Islamisches Zentrum Hamburg
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Nachrichten Code : 184168
Datum der Veröffentlichung : 11/15/2016 4:58:00 AM
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Presseinformation / Stellungnahme

Presseinformation / Stellungnahme

Hamburg, 10. November 2016


 بسم الله الرحمن الرحیم

Im Namen Gottes, des Allerbarmers, des Barmherzigen

Aus gegebenem Anlass:
Stellungnahme zum Artikel im Hamburger Abendblatt (vom 12.07.16 + 03.11.16), zum Artikel der taz.de (08.11.16) und zum Antrag A-01 der Grünen:

        I.            Die „Blaue Moschee“ ist ein kulturelles und geschichtliches Erbe Hamburgs und Deutschlands. Jährlich lädt sie zu den verschiedensten Anlässen, ob am Tag der offenen Tür am 3. Oktober (Tag der Deutschen Einheit mit ca. 6.000 Besuchern dieses Jahr) oder am Tag der offenen Tür am 8. Mai (anlässlich der Europawoche und zum Muttertag mit ca. 2.000 Besuchern) sowie im Rahmen von unterschiedlichen Dialog- und Festveranstaltungen interessierte Mitbürgerinnen und Mitbürger sowie Touristinnen und Touristen und Besucherinnen und Besucher zum gegenseitigen Gespräch und Kennenlernen ein. Zudem sind das IZH und die Moschee das ganze Jahr über Ziel vieler Schulausflüge und Führungen für Hochschulen, Unternehmen und Organisationen. Seit 2013 steht die Imam-Ali-Moschee nun auch als ein Wahrzeichen Hamburgs unter Denkmalschutz. Sie bereichert nicht nur unsere schöne Stadt, sondern rechtfertigt auch den Ruf Hamburgs als Hauptstadt des interreligiösen und interkulturellen Dialogs. Unter den Muslimen hat dies zu einer besonderen Stellung und Ansehen Hamburgs geführt und für Hunderttausende Touristen und Besucher, die jährlich die Blaue Moschee aufsuchen, die Möglichkeit eröffnet, mitten im Herzen Europas, aus Hamburg, in die Welt der östlichen Architektur, Kunst, Spiritualität und Mystik einzutauchen.

      II.            Die Imam-Ali-Moschee sieht sich als Teil der religiösen Pluralität: ein Teil der Einheit in Vielfalt und die Vielfalt in der Einheit Hamburgs, der sich mit aller Kraft für die Harmonie und ein friedvolles und verantwortungsvolles Miteinander aller Bürgerinnen und Bürger bemüht – dies sogar über die Grenzen Hamburgs hinaus. So sind wir bestrebt, uns im Rahmen unserer Möglichkeiten für das Wohl und die Entwicklung unserer Gesellschaft einzusetzen. Ein Beispiel u. a. ist unsere Beteiligung an dem Projekt „Büchertürme“ zur Leseförderung bei Grundschulkindern, bei der Dr. Reza Ramezani, der Leiter des Zentrums, die Schirmherrschaft dieses wichtigen Projektes vom Ersten Bürgermeister übernommen hat und demnächst an den Erzbischof von Hamburg weitergeben wird.

    III.            Der Standpunkt des IZH zu den verschiedensten Themen war und ist stets eindeutig und klar. Wir sind gegen jegliche Form der Unterdrückung, Ungerechtigkeit, Gewalt, Diskriminierung, Versklavung und Ausbeutung der Menschen, ganz egal wo auf der Welt und von wem dies ausgeübt wird. Wir sind gegen jegliche Form von Anschlägen und gegen das Töten von unschuldigen und wehrlosen Menschen. Der Schutz und die Bewahrung der Würde der Menschen und der Menschheit gehört für uns zu unseren elementaren religiösen Überzeugungen; mag dies nun in Europa sein oder in Irak, Yemen, Bahrain, Gaza oder sonst wo auf der Welt.

    IV.            Gemäß dem heiligen Koran glauben wir daran, dass es keinen Zwang in der Annahme oder Ausübung der Religion gibt.[1] Für uns ist die Meinungsfreiheit das Recht eines jeden Menschen und eine Würdigung seines Stellenwertes. Auch erinnerten wir in der Vergangenheit in öffentlichen Reden daran, dass die Beleidigung und Schmähung der Heiligtümer anderer Menschen zu einer Verletzung und Kränkung ihrer Emotionen und Gefühle führt und grundsätzlich ein menschenunwürdiges Verhalten darstellt. Dies sind unsere Standpunkte, basierend auf unserem Glauben, die wir vor Muslimen und Nichtmuslimen klar und deutlich gesagt haben und sagen werden.

      V.            Alle Veranstaltungen und Aktivitäten des IZH finden ausnahmslos im Rahmen und auf Basis der Gesetze sowie in freiwilliger Kooperation mit der Polizei Hamburg statt. Der Livestream und die Aufzeichnung aller Veranstaltungen, die simultan in die deutsche Sprache übersetzt werden, sind Zeichen unserer Bemühungen für eine maximale Transparenz, die jedermann zugänglich ist. Dazu gehört auch die Archivierung aller Veranstaltungen in unserer Online-Mediathek und auf anderen sozialen Video-Plattformen.

    VI.            Der Auftrag des IZH ist eindeutig in der Vermittlung eines moderaten Islams auf Basis der Vernunft und Spiritualität definiert. Es ist für uns eine Selbstverständlichkeit als Muslime, stets die Hand der Freundschaft und Brüderlichkeit gegenüber allen Religionen und Gläubigen, ob Juden, Christen oder welcher Religion auch immer, auszustrecken. Davon zeugen unsere eigenen Aktivitäten, aber auch unser Mitwirken im interreligiösen Forum Hamburg sowie auf anderen Ebenen.  Aber auch Mitbürgerinnen und Mitbürger, die sich keiner Religion zugehörig fühlen, sind unsere Geschwister in der Schöpfung, denen wir in gleichem Maße Respekt und Achtung entgegenbringen.

  VII.            Die Einhaltung und Wahrung des Grundgesetzes sowie aller anderen Gesetze der BRD stellen eine verbindliche Voraussetzung und Verpflichtung für alle in Deutschland lebende Muslime dar. Darauf haben wir immer wieder hingewiesen und werden dies in Zukunft weiter bekräftigen. Alle Aktivitäten des Islamischen Zentrums Hamburg folgen ausnahmslos dieser Grundhaltung und sind mit den Gesetzen konform.

VIII.            Zum Selbstverständnis der Blauen Moschee gehört, jegliche Form von Extremismus wie Antisemitismus oder Rassismus mit aller Schärfe abzulehnen. Politisch motivierte oder politisch begründete Aktivitäten haben generell keinen Platz in diesem Gotteshaus und gehören nicht zu den Aufgaben und Zielsetzungen des Islamischen Zentrums Hamburg.  

Diese Grundhaltung im Ort des Dialogs und der Begegnung von Menschen verschiedener Herkunft, Kultur und Religion wird seit 55 Jahre lang praktiziert und gelebt. Umso mehr bestürzen die Aktivitäten der Medien und die Anträge der Grünen, nach denen die Blaue Moschee wie auch das Islamische Zentrum Hamburg unwahren Aussagen, haltlosen und unangemessenen Anschuldigungen sowie Unterstellungen ausgesetzt ist. Dieser Umstand stößt bei vielen Bürgerinnen und Bürgern, die sich an uns wenden, sowie bei unseren Freunden und Partnern, mit denen wir schon lange Jahre zusammenarbeiten, auf Unverständnis. Das freundschaftliche und brüderliche Verhältnis mit den Vertretern der Religionen läuft Gefahr, dadurch geschwächt zu werden. Die jüngsten Bestrebungen werfen viele Fragen auf. Welche Art von religiöser Gemeinschaft und Institution schwebt diesen Gruppen vor? Ist es rechtens, wenn Politiker Vertretern einer Religionsgemeinschaft Handlungen vorschreiben? Wenn sie meinen, religiösen Gemeinschaften vorschreiben zu können, was sie „müssen“ und „zu lassen“ haben, ist dies ein alarmierender Zustand, in dem der Geist der freiheitlichen demokratischen Grundordnung gefährdet ist.

Offensichtlich haben die Verfasser jener Artikel sowie Teile der Grünen dem Dialog mit Muslimen wenig Wert beigemessen, denn weder die Moschee noch das Islamische Zentrum Hamburg wurden im Vorfeld aufgesucht, um in Gesprächen der Wahrheit nahezukommen, mögliche Missverständnisse zu umgehen und somit Diffamierungen zu vermeiden. Zum Verständnis hätte beitragen können zu erfahren, dass die Vertreter der islamischen Religion wie die Vertreter der Kirchen und der Synagoge in ihren Predigten für dieselben übergeordneten Werte wie Frieden, Toleranz, Freiheit und Gerechtigkeit eintreten. Es ist eine Frage der menschlichen und religiösen Verpflichtung der Gläubigen, sich für alle Menschen und somit auch für ihre Glaubensbrüder einzusetzen und die Frage nach dem Existenzrecht und die Bewahrung der Würde unterdrückter Völker aufrechtzuerhalten sowie gegen das Sterben von unschuldigen Zivilisten, Frauen und Kindern in Kriegsgebieten im Sinne einer Weltengemeinschaft ihre Stimme zu erheben.

Zusammenhalt mit Muslimen ist ein erklärtes Ziel des Bundessinnenministeriums. Dieser Zusammenhalt kann sich auch darin ausdrücken, das Recht auszuüben, für eine unterdrückte Menschengruppe gemeinsam einzustehen und an einer polizeilich genehmigten Demonstration teilzunehmen. Sofern im Rahmen des Grundrechtes der Versammlungsfreiheit (Art. 8 des deutschen Grundgesetzes, Art. 12 der Europäischen Grundrechtecharta und Art. 11 der Europäischen Menschenrechtskonvention) und Erteilung einer Genehmigung für diese Versammlung dieses Recht ausgeübt wird, ist dies nach unserem Verständnis eine legitime Entscheidung, die jeder selbst zu treffen hat und die ein hohes Gut eines demokratischen Systems darstellt, das es zu schützen gilt. Sofern es hier Einschränkungen für diese Versammlungen gibt, sind diese unbedingt einzuhalten sowie den Anweisungen der Polizei Folge zu leisten, ohne Wenn und Aber.

Ausdrücklich weisen wir in diesem Zusammenhang darauf hin, dass das Islamische Zentrum Hamburg sich weder als Initiator noch als Werbeträger für Demonstrationen politischer Art versteht.

Seit der Beobachtung des IZH seitens des Verfassungsschutzes sind inzwischen schon mehr als zehn Jahre verstrichen. Die Zeugnisse aus diesen Jahren haben trotz aller offenen und verdeckten Ermittlungen und Untersuchungen keine Indizien bereitgehalten, die die aufgeführten Vorwürfe und Belastungen bekräftigen. Ist diese lange Zeit nicht ausreichend genug, um die Haltlosigkeit dieser Behauptungen und um die zu Unrecht dem IZH angelasteten Vorwürfe zu entkräften?

Das Islamische Zentrum Hamburg ist offen für den Dialog mit Institutionen und Parteien, um eine partnerschaftliche Zusammenarbeit zur Lösung von gesellschaftlichen und politischen Herausforderungen unserer Zeit herbeizuführen. Für uns ist Dialog keine Taktik, die dann und wann angewendet wird. Sie ist der Schlüssel zu einer gemeinsamen Zukunft in Sicherheit und Frieden und daher eine religiöse und menschliche Verpflichtung. Wir bekräftigen daher erneut unser Angebot zu konstruktiven Gesprächen und zum Dialog auf Augenhöhe. Wir sind jedoch nicht mehr gewillt, haltlose und faktenlose Unterstellungen und Mutmaßungen hinzunehmen.

Text ist zum honorarfreien Abdruck freigegeben.

Pressekontakt:

Jafar Elsner
Pressesprecher

Tel.: +49 40 229486-35
E-Mail: presse@izhamburg.com


Islamisches Zentrum Hamburg
Schöne Aussicht 36
22085 Hamburg



[1] «لا إِكْراهَ فِي الدِّينِ قَدْ تَبَيَّنَ الرُّشْدُ مِنَ الغی» [2:256


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