Islamisches Zentrum Hamburg
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Datum der Veröffentlichung : 6/3/2017 4:33:00 PM
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Islamkunde 170 – Islam und moralische Rechte 15

Freitagsansprache von 11.03.2016
von Ayatollah Dr. Ramezani Imam und Leiter des Islamischen Zentrums Hamburg e.V

Im Namen Allahs, des Barmherzigen, des Allerbarmers
Aller Lobpreis gebührt Gott, dem Erhabenen, dem Herrn aller Welten. Wir danken Ihm für Seine Gnade und Seine Gaben und bitten Ihn um Hilfe und Rechtleitung in allem, was wir tun, und hoffen, dass Er uns in Seine Gunst aufnimmt. Sein Frieden und Segen sei mit unserem Propheten Muhammad, seinen reinen Nachkommen und seinen rechtschaffenen Gefährten. O Diener Gottes, ich rate mir selbst und Ihnen allen zur Ehrfurcht vor Gott und zum Gehorsam gegenüber Seinen Geboten.
Einer der Rechte, die Imam Sadjad nennt, ist das Recht auf „Einen gerechten Oberhaupt“. Zunächst muss man wissen, dass eine Gesellschaft einen Oberhaupt braucht, um Chaos zu vermeiden und Ordnung zu schaffen. Dies ist eine Notwendigkeit. In diesem Zusammenhang sagt Imam Ali: „... لَابُدَّ لِلنَّاسِ مِنْ أَمِیرٍ بَرٍّ أَوْ فَاجِرٍ.... Die Menschen brauchen einen Oberhaupt, egal ob gerecht oder ungerecht, damit die Gläubigen im Schutz der Regierung ihrer Arbeit nachgehen können, und die Ungläubigen ihrer Arbeit, und die Menschen im Schatten der Regierung leben können und durch die Regierung, Volkseigentum gesammelt, und damit der Feind bekämpft wird. Durch die Regierung werden die Straßen sicher und das Recht der Schwachen wird von den Unterdrückern gefordert. Die Wohltäter leben in Wohlstand und sicher vor Bösewichten.[1] Wenn nun eine Regierung gebildet wird, und der Oberhaupt gerecht ist, wird er versuchen, das Recht der Menschen einzuhalten. In so einer Situation hat der Oberhaupt auch Rechte, die erkannt und eingehalten werden müssen. Dieses Recht ist natürlich ein wechselwirkendes Recht. Das heißt, dass auch die Menschen gegenüber dem Oberhaupt Rechte besitzen. Imam Ali weist am Ende seiner 34. Predigt in der Nahjolbalaqe auf diese Rechte hin, und sagt: Ihr Menschen, ich habe ein Recht über euch, und ihr habt ein Recht über mich: Was euer Recht über mich angeht, so (besteht es darin), dass ich euch Ratschläge gebe und euch euren Anteil am Gewinn voll auszahle, sowie euch lehre, auf dass ihr nicht unwissend seid und euch gutes Verhalten beibringe, auf dass ihr danach handelt. Was mein Recht über euch betrifft, so (besteht es darin, dass) ihr euren Treueid haltet, Aufrichtigkeit in (meiner) An- und Abwesenheit (zeigt), dass ihr antwortet, wenn ich euch rufe, und mir gehorsam seid, wenn ich euch befehle.[2]

Voraussetzungen eines islamischen Oberhaupts

Zu den wichtigen Eigenschaften eines islamischen Oberhauptes ist, dass er Wissen und Kenntnis bezüglich Regieren hat. Das Führen einer Gesellschaft und die Herstellung der Rechte der Bürger, hat seine Grundlagen, die ein Oberhaupt wissen muss. Es muss wissen, was die Gesellschaft aufrecht hält und sie unterstützt. Es muss eine religiöse Gemeinschaft aus kultureller, politischer und wirtschaftlicher Hinsicht leiten können. Das Regieren eines Landes heißt, wie man eine Gesellschaft zum Aufblühen und Fortschritt leiten kann, und es rechtleitet. Einer der wichtigen Themen diesbezüglich ist, dass ein Teil seines Regierungsplans auf die Stimmen der Bevölkerung basiert. Auch der Spruch, dass die Religion und die Politik voneinander getrennt sind, muss ernsthaft debattiert werden. Denn, wenn die Religion herabgesandt wurde, um die Menschen rechtzuleiten und einen Plan für ihre Bedürfnisse vorlegt, so ist sie auch in der Lage, einen Plan nach seiner Würde vorzulegen. Hinzu kommt noch, dass die individuellen und gesellschaftlichen Aspekte des Menschen nicht vollständig voneinander getrennt sind. Sie stehen in einer Wechselwirkung zueinander. Als der geehrte Prophet (gegrüßet sei er) in Madina ankam, setzte er die Grundlagen für eine Regierung auf. Nach den Grundlehren, die in Mekka entstanden, hat er dann eine Regierung, basierend auf die göttlichen Lehren, gebildet. Inhaltlich bedeutete diese Regierung die Wahrung der Würde der Menschen in jeder Hinsicht. Daher besaßen alle Bürger Rechte, und die Gerechtigkeit wurde im wahrsten Sinne des Wortes, unter ihnen hergestellt.

Einer der Eigenschaften eines islamischen Oberhauptes ist also sein Gerechtigkeitssinn; denn er muss in der islamsichen Gesellschaft die Gerechtigkeit aufrecht erhalten. Eine Gerechtigkeit, über deren Inhalt gesagt wird: „Die Gerechtigkeit wird alles zurechtweisen“[3]

Dafür ist es notwendig, dass der Oberhaupt selbst gerecht ist, was eigentlich das Ziel aller Propheten ist: „Wir haben unsere Gesandten mit den deutlichen Zeichen gesandt und mit ihnen das Buch und die Waage herabkommen lassen, damit die Menschen für die Gerechtigkeit eintreten“[4]

Und das ist der gerechte Oberhaupt, der die Menschen vor der Vernichtung rettet. Imam Ali sagt diesbezüglich: „Es ist die Aufgabe der gerechten Oberhäupter, die rechtschaffenen Menschen zu retten. Genauso wie die Vernichtung des verworfenen Volkes das Ergebnis der ungerechten Oberhäupter ist.“[5]

Aus der Sicht des Korans war der Prophet Gottes, Joseph, es aus jeder Hinsicht würdig, die Leitung des Volkes zu übernehmen, denn er war sowohl treuhänder, als auch wissend, in den Bereichen Wirtschaft und Finanzen, daher hat auch Joseph gesagt: „(Der Prophet Joseph sagte): Setze mich über die Vorratskammern des Landes ein. Ich bin ein (guter) Hüter und weiß Bescheid.“[6]

Nachdem er diese wichtige Aufgabe übernommen hatte, hat er Ägypten aus den Dürrejahren und Wirtschaftskrise gerettet. Die Wirtschaftsmacht dieses Landes war so enorm, dass es in der Lage war, die Nachbarländer, die auch eine Trocken- und Dürreperiode durchmachten, zu helfen.

Imam Sadjad weist bezüglich der Rechte des Oberhauptes auf so einen Oberhaupt hin, der die Rechte der Menschen einhält, und versucht, Gerechtigkeit walten zu lassen. Daher weist er auf einer Reihe von Rechten hin, deren Befolgung die Gesellschaft mit Gerechtigkeit und Frieden und Sicherheit beschert.

 



[1] Nahjolbalaqa, 40. Predigt

[2] Ebenda, 34. Predigt

[3] Ebenda, Weisheit 437

[4] Al-Hadid, Vers 25

[5] Mofid, Mohammad bin Mohammad, al-Irshad, Band 1, S. 260

[6] Yusuf, Vers 55


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