Islamisches Zentrum Hamburg
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Nachrichten Code : 187328
Datum der Veröffentlichung : 11/29/2015 6:44:00 PM
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Islamkunde 153 – Islam und Menschenrechte 29


von Ayatollah Dr. Ramezani Imam und Leiter des Islamischen Zentrums Hamburg e.V.

Im Namen Allahs, des Barmherzigen, des Allerbarmers

Aller Lobpreis gebührt Gott, dem Erhabenen, dem Herrn aller Welten. Wir danken Ihm für Seine Gnade und Seine Gaben und bitten Ihn um Hilfe und Rechtleitung in allem, was wir tun, und hoffen, dass Er uns in Seine Gunst aufnimmt. Sein Frieden und Segen sei mit unserem Propheten Muhammad, seinen reinen Nachkommen und seinen rechtschaffenen Gefährten. O Diener Gottes, ich rate mir selbst und Ihnen allen zur Ehrfurcht vor Gott und zum Gehorsam gegenüber Seinen Geboten.

Nachdem wir nun die Grundlagen der Menschenrechte angesprochen, und die wichtigsten Punkte erörtert haben, ist es nun angebracht, wenn wir die Menschenrechtserklärung unter die Lupe nehmen und auf einige Schwachpunkte hinweisen.

Die Menschenrechtserklärung wurde am 10. Dezember 1948 auf der UN-Generalversammlung mehrheitlich gebilligt. Obwohl niemand dagegen gestimmt hatte, enthielten sich einige Staaten, wie Russland, der Stimme. Dieser Erklärung besteht aus einer Einleitung und 30 Artikel. In der Einleitung steht, dass bei der Zielsetzung die Territorien, Inhalt und Allgegenwätigkeit in Betracht gezogen wurden.

In Artikel 1 wird auf die philosophische Grundlage des Rechts auf Freiheit und Gleichheit aller Menschen, und auf die Ethik und Moralität hingewiesen. Artikel 2 besagt, dass alle Menschen die gleichen Rechte besitzen und unter ihnen keine Unterschiede gemacht werden dürfen. Dabei wurden jeglich Unterschiede beim Geschlecht, bei der Rasse, Sprache und Religion verboten. Artikel 3 bis 21 befassen sich mehr oder weniger umfassend mit den sozialen und politischen Rechte der Menschen, Wie: Recht auf Leben, Freiheit, Folterverbot und menschenunwürdiges Verhalten, eigenwillige Beschlagnahmung, Verhaftung und Verbannung, Recht auf eine gerechte Gerichtsverhandlung, Recht auf Privatsphäre, Eigentumsrecht, Meinungsfreiheit, Religion und freie Religionswahl, Versammlungsfreiheit und Teilnahme an Versammlungen, Recht auf eine Staatsangehörigkeit, Verbot von eigenwilligen Entzug von Staatsangehörigkeit, Recht auf Familiengründung, Recht auf Teilnahme an der Leitung des Staatsapparates, und dass der Ursprung der Macht der Regierung der Wille der Menschen ist.

Artikel 22 bis 27 sprechen über die wirtschaftlichen und sozialen Rechte, wie: Recht auf soziale Sicherheit, Recht auf Sozialversicherung, Recht auf Arbeit, Recht auf Unterstützung bei Arbeitslosigkeit, Recht auf Erholung, Entspannung, eingegrenzte Arbeitszeiten, geregelter Urlaub, angemessene Lebensweise, Bildung, und ...

Hier wurde versucht, alle Rechte, die die Menschen besitzen sollten, aufzuzählen, und eine Bindung für die Staaten zu schaffen.

In den letzten Artikeln werden die Einschränkungen dieser Rechte genannt, und betont, dass die Rechte und Freiheiten nicht uneingeschränkt sind, daher wird den Staaten erlaubt, Gesetze zur Einschränkung dieser Rechte zu erlassen, unter der Voraussetzung, dass der Geist aller Gesetze, Respektierung der Rechte und Freiheiten anderer und auch die Einhaltung der ethischen Aspekte und allgemeine Ordnung und Wohlstand eingehalten werden. Eine weitere Einschränkung dieser Gesetze sind die Verordnungen der Vereinten Nationen. Gemäß Absatz 3 des Artikels 29 dürfen diese Rechte und Freiheiten unter keinen Umständen den Zielen und Grundsätzen der Vereinten Nationen widersprechen. Erneut muss darauf hingewiesen werden, dass der genehmigte Inhalt rechtlich für die Staaten nicht bindend ist, und nur eine Erklärung darstellt.

Nun müssen wir uns der Frage stellen, welche Mängel diese Erklärung hat, obwohl sie auf einige wichtigen Rechte der Menschen hinweist, und in manchen Fällen sie sogar ausführlich bearbeitet. Dabei können folgende Mängel beobachtet werden:

1.   Diese Erklärung besitzt keine Ordnung und keine logische Reihenfolge. Es werden verbreitet auf die Menschenrechte hingewiesen, ohne sie zu klassifizieren; wie eine Einteilung in geistige und materielle, individuelle und Soziale Rechte, und bei den sozialen Rechten in politische, kulturelle und ähnliche Recht. Außerdem wurde aus ontologischer, epistemologischer und erkenntniswertlicher Sicht keinen Unterschied zwischen den Rechten der Menschen bestimmt.

2.   In dieser Erklärung wurde die Verbindung zwischen Gott, Welt und dem Menschen in Form einer Pyramide, an deren Spitze Gott steht, unbeachtet gelassen. Obwohl die Begriffe Religion und Glauben erwähnt wurden, wurde nicht auf die Stellung der Religion und an deren Spitze Gott hingewiesen, und deren Rolle bei der Rechtleitung der Menschheit weggelassen. Weiterhin wurde nicht auf die moralischen Rechte zwischen den Menschen hingewiesen – obwohl, besonders in der heutigen Zeit, Religion und Moral einer der unübersehbaren Notwendigkeiten sind. Daher müssen dieser Erklärung einige Ergänzungen hinzugefügt werden, damit diese wichtigen Mängel behoben werden.

Die weltliche und religionsverfremdende Dimension dieser Erklärung ist deutlich zu sehen. Dies ist genau die herabwertende Sichtweise gegenüber dem Glauben, die auch destruktive Folgen haben wird. Denn ohne eine praktische Bindung zum Glauben und Moral, die die Grundlagen und Grundstruktur aller Menschenrechte sind, wird die Menschheit seine Ideale zur Verwirklichung der Menschenrechte nicht erreichen, und Tag für Tag werden immer mehr Ungerechtigkeiten und Unterdrückungen und viele weitere kulturelle, politische und soziale Entgleisungen auftauchen. Zur Änderung der Ansichten und innere geistige Entwicklungen für ein friedliches Zusammenleben gibt es keinen anderen Ausweg, als dass die Menschheit zur Religion und Moralität zurückfindet. Von hier aus wird die Wichtigkeit der Botschaft der Gesandten Gottes zur Weiterentwicklung der menschlichen Morale und Werte seinen Weg in jedem einzelnen Artikeln der Menschenrechtserklärung finden. Aus diesem Grund sagt auch der Prophet des Islams „gegrüßet sei er“:

انما بعثت لاتمم مکارم الاخلاق

Ich bin gesandt worden, um die moralischen Werte, wonach die vorherigen Propheten strebten, und vervollständigen.

Unter solchen Umständen kann die Menschheit Frieden und Feundschaft und Sicherheit, Gerechtigkeit und Spiritualität erlangen.

 

 





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