Islamisches Zentrum Hamburg
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Nachrichten Code : 187662
Datum der Veröffentlichung : 6/3/2017 4:34:39 PM
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Islamkunde 166 – Islam und moralische Rechte 11

 
von Ayatollah Dr. Ramezani Imam und Leiter des Islamischen Zentrums Hamburg e.V

Aus der Sicht des Korans ist die Dienerschaft Gottes als Ziel der Schöpfung des Menschen bezeichnet worden. Mit anderen Worten verkörpert der Mensch erst als Diener Gottes seine vollkommenen Eigenschaften, wie Wissen und Weisheit. Die Voraussetzung dafür ist, dass er mit Gebet und Erkenntnis diesen Weg beschreitet, und jede Tat für die Dienerschaft Gottes getätigt wird. Gott ruft im Koran den Menschen auf und sagt:

أَيُّهَا النَّاسُ اعْبُدُوا رَبَّكُمُ الَّذِي خَلَقَكُمْ وَالَّذِينَ مِن قَبْلِكُمْ لَعَلَّكُمْ تَتَّقُونَ

O ihr Menschen, dienet eurem Herrn, der euch und die, die vor euch lebten, erschuf, auf dass ihr gottesfürchtig werdet[1]

Und:

وَمَا خَلَقْتُ الْجِنَّ وَالْإِنسَ إِلَّا لِيَعْبُدُونِ

Und Ich habe die Djinn und die Menschen nur dazu erschaffen, dass sie Mir dienen[2] (und dadurch vollkommen werden und sich mich nähern)

Die Kombination der materiellen und spirituellen Dimensionen des Menschen, von denen ein jeder seine eigene Dimension hat, können den Menschen zur Krone der Schöpfung machen, ihm eine besondere Stellung gewähren und ihm zum Vertreter Gottes auf Erden machen. Diese Stellung ist aber nur durch die Dienerschaft zu Gott möglich.

Gebet

Da das Erkenntnis über die Stellung der Gebete für deren Abrichtung enorm wichtig ist, weist auch Imam Sadjad – der auch Zeynolabedin oder seyed al-Sadjedin genannt wird – auf die Gebetsrituale hin, und beginnt mit dem Tagesgebet, denn der Tagesgebet (Namaz) ist das größte und umfangreichste aller Gebete, und steht – den Überlieferungen und Koranversen zufolge – an der Spitze aller Gebete. Aus diesem Grund schenken alle himmlischen Prophete dem Tagesgebet eine besondere Bedeutung, um Gottesnähe zu erlangen. Als Beispiel kann man Prophet Moses nennen, der, als er das Wort Gottes hört, zu dieser großen Aufgabe aufgerufen wird:

وَأَنَا اخْتَرْتُكَ فَاسْتَمِعْ لِمَا يُوحَىٰ  إِنَّنِي *أَنَا اللَّـهُ لَا إِلَـٰهَ إِلَّا أَنَا فَاعْبُدْنِي وَأَقِمِ الصَّلَاةَ لِذِكْرِي

Ja, Ich habe dich erwählt. So höre auf das, was offenbart wird. * Siehe, Ich bin Gott. Es gibt keinen Gott außer Mir. So diene Mir und verrichte das Gebet zu meinem Gedächtnis.[3]

Tagesgebet ist das Gedenken Gottes, und nur seines Gedenken bringt dem Menschen Ruhe:

أَلَا بِذِكْرِ اللَّـهِ تَطْمَئِنُّ الْقُلُوبُ

ja, im Gedenken Gottes finden die Herzen Ruhe[4]

Einer der Wege, wodurch der Mensch zur Wachsamkeit des Herzens beim Gebet findet, ist der Weitblick. Er muss wissen, dass das irdische Leben im Vergleich zum Jenseit sehr klein ist, und dass er sich nicht dem vergänglichen irdischen Leben hingeben muss, denn das Jenseit ist das ewige Leben. Gott sagt in diesem Zusammenhang im Koran:

وَإِنَّ الدَّارَ الْآخِرَةَ لَهِيَ الْحَيَوَانُ ۚ لَوْ كَانُوا يَعْلَمُونَ

Die jenseitige Wohnstätte ist wahrlich das (eigentliche) Leben, wenn sie es nur wüssten![5]

Und an einer anderen Stelle:

وَالْآخِرَةُ خَيْرٌ وَأَبْقَىٰ

Wo doch das Jenseits besser ist und eher Bestand hat.[6]

Nach der Präsenz des Herzens kommt die Verneigung, das heißt, dass die Gedanken und das Gedächtnis sich auf das Verstehen der Bedeutungen, das gesagt wird, konzentrieren. Diese Konzentration führt dazu, dass der Mensch das irdische Leben vergisst und versucht, vor Gott sich zusammenzureißen. Verneigung ist die Form, die von Erkenntnis herrührt. Kenntnis über die Größe und Güte Gottes führt dazu, dass man erkennt, wie klein und unbedeutsam man ist, und das bewirkt, dass der Geist sich verneigt. Und auch die Kenntnis über die Güte Gottes führt dazu, dass man in den barmherzigen Gott Hoffnung findet. Eine Kombination dieser Situationen bewirken dann den Scham. Ein Mensch, der diese Stufe erreicht hat, wird beim verrichten des Tagesgebetes auf die eigenen Mängel und Fehler aufmerksam und schämt sich vor Gott. Außerdem spürt er Ohnmacht, Ohnmacht, weil er es nicht geschafft hat, oder schaffen wird, den Güten Gottes gerecht zu werden. Die Wichtigkeit dieser göttlichen Verordnungen sind so enorm, dass „Shahide Awal“ (Erster Märtyrer, Muhammad Jamaluddin al-Makki al-Amili) in zwei Büchern über tausend Fakten über die Obligatoren des Tagesgebetes, und über dreitausend Fakten über die erwünschten Taten beim Tagesgebet zusammenbringt.

Imam Sadjad weist in seiner ersten Gebetsritualrecht au das Tagesgebet und sagt:

فَأَمَّا حَقُّ الصَّلَاةِ فَأَنْ تَعْلَمَ أَنَّهَا وِفَادَةٌ إِلَى اللَّهِ وَ أَنَّكَ قَائِمٌ بِهَا بَيْنَ يَدَيِ اللَّهِ فَإِذَا عَلِمْتَ ذَلِكَ كُنْتَ خَلِيقاً أَنْ تَقُومَ فِيهَا مَقَامَ الذَّلِيلِ الرَّاغِبِ الرَّاهِبِ الْخَائِفِ الرَّاجِي الْمِسْكِينِ الْمُتَضَرِّعِ الْمُعَظِّمِ مَنْ قَامَ بَيْنَ يَدَيْهِ بِالسُّكُونِ وَ الْإِطْرَاقِ‏ وَ خُشُوعِ الْأَطْرَافِ وَ لِينِ الْجَنَاحِ وَ حُسْنِ الْمُنَاجَاةِ لَهُ فِي نَفْسِهِ وَ الطَّلَبِ إِلَيْهِ فِي فَكَاكِ رَقَبَتِكَ الَّتِي أَحَاطَتْ بِهِ خَطِيئَتُكَ وَ اسْتَهْلَكَتْهَا ذُنُوبُكَ وَ لا قُوَّةَ إِلَّا بِاللَّهِ

Die Aufgabe beim Tagesgebet ist, dass dir klar sein muss, dass das Tagesgebet eine Hinwendung zu Gott ist, und du beim Verrichten des Gebetes vor Gott stehst. Wenn dir dies klar ist, wirst du dich würdig sehen, dass du wie ein kleiner, unbedeutender, eifriger, erfürchtiger, hoffnungsvoller, bedürftiger und bittstellender Diener vor ihm stehst, der in Ehrfucht und Ruhe ihn huldigst, mit ihm aus deinem tiefsten inneren sprichst, und ihn bittest, dich von den Fehlern, die du begangen hast, und den Süden, die dich vernichten können, rettet. Keine Macht gibt es außer Gott.[7]

Wenn der Mensch die Tatsachen des Tagesgebets, die Imam Sadjad nennt, erkennt, und versucht sie einzuhalten, wird er auch mit der Zeit, deren weltlichen, jenseitigen, individuellen, sozialen körperlichen und seelischen Wirkungen spüren. Es ist beachtlich, dass die Einhaltung der Gebetsfakten, so viele Auswirkungen haben kann. Die individuellen Auswirkungen des Tagesgebetes sind unter anderem: Das Gefühl vor Gott zu stehen, Ruhe, Distanzierung von Egoismus und Stolz, und Unterwürfigkeit vor Gott. Das Tagesgebet ist die Vollkommenheit und der Aufstieg des Gläubigen. Einerseits zerstört es den Egoismus im Menschen, und belebt die Suche und Liebe zum Gott. Zu den sozialen Auswirkungen des Gebetes kann man das Verantwortungsbewusstsein gegenüber andere nennen. Aus diesem Grund betont der Islam das Gemeinschafts- und Freitagsgebet, damit die Gläubigen sich jeden Tag und jede Woche treffen, die Probleme der anderen kennen und versuchen, sie zu lösen.

Was wichtig ist, ist, dass die Gläubigen versuchen müssen, sich an diese göttlichen Verordnungen zu halten. In sich die Unterwürfigkeit zu beleben und dann deren Auswirkungen zu erleben, und sich bemühen, um so eine Stellung zu erlangen. Weiterhin müssen sie die Philosophie der Gebetsrituale und die Geheimisse des Tagesgebets lernen, und dann diese – weit entfernt von äußerlichen Verlockungen – an einem geeigneten Ort, unter der Einhaltung der Gebetsempfehlungen, das Tagesgebet richtig zu verrichten.

Schlusswort

Abschließend bringen wir noch ein Wort des geehrten Propheten (gegrüßet sei er) über die Auswirkungen des Tagesgebets bezüglich der Rinigung des Menschen und Vergebung seiner Sünden:

عَنْ أَبِي بَصِيرٍ عَنْ أَبِي جَعْفَرٍ علیه السلام قَالَ قَالَ رَسُولُ اللَّهِ (ص)‏: لَوْ كَانَ عَلَى بَابِ دَارِ أَحَدِكُمْ نَهَرٌ فَاغْتَسَلَ فِي كُلِّ يَوْمٍ مِنْهُ خَمْسَ مَرَّاتٍ أَ كَانَ يَبْقَى فِي جَسَدِهِ مِنَ الدَّرَنِ شَيْ‏ءٌ قُلْنَا لَا قَالَ فَإِنَّ مَثَلَ الصَّلَاةِ كَمَثَلِ النَّهَرِ الْجَارِي كُلَّمَا صَلَّى صَلَاةً كَفَّرَتْ مَا بَيْنَهُمَا مِنَ الذُّنُوبِ

Abu Basir erzählt von Imam Bagher, der über seinen Ahnen, den Propheten folgendes überliefert: Wenn für einen aus eurem Haus ein Fluss fließen würde, und er sich fünf Mal am Tag darin waschen würde, würde noch Schmutz an ihm hängen? Da sagte ich nein, er sagte: Das Tagesgebet ist wie dieser Fluss, jedesmal, wenn du betest, werden die Sünden, die zu zwischen dem vorherigen und diesem Gebet begangen hat, weggewaschen.[8]



[1] Al-Baqara, Vers 21

[2] Al-Dhariat, Vers 56

[3] Taha, Vers 13 & 14

[4] Al-Ra´d, Vers 28

[5] Ankabut, Vers 64

[6] Al-A´la, Vers 17

[7] Ibn Sho´ba Harani, Hassan bin Ali, Tohf al-Oghul, S. 258, Qom, Djameeh Modarresin, 2. Auflage, 1363 nach dem Mondkalender

[8] Toussi, Mohammad bin Hassan, Tahzib al-Ahkam, Band 2, S. 237, Überlieferung 938, Teheran, Darol Kotob al-Eslamiah, 4. Auflage, 1407 nach dem Mondkalender


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