Islamisches Zentrum Hamburg
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Nachrichten Code : 187327
Datum der Veröffentlichung : 1/22/2017 5:42:00 PM
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Islamkunde 152 – Islam und Menschenrechte 28


von Ayatollah Dr. Ramezani Imam und Leiter des Islamischen Zentrums Hamburg e.V.

Im Namen Allahs, des Barmherzigen, des Allerbarmers

Aller Lobpreis gebührt Gott, dem Erhabenen, dem Herrn aller Welten. Wir danken Ihm für Seine Gnade und Seine Gaben und bitten Ihn um Hilfe und Rechtleitung in allem, was wir tun, und hoffen, dass Er uns in Seine Gunst aufnimmt. Sein Frieden und Segen sei mit unserem Propheten Muhammad, seinen reinen Nachkommen und seinen rechtschaffenen Gefährten. O Diener Gottes, ich rate mir selbst und Ihnen allen zur Ehrfurcht vor Gott und zum Gehorsam gegenüber Seinen Geboten

Nach den Einführungen zum Thema Menschenrechte und die Erörtung einiger wichtiger Punkte, die am 10. Dezember 1948 von der UN-Generalversammlung gebilligt wurden, ist nun Zeit, diese Menschenrechtserklärung auch einer allgemeinen Analyse aus religiöser Sicht zu unterziehen. Über diese Erklärung wurden schon mehrere Kritiken und Beurteilungen veröffentlicht. Manche sind der Ansicht, dass diese Erklärung das umfangreichste und vollständigste Dokument ist, was je über die Menschenrechte verfasst wurde. Klar ist, dass diese Ansichtsweise übertrieben ist, denn die Mängel dieses Dokumentes in Bezug auf Inhalt, Form, Reihenfolge und Ordnung verhindern eine solche Ansicht. Manche lehnen diese Erklärung grundsätzlich und grundlos kategorisch ab, was wiederum andererseits übertrieben ist, denn diese Erklärung beinhaltet Artikel, die die Rechte und die Würde des Menschen verteidigen und versuchen, Gewalttaten an Menschen, besonders Frauen und Kinder, zu verhindern.

Wir dürfen nicht vergessen, dass der Ruf nach Menschenrechte im Westen, die Folge der sozialen Notwendigkeiten, Revolutionen und Massenbewegungen gegen die Diktaturen waren. Ein Beispiel dafür ist die Menschen- und Völkerrechtserklärung Frankreichs von 1789, die von den Vertretern des französischen Volkes in 17 Artikeln verfasst wurde. In dieser Erklärung wird auf einige Rechte der Menschen hingewiesen. Es steht außer Frage, dass so eine Erklärung aus der Notwendigkeit der damaligen Situation hinaus entsprungen ist. Daher kann diese – und sogar die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte – nicht alle Dimensionen des menschlichen Wesens umfassen. Obwohl die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte in 30 Artikel verfasst wurde, und somit umfangreicher als die von Frankreich ist – entsprang sie auch aus der Not der Lage nach dem Ersten und Zweiten Weltkrieg hinaus.

So gesehen kann man annehmen, dass die Stellungnahmen in diesen Dokumenten zu der menschlichen Lage, keine philosophischen und ideellen Grundlagen besitzen, und somit auch nicht allgemein und Weltumfassend sein können; vielmehr sind sie die Folge sozialer und bis zu einem gewissen Grad hin soziologische Notwendigkeiten. Weiterhin können sie niemals Zeit- und Raumübergreifend wirken. Daher ist nun die Zeit reif, dass sich die Philosophen und Wissenschaftler zusammentun, und gemäß der wahren und umfangreichen Bedürfnisse des Menschen und nach den Überleiferungen und gesundem Menschenverstand, eine auf Logik und Ordnung basierte Regelung der Menschenrechte verfassen. Dafür ist es natürlich notwendig, dass Themen, wie Anthropologie, Erkenntnistheorie und Soziologie genaustens bearbeitet werden, damit diese Erklärung, als ein allumfassendes Exemplar, alle Gesellschaften mit einbeziehen kann. Denn die Menschenrechte sind Grundrechte, die der Mensch, egal welcher Hautfarbe, Rasse, Sprache, Nationalität, geografische Lage, soziale Voraussetzungen und Kapazitäten, vom Gott erhalten hat. Diese Rechte sind weltumspannende Rechte. Diese Rechte sind die natürlichen Rechte aller Mitglieder der Familie, und jeder Mensch – wo immer er auch auf der Welt ist – hat ein Recht darauf, und muss sie nicht erst erwerben. Die Menschenrechte sind ein Geschenk Gottes, und kein Anderer – egal welche Position er hat und welche Macht er besitzt – kann diese Recht jemandem „gütigerweise(!)“ bescheren. Menschenrechte sind immanente Rechte eines jeden Menschen, und sind nicht, wie die Bürgerrechte, auf eine Stadt oder eine Region beschränkt. Daher muss man nach den goldenen Regeln streben, die von allen Völkern und Kulturen angenommen werden. Mit anderen Worten: Sie müssen weltumspannend sein, so dass alle Menschen auf der Welt sie annehmen.

Die Niederschrift solcher weltumspannenden Rechte ist etwas, wonach die Menschheit strebt. Und zu diesem Ziel führenden Veränderungen und Entwicklungen der Gesetze zum Schutz der Rechte der Menschen, ist das natürliche Recht der Menschen. Andernfalls werden die Regelungen, aus geistiger und intellektueller Sicht, nicht die notwendige Entwicklung erleben. Im Laufer der Geschichte versuchten viele, Gesetze zum Schutz der Menschen zu verfasssen; beispielsweise der „Codex Hammurapi“, der vor ca. 4100 Jahren verfasst wurde und aus 285 Artikel besteht. Dieser Kodex beinhaltet recht wissenschaftliche Regelungen bezüglich „Rechte über materielles und geistiges Eigentum“, „Handel“, „Beruf“, „Familie“, soziale Freiheiten“ und „Arbeit“. In der heutigen Zeit erwarte man auch, dass, was verfasst wird, eine Allgemeinheit besitzt, und vollständig und geregelt ist.

Einer der Einwände gegen die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte ist anscheinend das Fehlen einer logischen Anordnung. Es steht außer Frage, dass ein Gesetz, das zur Wahrung der Menschenrechte verfasst wird, erstens auf ein Denksystem über den Mensch und die Welt basieren muss. Zweitens muss die Stellungnahme derjenigen, die diese Gesetze verfassen, bezüglich des Sinns der Erschaffung von dem Menschen und der Welt klar sein. Dieser darf nicht den Menschen als eine vom Gott und der Schöpfung getrenntes Wesen sehen, denn in der Erschaffung des Menschen steckt ein Sinn und Ziel. So muss auch in Betracht gezogen werden, ob die Durchführung dieser Gesetze – im Falle, wenn sie umgesetzt werden und ihren wahren Sinn entfalten – den Menschen seinem spirituellen Ziel näher bringt?

Daher betont der Islam, dass wir zuerst unsere Stellung gegenüber Gott und der Welt klären müssen, damit wir in der Lage sind, eine richtige Sichtweise über den Menschen zu erhalten. Erst dann können wir Menschenrechtsgesetze verfassen.


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