und sie nach seinen Kenntnissen, zu verbringen.

Leider leben einige ihr ganzes Leben blind, taub, stumm und in Unwissenheit. Gott sagt im Koran über diese Menschen: „Taub, stumm, blind sind sie, so haben sie keinen Verstand.“[2] Diese werden im Jenseits die Fehlgeleiteten sein. Denn im Koran steht über diese Leute: „Und wer in diesem (Leben) blind ist, der ist (auch) im Jenseits blind und irrt noch mehr vom Weg ab.“[3] In diesem Koranvers wird die Erkenntnis und die Kraft, sehen zu können, in dieser Welt, als Grundlage für die Erkenntnis und die Kraft, sehen zu können, im Jenseits bezeichnet. Jeder wird also von seinem Erworbenen erfüllt. Wenn dieses Erworbene Unwissen, und Liebe zu dem irdischen Leben ist, so wird er auch damit erfüllt. Wenn er aber sich bemüht, Kenntnisse und Wissen zu erlangen, so wird er auch damit erfüllt. Der Koran sagt darüber: „Ein jeder haftet für das, was er erworben hat.[4] Und „Daß für den Menschen nur das bestimmt ist, wonach er strebt * Daß sein Streben sichtbar werden wird.“[5] In einem anderen Koranvers steht: „am Tag, da der Mensch erblickt, was seine Hände vorausgeschickt haben, und der Ungläubige ruft: «O wäre ich doch nur Staub!».“[6]

Monotheistische und materialistische Ansichtsweise über das irdische Leben

In der materialistischen Sichtweise sind die gesellschaftlichen Wahrnehmungen das Resultat der Konsumgüter. Diese Güter sind es auch, die die zwischenmenschlichen Beziehungen bestimmen. Doch aus der monotheistischen Sichtweise und aus der Sicht des Korans bestimmt der Mensch, mit seinen umfassenden Kenntnissen über sich, sie politischen, sozialen, kulturellen und gesellschaftlichen Entwicklungen die zwischenmenschlichen Beziehungen. So kann er auch seinen Lebensweg finden. Er verbindet das Materielle und das Spirituelle miteinander, und übertreibt und untertreibt nicht. Er bewegt sich stets moderat und handelt logisch. So einer versucht zwischen seinen materiellen und spirituellen Neigungen ein Gleichgewicht herzustellen, und sieht in der irdischen Welt niemals sein Endziel. Diese Welt ist für ihn ein Hilfsmittel. Sie ist ein Ackerland, worin er die moralischen Schönheiten und Glauben und Taten anbaut. Diese Ansichtsweise entspringt der Überlieferung des Propheten, wo er sagt: „Die Welt ist das Ackerland des Jenseits.“[7] Der monotheistische Mensch verbringt mit so einer Sichtweise sein irdisches Leben. Imam Mojtaba sagt über die Bemühungen auf der Welt für ein erfülltes jenseitiges Leben: „Bemühe dich so um dein irdisches Dasein, als ob du für ewig leben würdest, und kümmere dich um deinen Jenseits, als ob du schon morgen stirbst.“[8] So ist es auch, dass der fromme Mensch immerzu Vorräte für seine jenseitige Reise sammelt, damit er dort ein erfülltes und ruhiges Leben hat. Weiterhin hilft ihm diese Ansichtsweise, aus psychischer und seelischer Sicht sich sicher zu fühlen, und sich nie vor dem Tod zu fürchten – wovor doch viele Angst haben. Er sieht in den Tod eine Art Geschenk. Der Prophet (gegrüßet sei er) sagt diesbezglich: „Der Tod ist für den Gläubigen ein Segen.“[9] Einer, der an das göttliche glaubt, sieht in der Welt nur eine Gelegenheit, sich auf den Jenseits vorzubereiten. Daher vergeudet er keine Zeit, sondern ist stets bemüht, für eine strahlende Zukunft zu sorgen. Daher wird er auch „Momin“[10] genannt, weil er sowohl in dieser Welt Sicherheit hat, als auch im Jenseits eine hohe Stellung einnimmt. Imam Ali sagt darüber: „Heute ist die Zeit für Taten, nicht Rechenschaft, und morgen ist die Zeit für Rechenschaft, und nicht Taten.“[11]

Glaube an den Jenseits

Einer der wichtigsten Auswirkungen des Glaubens an den Jenseits ist, dass der Mensch sein wahres „Ich„ erkennt. Er gibt auf sein Inneres acht und lässt nicht zu, dass seine Seele im Sumpf der Triebe ertrinkt. Er ist sich selbst stets bewusst, denn wenn man sich selbst vergisst, dann wird man mit sich fremd. Daher sagt Gott im Koran: „Vergessen haben sie Gott, und so hat Er sie vergessen. Die Heuchler sind die wahren Frevler.“[12]

So ist die wichtigste Philosophie der Auferstehung die Befreiung von der Ausweg- und Nutzlosigkeit. Der Gläubige strebt mit dieser Sichtweise nach der Vollkommenheit. Obwohl im Jenseits jede Gute Tat belohnt, und jede Untat bestraft wird, ist jedoch dies allein nicht die Philosophie der Auferstehung. Das Gesagt ist die Natur des Jenseits. Dort wird für jeden die Gerechtigkeit Gottes sichtbar, und der Mensch erhält das, was ihm versprochen wurde. Doch das Jenseits ist auch der Ort, wo die Seele des Menschen für immer leben wird, und das erhält, was der Mensch im irdischen Dasein sich darum bemüht hat. Hier wird er Gott gegenübertreten. „Auf einem wahrhaftigen Sitzplatz, bei einem mächtigen König.“[13] Und dies ist der eigentliche Unterschied zwischen einem Gläubigen und einem nicht-Gläubigen. Denn in einer Schule, wo Jenseits und Auferstehung keine Stellung und Bedeutung haben, versinkt der Mensch in Bedeutungslosigkeit, Leere, Verwirrung und Ahnungslosigkeit. Dann wird er auch die Philosophie des Lebens nicht richtig begreifen.

Schlusswort

Es ist wichtig, dass der Mensch die Natur des Todes begreift, sonst verfällt er dem Nihilismus – wie Camus, Sartre und Beckest. Sie sahen den Tod als das Ende des Leben, deshalb war das Leben für sie sinnlos.

 



[1] أصلِحوا دُنياكُم، وَاعمَلوا لِآخِرَتِكُم، كَأَنَّكُم تَموتون غَداً, al-Qasaei, Abu Abdullah Mohammad bin Salamah, Masnad al-Shahab, Band 1, S. 417, Überlieferung 717, Eine Forschung von Hamdi Abdulmajid al-Salafi, Beirut, Muassisah al-Risalah, al-Tabat al-Awla, 1405 nach dem Mondkalender

[2] صُمٌّ بُكْمٌ عُمْيٌ فَهُمْ لَا يَعْقِلُونَ, al-Baqara, Vers 171

[3] وَمَن كَانَ فِي هَـٰذِهِ أَعْمَىٰ فَهُوَ فِي الْآخِرَةِ أَعْمَىٰ وَأَضَلُّ سَبِيلًا, al-Isra, Vers 72

[4] كُلُّ نَفْسٍ بِمَا كَسَبَتْ رَهِينَةٌ, al-Muddathir, Vers 38

[5] وَأَن لَّيْسَ لِلْإِنسَانِ إِلَّا مَا سَعَىٰ* وَأَنَّ سَعْيَهُ سَوْفَ يُرَى, An-Najm, Verse 39 & 40

[6] يَوْمَ يَنظُرُ الْمَرْءُ مَا قَدَّمَتْ يَدَاهُ وَيَقُولُ الْكَافِرُ يَا لَيْتَنِي كُنتُ تُرَابًا, an-Naba´, Vers 40

[7] الدُّنيا مَزرَعَةُ الآخِرَة, Waram bin Abi Faras, Massoud bin Issa, Tanbih al-Khawatir va Nihzaht al- nawazir, Band 1, S. 183, Qom, Maktabah Faqih, 1. Auflage, 1410 nach dem Mondkalender

[8] اعْمَلْ لِدُنْيَاكَ كَأَنَّكَ تَعِيشُ أَبَداً وَ اعْمَلْ لآِخِرَتِكَ كَأَنَّكَ تَمُوتُ غَداً, Ibn Babuye, Mohammad bin Ali, min la yahzar al-Faqih, Band 3, S. 156, Überlieferung 3569, Qom, Verlag für islamische Publikationen, Qom, 2. Auflage, 1413 nach dem Mondkalender

[9] تُحفَةُ المؤمنِ المَوتُ, Qotbeddin-e-Ravandi, Saeid bin Habbatollah, al-Davaat lil-Ravandi, S. 234, Überlieferung 648, Qom, Madrisa Imam Mahdi (s.a.s.) Verlag, 2. Auflage, 1413 nach dem Mondkalender

[10] مؤمن, امن Sicher, Sicherheit

[11] Kellini, Mohammad bin Yaqoub, al-Kafi, Band 8, S. 58, Überlieferung 21, Teheran, Darol-Kotob al-Islamiyah, 4. Auflage, 1407 nach dem Mondkalender

[12] نَسُوا اللَّـهَ فَنَسِيَهُمْ ۗ إِنَّ الْمُنَافِقِينَ هُمُ الْفَاسِقُونَ, at-Tawba, Vers 67

[13] فِي مَقْعَدِ صِدْقٍ عِندَ مَلِيكٍ مُّقْتَدِرٍ, al-Qamar, Vers 55


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