Islamisches Zentrum Hamburg
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Datum der Veröffentlichung : 8/5/2017 1:04:00 PM
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Familie im Koran 30 (Segen und positive Auswirkungen der Familie)


Freitagsansprache von 07.10.2016

von Hujjatol Islam val Muslimin Dr. Torabi


Im Namen Allahs, des Barmherzigen, des Allerbarmers
Aller Lobpreis gebührt Gott, dem Erhabenen, dem Herrn aller Welten. Wir danken Ihm für Seine Gnade und Seine Gaben und bitten Ihn um Hilfe und Rechtleitung in allem, was wir tun, und hoffen, dass Er uns in Seine Gunst aufnimmt. Sein Frieden und Segen sei mit unserem Propheten Muhammad, seinen reinen Nachkommen und seinen rechtschaffenen Gefährten. O Diener Gottes, ich rate mir selbst und Ihnen allen zur Ehrfurcht vor Gott und zum Gehorsam gegenüber Seinen Geboten.

Thema der ersten Predigt: Bedarf an Einsicht und richtig verstanden werden

Suche Zuflucht bei Gott, vor Satan, dem Verstoßenen

Ist denn der, der tot war, und den Wir dann lebendig gemacht und dem Wir ein Licht gegeben haben, worin er unter den Menschen geht, wie einer, dessen Gleichnis das jemandes ist, der sich in Finsternissen befindet, aus denen er nicht herauskommen kann? So ist den Ungläubigen ausgeschmückt, was sie zu tun pflegten.[1]

Vorwort:

In den vergangenen Predigten haben wir über die Segen und Wirkungen des Familienlebens gesprochen, und gesehen, dass jeder Mensch neben den materiellen Bedürfnissen auch emotionale Bedürfnisse hat. Dabei ist die Familie der beste Ort, diese Bedürfnisse zu erhalten. Nun wollen wir über das „Bedürfnis an Einsicht und richtig verstanden werden“, und die Rolle, die die Familie dabei spielen kann, sprechen. Vergangene Woche sprachen wir über Bestätigung und Anerkennung, und heute sprechen wir über verstanden werden. Weder Bestätigung, noch verstanden werden bedeuten, dass man die betreffende Person als unfehlbar bezeichnet, aber zeigt, dass man die Person nicht ändern will und ihm vertraut, dass er alles alleine zum Besseren wenden kann.

Zwischen dem Bedürfnis zur Anerkennung und verstanden werden, gibt es eine direkte und wechselwirkende Verbindung. In der Familie benötigt die Frau, dass ihr Ehepartner sie versteht. Ein Zeichen dafür ist, dass, wenn sie voller Emotionen sich über etwas beschwert, er ihr zuhört, und ohne zu urteilen, zärtlich die Emotionen und die Aussagen der Frau erwidert. In so einem Fall hat die Frau dann das Gefühl, dass ihr Ehepartner sie versteht. Das gibt ihr ein gutes Gefühl, und ermuntert sie ihre Arbeit besser und intensiver zu erledigen.

Die Frau braucht es also, dass man ihr zuhört. Doch wann ist der Mann in der Lage, der Frau zuzuhören? Der Mann ist dann seelisch bereit, der Frau zuzuhören, wenn seine Stellung in der Familie bestätigt ist. Wenn die Frau mit Liebe – und ohne zu versuchen, ihn zu ändern – den Ehemann akzeptiert, bekommt der Mann das Gefühl, dass er angenommen wurde. Diese Vorgehensweise stoßt den Mann nicht ab, sondern zeigt, dass er mit Liebe aufgenommen wurde. In so einer Situation ist der Mann viel mehr bereit, „zuzuhören“, und der Frau das Gefühl zu geben, „verstanden zu werden“ – was die Frau benötigt.

Erstes Thema: (Erläuterung)

Was bedeutet nun richtiges Einsicht? Einsicht bedeutet klares Verständnis, so dass er die Sachen verstehen kann und ein richtiges Gefühl dafür bekommt, und erkennt, welche Rolle er in der Situation spielen muss. Jemand, der keine klare Einsicht hat, ist wie einer, der die Lage nicht sieht, oder durch ein Schleier betrachtet. So hat er dann auch kein richtiges Verständnis für die Lage und kann nicht erkennen, welche Rolle er bei dem Ganzen spielen muss.

Dieses Bedürfnis haben alle. Jeder hat das Bedürfnis, dass die anderen seine Situation verstehen und angemessen reagieren. Mit anderen Worten: Der Mensch braucht es, dass die Verwandten und Bekannten, und diejenigen, mit denen er zu tun hat, Einsicht haben und ihn richtig verstehen.

Der Mensch braucht es, dass der in verschiedenen Situationen richtig verstanden wird, dass man in guten Zeiten sich mit ihm freut, wenn er Ruhe braucht, es respektiert, und wenn er traurig ist, ihn tröstet. Wenn einmal was schief geht, sollte man nicht die ganze Schuld ihm zuweisen, und wenn er mal krank ist, sollte man für seine Lage Verständnis haben.

Das Bedürnis, verstanden zu werden, ist in jeder Lage vorhanden. In jeder Familienangelegenheit, und bei der Arbeit, Privat und in gesellschaftlichen Situationen. Bei angenehmen und unangenehmen Situationen.

Gott sagt im Koran: „Sind sie denn nicht auf der Erde umhergegangen, daß sie Herzen bekommen, mit denen sie verstehen, oder Ohren, mit denen sie hören? Nicht die Blicke sind blind, blind sind die Herzen, die in der Brust sind.“[2]

Imam Ali sagt: „Das Wort von demjenigen, der keine Einsicht und Verständnis hat, ist falsch und wertlos.[3]

Und

„Wenn das Auge der Einsicht blind ist, dann nützt auch kein Blick.“[4]

Zweites Thema: Die Rolle der Famillie bei der Bestätigung der Familienmitglieder

Normalerweise werden die Erwachsenen im Haus nicht beachtet. Die Kinder verstehen die Eltern nicht – also müssen die Eltern zueinander halten. Wenn zum Beispiel der Man müde nach Hause kommt ,sollte die Frau nicht anfangen zu meckern, sondern ihm ein Gefühl der Geborgernheit geben. Auf der anderen Seite muss auch der Mann einsehen, dass die Frau von morgens bis abends zu Hause auf ihren Mann gewartet hat, und nun sich auch mit ihm unterhalten will. Die kleinen Kinder im Haus zu verstehen, die besonderen Bedürfnisse der Töchter zu beachten, auf die Bedürfnisse der Jugendliche im Haus richtig eingehen und sie verstehen ... all dies kann zu einem gesunden Leben beitragen. Vielleicht zeigt dir niemand außer Haus Verständnis, doch der Mensch will, dass wenigstens seine Vertraute, wie Ehhepartner, Verwandte und Freunde, ihn verstehen. Manchmal reichen nur Sätze, wie „Ich verstehe dich“, „ Wenn ich an dieser Stelle wäre, würde ich much genauso fühlen, doch du kannst besser Herr der Lage werden“, um die Person zu beruhigen.

Drittes Thema: Verstanden werden und Egoismmus

Manche erwarten, dass die anderen sie verstehen, und dabei lässt die Lage der anderen ihn kalt. Dies ist eine Art Egoismus, wenn wir immer erwarten, dass die anderen uns verstehen, und mit ihren Fähigkeiten und Möglichkeiten unseren Zielen dienen. Ein gesunder Menschenverstand muss immer auf die eigenen Beine stehen, und seine Erwarteungen von den anderen reduzieren.

Viertes Thema: Verhältnis zwischen Bedarf und Pflicht

Verstanden werden hat zwei Aspekte: Einerseits ist es eine Pflicht, und andererseits ein Bedürfnis. Es ist unsere Pflicht, die Leute, mit denen wir es zu tun haben, zu verstehen, und andererseits muss er diesen Bedarf, verstanden zu werden, soweit wie nur möglich kontrollieren, und für diejenigen, die ihm kein Verständnis entgegenbringen, einen Grund dafür finden. Er muss flexibel sein und seine Erwartung reduzieren, damit er ein fröhliches Leben haben kann. Wenn ihn also niemand Verständnis entgegen bringt, sollte er sich nicht gekränkt fühlen und erzürnen. In der Tradition der Ahl-ul-Beit steht: Ihr sollt die Taten eures Glaubensbruders auf 70 verschiedene Weisen interpretieren, und soweit wie möglich, nicht voneinander gekränkt sein. Und wenn ihr gekränkt seid, so sollt ihr es nicht übertreiben.

Ein historisches Beispiel für Verständnis ist die Verhaltensweise der Mutter von Ali Asghar, die – als ihre Liebsten der Märtyrertod fanden – nicht aus dem Zelt hinausging, um einen Augenkontakt mit Imam Hossein zu vermeiden. Nicht dass Imam Hossein sich schämt für das, was passierte.



[1] أَوَمَن كَانَ مَيْتًا فَأَحْيَيْنَاهُ وَجَعَلْنَا لَهُ نُورًا يَمْشِي بِهِ فِي النَّاسِ كَمَن مَّثَلُهُ فِي الظُّلُمَاتِ لَيْسَ بِخَارِجٍ مِّنْهَا ۚ كَذَٰلِكَ زُيِّنَ لِلْكَافِرِينَ مَا كَانُوا يَعْمَلُونَ, Al-An´am, Vers 122

[2] أَفَلَمْ يَسِيرُوا فِي الْأَرْضِ فَتَكُونَ لَهُمْ قُلُوبٌ يَعْقِلُونَ بِهَا أَوْ آذَانٌ يَسْمَعُونَ بِهَا ۖ فَإِنَّهَا لَا تَعْمَى الْأَبْصَارُ وَلَـٰكِن تَعْمَى الْقُلُوبُ الَّتِي فِي الصُّدُورِ, Al-Hajj, Vers 46

[3] Gharrar al-Hikam va Dorr al-Kalam, Überlieferung 6548

[4] Ebenda, Überlieferung 9972


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