Islamisches Zentrum Hamburg
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Nachrichten Code : 188659
Datum der Veröffentlichung : 7/27/2017 10:43:00 AM
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Die Religiöse Lebensweise (9)

Freitagsansprache von 07.04.2017
von Ayatollah Dr. Ramezani Imam und Leiter des Islamischen Zentrums Hamburg e.V

Im Namen Allahs, des Barmherzigen, des Allerbarmers
Aller Lobpreis gebührt Gott, dem Erhabenen, dem Herrn aller Welten. Wir danken Ihm für Seine Gnade und Seine Gaben und bitten Ihn um Hilfe und Rechtleitung in allem, was wir tun, und hoffen, dass Er uns in Seine Gunst aufnimmt. Sein Frieden und Segen sei mit unserem Propheten Muhammad, seinen reinen Nachkommen und seinen rechtschaffenen Gefährten. O Diener Gottes, ich rate mir selbst und Ihnen allen zur Ehrfurcht vor Gott und zum Gehorsam gegenüber Seinen Geboten.

Da der Glaube eine wichtige Rolle in einer religiösen Gesellschaft spielt, muss man, um eine religiöse Lebensweise erlangen zu können, einige Punkte beachten. Wie schon zuvor gesagt, ist die Ansichtsweise eines gläubigen Menschen mit der eines ungläubigen Menschen unterschiedlich, denn der gläubige Mensch hat der Welt und sich gegenüber eine spirituele Ansichtsweise, und sieht es nicht als eine bedeutungslose Erschaffung. Er sieht in der Gottes Kreation einen Sinn und Bedeutung, und dementsprechend sieht er in der Rolle des Glaubens in allen religösen Lebenslagen etwas notwendiges. Denn er vertieft sich in „Glaube, Wissen, Vernunft und Taten“ und bezeichnet sie als ein Garant für die Umsetzung der Schariah und der Gerechtigkeit, und sieht in dem Glauben eine Unterstützung der Moral und Gerechtigkeit. „Morteza Motahari“ schreibt in diesem Zusammenhang: Wenn im Menschen das, was als die Unterstützung der Moral und Gerechtigkeit bezeichnet, erweckt wird, kann er mit Leichtigkeit den Weg der Moral und Gerechtigkeit einschlagen, man distanziert sich von Profitgier und was bleibt, ist der „Glaube“. Welcher Glaube? Der Glaube an Gerechtigkeit und der Glaube an Moral.[1]

Religiöse Lebensweise Grundlage einer religiösen Gesellschaft

Wenn die Mitglieder einer Gesellschaft sich an die Lehren einer religiösen Lebensweise halten, wird zweifllos diese Gesellschaft religiös sein; also strebt eine religiöse Gesellschaft nach einer religiösen Lebensweise, daher stärkt sie im privaten und im gesellschaftlichen Leben ihrer Mitglieder die Lehren und das Handeln nach diesen Lehren, denn Gott sagt im heiligen Koran:

يَا أَيُّهَا الَّذِينَ آمَنُوا آمِنُوا بِاللَّـهِ وَرَسُولِهِ وَالْكِتَابِ الَّذِي نَزَّلَ عَلَىٰ رَسُولِهِ وَالْكِتَابِ الَّذِي أَنزَلَ مِن قَبْلُ ۚ وَمَن يَكْفُرْ بِاللَّـهِ وَمَلَائِكَتِهِ وَكُتُبِهِ وَرُسُلِهِ وَالْيَوْمِ الْآخِرِ فَقَدْ ضَلَّ ضَلَالًا بَعِيدً

O ihr, die ihr gläubig geworden seid, glaubt an Allah und Seinen Gesandten und an das Buch, das Er auf Seinen Gesandten herabgesandt hat, und an die Schrift, die Er zuvor herabsandte. Und wer nicht an Allah und Seine Engel und Seine Bücher und Seine Gesandten und an den Jüngsten Tag glaubt, der ist wahrlich weit irregegangen.[2]

Glaubensstufen in der religiösen Lebensweise

In Anbetracht der wichtigen Rolle des „Glaubens“ in der religiösen Lebensweise und in einer religiösen Gesellschaft, hat der Glaube selbst mehrere Stufen, die in Überlieferungen und Koranversen genannt werden. Diese Stufen beginnen mit Hingabe und Einhaltung der Verpflichtungen und Verbote der Religion, bis hin zu der inneren Unterwerfung und Glauben nach dem Glauben, und beeinflussen die Verhaltensweise und Taten eines Gläubigen. Es gibt viele Überlieferungen und Koranverse, die darauf hinweisen, wie:

قَالَتِ الْأَعْرَابُ آمَنَّا ۖ قُل لَّمْ تُؤْمِنُوا وَلَـٰكِن قُولُوا أَسْلَمْنَا وَلَمَّا يَدْخُلِ الْإِيمَانُ فِي قُلُوبِكُمْ

Die Wüstenaraber sagen: "Wir glauben." Sprich: "lhr glaubt nicht; sagt vielmehr: "Wir haben den Islam angenommen", und der Glaube ist noch nicht in eure Herzen eingedrungen[3]

Und der Vers:

قِيلَ لَهَا ادْخُلِي الصَّرْحَ ۖ فَلَمَّا رَأَتْهُ حَسِبَتْهُ لُجَّةً وَكَشَفَتْ عَن سَاقَيْهَا ۚ قَالَ إِنَّهُ صَرْحٌ مُّمَرَّدٌ مِّن قَوَارِيرَ ۗ قَالَتْ رَبِّ إِنِّي ظَلَمْتُ نَفْسِي وَأَسْلَمْتُ مَعَ سُلَيْمَانَ لِلَّـهِ رَبِّ الْعَالَمِينَ

Sie (die Königin von Saba) sagte: «Mein Herr, ich habe mir selbst Unrecht getan. Und ich ergebe mich, zusammen mit Salomo, Gott, dem Herrn der Welten.»[4]

Weiterhin lesen wir im Vers:

إِنَّ الدِّينَ عِندَ اللَّـهِ الْإِسْلَامُ

Die Religion bei Gott ist der Islam. (und sich der Gerechtigkeit unterwerfen)[5]

Im folgenden Vers lesen wir:

يَا أَيُّهَا الَّذِينَ آمَنُوا اتَّقُوا اللَّـهَ وَآمِنُوا بِرَسُولِهِ يُؤْتِكُمْ كِفْلَيْنِ مِن رَّحْمَتِهِ وَيَجْعَل لَّكُمْ نُورًا تَمْشُونَ بِهِ وَيَغْفِرْ لَكُمْ ۚ وَاللَّـهُ غَفُورٌ رَّحِيمٌ

O ihr, die ihr glaubt, fürchtet Allah und glaubt an Seinen Gesandten! Er wird euch einen doppelten Anteil von Seiner Barmherzigkeit geben und wird euch ein Licht bereiten, worin ihr wandeln werdet, und wird euch vergeben - und Allah ist Allvergebend, Barmherzig.[6]

In vielen Koranversen, die wir genannt haben, wird vom „Glauben nach dem Glauben“ gesprochen. Das bekräftigt, dass man, um die Wahrheit des Glaubens erkennen zu können, erst die Grundpfeiler des Glaubens festigen muss. Dies erkennt man auch in den Worten Imam Baghers, der von seinem Vorfahren, Imam Ali, berichtet: „Imam Ali wurde über den Glauben gefragt; er sagte: Der allmächtige und gütige Gott hat den Glauben auf vier Säulen errichtet: Geduld, Gewissheit, Gerechtigkeit und Djihad.[7] Natürlich haben jeder dieser Säulen vier Teile, die ausführlich erläutert werden müssen.“

Auswirkungen des Islams auf die religiöse Lebensweise des Menschen

Wenn der gläubige Mensch sein Leben auf Glauben basiert, wird es viele unterschiedliche Auswirkungen – sowohl privat, als auch gesellschaftlich – haben, z.B. Heilung von psychischen Krankheiten, innerer Frieden, Gesundheit, Eindämmung der Triebe, Einsicht, Weitblick, Heiterkeit, Würde und Ablehnung von Sünden und Mäßigung. Dies sind einige der Auswirkungen auf das Privatleben. In der Gesellschaft kann man Fälle, wie Einigkeit und Zusammenhalt, Verantwortungsbewusstsein, Popularität und soziale Sicherheit sehen.

Wichtigste Zeichen des Glaubens

Jede Ursache, die die religiöse Lebensweise beeinflusst, hat seine Zeichen. Daher hat auch der Glaube seine Zeichen, wie „Gewissheit und Glaube an Gott (Theismus)“. Prophet Mohammad (gegrüßet sei er) sagt diesbezüglich: „Die höchste Stufe des Glaubens ist, wenn du weißt, dass Gott überall mit die ist“.[8] Ein weiteres Zeichen des Glaubens ist „Liebe zu Gott und seinen Gesandten“, denn der Prophet sagt: „Die wichtigste Errungenschaft des Glaubens ist die Freundschaft mit Gott und Feindschaft auf Gottes Wegen, Freundschaft mit den Gesandten Gottes und Abneigung gegen die Feinde Gottes“.[9] Ein weiteres Zeichen für den Glauben ist „Gedenken Gottes“. Gott sagt im Koran:

يا أَيُّهَا الَّذينَ آمَنُوا اذْكُرُوا اللَّهَ ذِكْراً كَثيراً

O ihr, die ihr glaubt, gedenket Gottes in häufigem Gedenken[10]

Weitere Zeichen des Glaubens sind laut Koran „Gehorsam und Befolgung der Worte des barmherzigen Gottes“

وَمَن يُطِعِ اللَّـهَ وَرَسُولَهُ وَيَخْشَ اللَّـهَ وَيَتَّقْهِ فَأُولَـٰئِكَ هُمُ الْفَائِزُونَ

Diejenigen, die Gott und seinem Gesandten gehorchen, Gott fürchten und sich vor Ihm hüten, das sind die Erfolgreichen.[11]

In vielen Überlieferungen und Koranversen werden Zeichen für die Gläubigen genannt, wie Dankbarkeit Gottes gegenüber, Zufriedenheit mit Gottes Wille, Erfurcht, Hoffnung, Vertrauen, Distanzierung von Hassgefühlen, Neid und Misstrauen, Heiterkeit, Weisheit, Vergebung, Treuhandschaft, Wort halten und ...

Hier nennen wir nur ein paar Überlieferungen über die Zeichen der Gläubiger:

1.  Imam Ali sagt über die Nächstenliebe: „Behandelt die Menschen so, dass, wenn Ihr dahinscheidet, sie um euch trauern, und solange Ihr lebt, sie sich um Euch sorgen.“[12]

2.  Über den Propheten wird über „Freundlichkeit und Heiterkeit“ überliefert: „Unter den Gläubigen ist derjenige reicher an Glauben, der freundlicher ist, und seine Familie mit größerer Liebe behandelt“[13]

3.  Imam Sadegh sagt über Dankbarkeit: „Die Gläubigen sind sowohl in schweren, als auch in guten Tagen dankbar, und sind mit dem, was Gott ihnen gibt, zufrieden.“[14]



[1] Motahari, Morteza, Gesammelte Werke (geistige Freiheit),Band 23, S. 516, Teheran, Qom, Sadra, 8. Auflage,1377, nach dem iranischen Kalender

[2] Al-Nissa, Vers 136

[3] Al-Hujurat, Vers 14

[4] An-Naml, Vers 44

[5] Al-i-Imran, Vers 19

[6] Al-Hadid, Vers 28

[7] Kellini, Mohammad bin Yaqoub, al-Kafi, Band 2, S. 49, Überlieferung 1, Teheran, Darol Kotobe Islamiah, 4. Auflage, 1407 nach dem Mondkalender

[8] Tabarani, Soleiman bin Ahmad, al-Ma´jam al-awsat, Band 8, S. 336, Überlieferung 8796, Kairo, Dar ol-Harameyn, 1415 nach dem Mondkalender; und Payande, Abughassem, Nahj ol-Fasahat, S. 229, Überlieferung 391, Teheran, Donyaye Danesh, 4. Auflage, 1382 nach dem iranischen Kalender

[9] Kelini, Ebenda, S. 126, Überlieferung 6

[10] Al-Ahzab, Vers 41

[11] Al-Nur, Vers 52

[12] Nahdjulbalaghah, Rede 10

[13] Prophet (gegrüßet sei er) sagt: أَحْسَنُ النَّاسِ إِيمَاناً أَحْسَنُهُمْ خُلُقاً وَ أَلْطَفُهُمْ بِأَهْلِهِ وَ أَنَا أَلْطَفُكُمْ بِأَهْلِي, Ibn Babuye, Mohammad bin Ali, Oyun al-Akhbar al-Ridha, Band 2, S. 38, Überlieferung 109, Teheran, Djahan Verlag, 1. Auflage, 1378 nach dem Mondkalender

[14] Kelini, ebenda, S. 47, Überlieferung 1


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