Islamisches Zentrum Hamburg
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Nachrichten Code : 189161
Datum der Veröffentlichung : 8/22/2017 2:48:00 PM
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Die Religiöse Lebensweise (19)


Freitagsansprache von 04.08.2017
von Ayatollah Dr. Ramezani Imam und Leiter des Islamischen Zentrums Hamburg e.V

Im Namen Allahs, des Barmherzigen, des Allerbarmers
Aller Lobpreis gebührt Gott, dem Erhabenen, dem Herrn aller Welten. Wir danken Ihm für Seine Gnade und Seine Gaben und bitten Ihn um Hilfe und Rechtleitung in allem, was wir tun, und hoffen, dass Er uns in Seine Gunst aufnimmt. Sein Frieden und Segen sei mit unserem Propheten Muhammad, seinen reinen Nachkommen und seinen rechtschaffenen Gefährten. O Diener Gottes, ich rate mir selbst und Ihnen allen zur Ehrfurcht vor Gott und zum Gehorsam gegenüber Seinen Geboten.

Heute ist der Lebensstandard in den Industriestaaten und Entwicklungsländern gestiegen, und die Menschen haben bessere Kleidung, Ernährung, moderne Häuser, Fahrzeuge mit Klimaanlagen. Doch leider geht es mit der körperlichen und seelischen Gesundheit immer weiter bergab, und es verbreiten sich immer mehr Krankheiten – bedingt durch die moderne Lebensweise. Aus diesem Grund ist auch der Konsum verschiedener Medikamente mehr denn je gestiegen. Selbst für einen ruhigen Schlaf werden Medikamente eingenommen. Dieser übertriebene Konsum von Medikamenten zeigt, dass die Menschheit, trotz wissenschaftliche Fortschritte, immer noch keinen inneren Frieden und Freude am Leben gefunden hat. Im Gegenteil, es werden Depressionen, Freud- und Hoffnungslosigkeit beobachtet, die sich tagtäglich ausbreiten. Täglicher Stress, grimmige Gesichter, inhaltslose Konversationen, unnützlige Gedanken, Selbstgeißelung und Selbstmord sind weitere traurige Anzeichen, die man heute unter den Menschen beobachtet. Außerdem beobachtet man in der heutigen Gesellschaft Probleme, wie Einsamkeit, Ziellosigkeit im Leben, irrationale und beängstigende Sichtweise gegenüber dem Alter und dem Tod, quälenden Misstrauen, Unzufriedenheit sich selbst und anderen gegenüber, Scham und Schuldgefühle, und demzufolge Suche nach Luxus und Glauben an ein besseres Leben durch Wohlstand. Dies begrenzt sich jedoch nicht nur auf die dritte-Welt-Länder. Sie wird auch vermehrt in den sogenannten fortschrittlichen und modernen Ländern beobachtet.

Diese Komplikationen veranlassten manche, Auswege zur Lösung dieser Probleme vorzustellen, die jedoch leider nicht in der Lage waren, den verlorengegangenen inneren Frieden wieder herzustellen.

Wichtigste Ursachen der bestehenden Probleme der heutigen Gesellschaft

Der wichtigste Grund für diese Probleme scheint darin zu liegen, dass der heutige Mensch sich immer weiter von seinem wahren „Ich“ distanziert. Mit anderen Worten, Der Mensch verfremdet sich mit sich selbst und das führt dann zu seelischen und körperlichen Krankheiten. Denn, wenn der Mensch eine reale Vorstellung von sich, den Anderen und der Schöpfung hat, gerät er nicht mehr in Verwirrung. Maßlose Übertreibungen und Vernachlässigungen sich selbst gegenüber verursachen diese Arten von Probleme. Der Ursprung dieser Probleme und Leiden in der Gesellschaft beschränkt sich aber nicht auf die einzellnen Personen, sondern muss auch bei den Bildungszentren gesucht werden. Gott spricht im Koran die Überteibungen und Stursinn der Menschen an, warnt sie vor Hoffnungslosigkeit und sagt über ihre Vergebung: „Sag: O Meine Diener, die ihr gegen euch selbst maßlos gewesen seid, verliert nicht die Hoffnung auf Allahs Barmherzigkeit. Gewiß, Allah vergibt die Sünden alle. Er ist ja der Allvergebende und Barmherzige.“[1] In diesem Koranvers wird darauf hingewiesen, dass der Mensch auch durch Überteibungen mit sich selbst depressiv werden kann, und da dies eine ernstzunehmende Krankheit ist, ruft Gott den Menschen auf, nie die Hoffnung auf Gottes Güte zu verlieren, zu Gott zurückzufinden und sich von Zweifel und Verleugnung zu distanzieren. Damit der Weg zurück zu Gott dem Menschen inneren Frieden und Freude beschert, ihm Hoffnung aufs Leben gibt, und seinen kranken Geist heilt.

Beten und Gebet zur Behandlung der seelischen Krankheiten

Einer der Wege, die bei der Behebung der seelischen Leiden eine wichtige Rolle spielen kann, ist das Gebet, das, wie das Atmen, zu den wichtigsten Bedürfnissen des Menschen zählt. Die Verbindung zu Gott spielt bei der Entwicklung der menschlichen Gefühle, Behebung der Sorgen, Annäherung der Menschen aneinander, und Glückseligkeit eine wichtige Rolle. Der rennomierte US-amerikanischer Kommunikations- und Motivationstrainer, Dale Carnegie, sagt in diesem Zusammenhang: „Der religiöse Glauben ist zweifellos der beste Weg, Trauer und Besorgnis zu heilen. Wer glaubt, wird niemals seelischen Problemen verfallen.“[2] Der französische Chirurg, Anatom und Physiologe, und Nobelpreisträger, Alexis Carrel, hat in einer seiner Werke das Gebet aus physiologischer und psychologischer Sicht bearbeitet, und es als einer der tiefsten Bedürfnisse der menschlichen Seele bezeichnet. Über die beruhigenden und belebenden Auswirkungen des Gebets und die Verbindung zu Gott sagt er: „Man darf das Gebet nicht mit Morphin vergleichen, denn das Gebet beschert nicht nur inneren Frieden, sondern verursacht auch auf einer angemessenen und angenehmen Weise im inneren des Menschen ein Gefühl der Freude und Wohlergehen. Manchmal sogar ein Gefühl, dass man eine heldenhafte Tot vollbringen muss. Dabei bringt es auch seine Stärken auf einer unverwechselbaren Weise zum Vorschein. Des Weiteren macht das Gebet den Menschen so erhaben, dass das Gewand und die Hülle, die die Welt und die Umwelt für ihn vorgesehen hat, ihm zu eng und zu klein erscheinen.“ Danach befasst er sich mit den heilenden Wirkungen des Gebets, die den Menschen im Laufe der Zeitgeschichte auf sich aufmerksam gemacht haben, und bestätigt viele der heilenden Wirkungen des Gebets. Insbesondere dann, wenn alle anderen Heilmethoden gescheitert sind.[3] William James, Dozent für Philosophie an der Universität Harvard, sagt darüber:

„Die beste Medizin für innere Unruhe und Sorge ist der religiöse Glaube. Heute glaube ich, dass Francis recht hatte, der sagte: ¢Eine oberflächliche Studie der Philosophie macht aus dem Menschen einen Ungläubigen, doch eine tiefgründige Studie der Philosophie macht den Menschen auf die Religion aufmerksam.¢[4]

Gottes Gedenken, beste Medizin für Körper und Geist der Menschheit

Heute lehrt die moderne Psychologie genau das, was die Propheten den Menschen bescherten. Denn die Ärzte, die sich auf die „menschliche Psyche“ spezialisiert haben, sind zu dem Ergebnis gekommen, dass Gebet und starker Glauben an die Religion Sorgen, Unruhen und Angst lindern. Einer der rennomierten Psychologen sagt: „Jemand, der fest an die Religion glaubt, wird nie unter psychischen Krankheiten leiden.“[5] Daher wird auch im Koran Gottes Gedenken als die einzige Lösung für inneren Frieden bezeichnet: „Sicherlich, im Gedenken Allahs finden die Herzen Ruhe!“[6] Dieses Gottes Gedenken macht den Menschen mehr auf Gott aufmerksam, was wiederum seiner Seele und seinem Geist gut tut. Der Koran sagt in diesem Zusammenhang: „O die ihr glaubt, gedenkt Allahs in häufigem Gedenken“.[7] Der Koran ruft des öfteren dazu auf, ihm zu gedenken. Denn das ist eine unübersehbare Tatsache, ohne die man nicht den wahren Frieden finden kann.

 



[1] قُلْ يَا عِبَادِيَ الَّذِينَ أَسْرَفُوا عَلَىٰ أَنفُسِهِمْ لَا تَقْنَطُوا مِن رَّحْمَةِ اللَّـهِ ۚ إِنَّ اللَّـهَ يَغْفِرُ الذُّنُوبَ جَمِيعًا ۚ إِنَّهُ هُوَ الْغَفُورُ الرَّحِيمُ Az-Zumar, Vers 53

[2] Carnegie, Dale, Sorge dich nicht, lebe! Die Kunst, zu einem von Ängsten und Aufregungen befreiten Leben zu finden, übersetzt von Hessameddin Emami, S. 27, Teheran, Saffar Verlag, 1. Auflage, 1378 nach dem iranischen Kalender

[3] Carrel, Gebet, übersetzt von ..., S. 89

[4] Forughi, Mohammad Ali, Entwicklung der Philosophie in Europa, Band 3, S. 523

[5] Carrel, Gebet, übersetzt von ..., S. 89

[6] أَلَا بِذِكْرِ اللَّـهِ تَطْمَئِنُّ الْقُلُوبُ, Ar-Ra´d, Vers 28

[7] أَيُّهَا الَّذِينَ آمَنُوا اذْكُرُوا اللَّـهَ ذِكْرًا كَثِيرًا, al-Ahzab, Vers 41


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