Islamisches Zentrum Hamburg
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Nachrichten Code : 188690
Datum der Veröffentlichung : 7/28/2017 11:00:00 AM
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Die Religiöse Lebensweise (15)


Freitagsansprache von 09.06.2017
von Ayatollah Dr. Ramezani Imam und Leiter des Islamischen Zentrums Hamburg e.V

Im Namen Allahs, des Barmherzigen, des Allerbarmers
Aller Lobpreis gebührt Gott, dem Erhabenen, dem Herrn aller Welten. Wir danken Ihm für Seine Gnade und Seine Gaben und bitten Ihn um Hilfe und Rechtleitung in allem, was wir tun, und hoffen, dass Er uns in Seine Gunst aufnimmt. Sein Frieden und Segen sei mit unserem Propheten Muhammad, seinen reinen Nachkommen und seinen rechtschaffenen Gefährten. O Diener Gottes, ich rate mir selbst und Ihnen allen zur Ehrfurcht vor Gott und zum Gehorsam gegenüber Seinen Geboten.

Einer der wichtigsten Themen, auf die der Islam besonders betont, ist die Befreiung von Leiden, wofür verschiedene Aspekte behandelt werden müssen. Zweifellos hilft die Behandlung dieses Themas dem Menschen, eine bessere und vollständigere Vorstellung von den Ereignissen zu bekommen. Außerdem befreit es ihn aus der Verwirrung und Fehlleitung. Denn einige Ereignisse, die zunächst schwer erscheinen, könnten den Menschen zum Nihilismus leiten. Es ist nur angebracht, dass der Mensch sich zur Überwindung der verschiedenen Vorkommnisse, Zeit nimmt. Wenn man dann eine gute Lösung gefunden hat, hat man ein erfülltes und ruhiges Leben.

Richtiges Erkennen der Qualen

Einer der Wege, die den Menschen zu einer richtigen Erkenntnis über die Probleme führen kann, ist eine „monotheistische Sichtweise“. Eine umfangreiche und tiefgreifende monotheistische Sichtweise zur richtigen Analyse der Schöpfung schafft die Gelegenheit, dass man eine genaue Analyse von der Philosophie seiner Erschaffung und der Schöpfung bekommt. Die monotheistische Sichtweise lehrt dem Menschen, dass die Schöpfung – von dem der Mensch ein Teil ist – ein bedeutungsvolles und zielhaftes System ist, und eine Weisheit mit sich trägt. Kein Lebewesen ist grundlos erschaffen worden. Wenn nun manche Menschen die Erschaffung einiger wilder oder zahmer Tiere als einen bedeutungs- und sinnlosen Akt bezeichnen, oder meinen, dass einige Ereignisse, wie Naturkatastrophen, keine wissenschaftliche oder philosophische Deutung haben, kommt dies wegen Mangel an Wissen über den Sinn der Schöpfung. Natürlich braucht man nicht den Sinn der Erschaffung jedes einzellnen Wesens oder Ereignisses zu wissen. Es reicht, wenn man versteht, dass alles einen Sinn hat. Wenn man nun das Glauben daran, dass alles vom Weisen Schöpfer erschaffen wurde, mit Wissen und Erkenntnis erlangt, sieht man ein, dass jedes Ereignis eine Philosophie und einen Grund hat – selbst, wenn man diese Gründe nicht versteht. Einer, der glaubt, dass Gott in jeder seiner Lebenslagen anwesend ist, führt ihn diese monotheistische Sichtweise zu einer Einheit von Geist und Seele und erweckt in ihm den inneren Freiden.

Die Welt ist ein geschlossenes und zielstrebiges System. Alle Geschöpfe sind miteinander verbunden. Diese Geschlossenheit der Geschöpfe kann auch zu der Erkenntnis führen, dass es einen allumfasssenden Schöpfer gibt. Monotheismus – ein allumfassender Gott, sowohl in seiner Natur , als auch in seiner Eigenschaften und Taten – führt unweigerlich zu so einem Ergebnis. Denn wenn es zwei Götter geben würde, würde entweder nichts existieren, oder alles wäre verdorben: „لَوْ كَانَ فِيهِمَا آلِهَةٌ إِلَّا اللَّـهُ لَفَسَدَتَا Wenn es in ihnen beiden andere Götter als Allah gäbe, gerieten sie (beide) wahrlich ins Verderben.“[1] Diese Einheit und Monotheismus – sowohl im Gedanken, als auch in den Taten und in der Moral – gibt dem Leben einen Sinn.

Der Monotheismus im Glauben und Gedanken wird, wenn es in die Tat umgesetzt wird, zum praktischen Monotheismus oder Monotheismus im Gebet. Und der Geist des Menschen wird auf die einie Wahrheit, nämlich Gott, aufmerksam.[2]فِطْرَتَ اللَّـهِ الَّتِي فَطَرَ النَّاسَ عَلَيْهَا Das ist die Schöpfung Gottes, die Er für die Menschen festgelegt hat.“[3] Imam Sadegh sagt über diesen Koranvers: „فَطَرَهُمْ عَلَى التَّوْحِيدِ Gott hat sie zu Monotheismus erschaffen.“[4] Gemäß dieser monotheistischen Sichtweise bekommen die kleinen Leiden, die es in der Welt gibt, eine angemessene Definition, denn gemäß der Theorie „Relation zwischen Gut und Böse und Qualen und Leid“ und die Stellung des Menschen bei deren Bekämpfung bekommen die kleinen Leiden im Vergleich zur Welt und der Volkommenheit des Menschen eine klare Bedeutung, was dann ihrerseits dem Menschen Ruhe beschert. Wenn ein Mensch eine monotheistische Ansichtsweise hat, werden auch seine Neigungen moniotheistische Züge bekommen. Das bewirkt, dass seine Gedanken, Beweggründe, Moral und Taten monotheistisch und göttlich werden, und ihm die Kraft geben, die Leiden richtig zu deuten. Auch in der mystischen Sichtweise haben einige dieser Leiden bestimmte und tiefgründige Bedeutungen, und führen dazu, dass der Mensch seine Kapazitäten mehr einsetzt und sie aktiviert. Das führt wiederum dazu, dass der Mensch aus sich hinauswächst und hohe spirituelle Stufen erreicht. Die Voraussetzung dafür ist natürlich, dass diese Leiden mit der göttlichen Shari´a (Gesetz) einhergehen, und nicht, dass der Mensch sich Unter-und Übertreibungen hingibt. Einige Schulen, wie Buddhismus untertreiben erheblich und entsagen sich vieles. Diese Art und Weise wird nicht von den islamsichen Lehren gebilligt. In der islamsichen Mystik, die vom Koran und der Tradition herrührt, muss das Erleiden von Qualen in monotheistischen Richtung sein, und den Menschen in jeder Hinsicht göttlich erziehen – so dass alle seine Taten einen göttlichen Hintergrund bekommen.

Einige Qualen, die einen natürlichen Ursprung haben, wie die Folgen von Erdbeben, Sinnflut, Sturm und ... muss der Mensch bekämpfen, und seinen Verstand und Wissen einsetzen, die Stärken mobilisieren, um stärkere und widerstandsfähigere Gebäuden zu bauen, und all seine Potentiale, die ihm Gott zur Bekämpfung und Widerstand gegeben hat, nutzen. Auf die Frage, warum es überhaupt Naturkatastrophen, wie Erdbeben und Sinnflut und Stürme geben muss, muss man sagen: Die matrielle Welt ist eine Welt der Kollisionen. Und Materie verursacht von Natur aus Konflikte. Da die Erschaffung der materiellen Welt viele Vorzüge hat, verlangt die göttliche Weisheit, dass die Welt erschaffen wird und alle die Vorzüge nutzen. Und weil der Mensch von der Erschaffung der Welt viele Nutzen zieht, ist es fern von göttlicher Weisheit, dass nun nur wegen einiger Probleme, die Welt nicht erschaffen wird. So muss man versuchen, die Folgen der Naturkatastrophen zu minimieren, damit der Mensch die Schäden minimiert. Eine Verhinderung und ein Management der Naturkatastrophen ist machbar, denn der Mensch kann in der heutigen Zeit, mit stabilen Konstruktionen und Betonbauten die notwendigen Stabilisierungen erstellen. Natürlich müssen alle Menschen diese Möglichkeiten nutzen, damit der Schaden und die Opferzahl sich verringern.

Schlusswort

Was hier von enormer Wichtigkeit ist, ist, dass der Mensch seine Sichtweise nach der Logik der monotheistischen Schöpfung richten soll. Dieses Thema muss man aber zu gegebener Zeit intensiv behandeln.

 



[1] Al-Anbia, Vers 22

[2] Motahari, Morteza, monotheistische Weltanschauung, (gesammelte Werke), Band 2, S. 99-106, Teheran – Qom, Sadra, 8. Auflage, 1377 nach dem iranischen Kalender

[3] Al-Rum, Vers 30

[4] Kellini, Mohammad bin Yaghoub, al-Kafi, Band 2, S. 13, Teheran, Darol Kotob al-Islamiyah, 4. Auflage, 1407 nach dem Mondkalender


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