Islamisches Zentrum Hamburg
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Nachrichten Code : 183025
Datum der Veröffentlichung : 7/29/2016 4:49:00 PM
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Die Islamkunde 184, der Islam und ethische Rechte 29

Freitagsansprache von 07.07.2016
von Ayatollah Dr. Ramezani Imam und Leiter des Islamischen Zentrums Hamburg e.V.
Im Namen Allahs, des Barmherzigen, des Allerbarmers
Aller Lobpreis gebührt Gott, dem Erhabenen, dem Herrn aller Welten. Wir danken Ihm für Seine Gnade und Seine Gaben und bitten Ihn um Hilfe und Rechtleitung in allem, was wir tun, und hoffen, dass Er uns in Seine Gunst aufnimmt. Sein Frieden und Segen sei mit unserem Propheten Muhammad, seinen reinen Nachkommen und seinen rechtschaffenen Gefährten. O Diener Gottes, ich rate mir selbst und Ihnen allen zur Ehrfurcht vor Gott und zum Gehorsam gegenüber Seinen Geboten.

Bei genauer Nachsicht erkennt man, dass die islamischen Rechts- und Moralgesetze bis ins kleinste Detail ausgearbeitet wurden und daher zu jeder Angelegenheit, die notwendige Antwort  besitzen. Dies macht sich insofern bemerkbar, dass sich dadurch die mitmenschlichen Verbindungen zueinander stärken und auf die Umgebung einwirken können. Diese Genauigkeit des Islams hebt sich in diesem Bereich so weit aus, sodass sowohl individuelle (wie zum Beispiel gesunden Körper und Seele), als auch kollektive Vorsätze (wie Frieden und Ruhe in der Welt) einfacher erarbeitet werden können. Denn in den heiligen Versen des Korans, gibt es zu allen Lebensbereichen einen bestimmten Hinweis und Ratschlag. Wenn wir uns in der heutigen Zeit dazu bemühen würden diese zu beachten, könnten wir mehr Freude und Glück in der Welt sehen und einbringen. Deswegen wird uns bei einem allgemeinen Einblick in die moralischen und sozialen Vorschriften klar, dass der Islam eine  soziale und kollektive Religion ist. Daher ist in den Gesetzen und Vorschriften, die für eine Zusammenhalt der Community agieren, nichts unterlassen worden, denn selbst in den Bittgebeten (wie zum Beispiel im Mafatih al-Jinan) ist dieser kollektive Blick zu finden: Wie zum Beispiel das Bittgebet für die Genesung aller Kranken, das Bittgebet für die Stärkung der Hilflosen und auch das Bittgebet für das Beseitigen der Armut aller Bedürftigen! Außerdem auch die Gesundheitsratschläge für Körper und Seele, die eine große und positive Auswirkung auf unsere Gesellschaft haben können, wenn man diese berücksichtigen würde. Allerdings ist zu vermerken, dass diese ganzen Fakten uns dazu belehren, dass der Islam, sowohl im Diesseits als auch im Jenseits, eine Religion der Glückseligkeit ist. Des Weiteren stellt er auch die Richtlinien und Fähigkeiten für ein besseres Leben zur Verfügung. Aus diesem Grund muss man daher auch achten, dass der Islam immerwährend einwandfrei, detailliert und ausführlich definiert wird, sodass dadurch unaufgeklärte Fragen, klar und deutlich beantwortet werden können.

Das Recht des Nachbarn

Imam Sajjad (Friede sei auf ihn) beschreibt hier das Recht des Nachbarn, der aus jeder Gesellschaftsschicht stammen könnte. Hierbei ist interessant zu sehen, dass Imam Sajjad (Friede sei auf ihn) zur damaligen Zeit, dieses Gesetz in einer sehr genauen Form wiedergibt: „Und nun das Recht des Nachbarn, wo du in seiner Abwesenheit als Hüter agieren sollst. Und in seiner Anwesenheit stets gütig und in jeder Lebenslage sein Helfer und seine Stütze sein sollst. Versuche niemals seine Geheimnisse aufzudecken, oder seine Fehler zu ergründen. Falls du jedoch unabsichtlich diese entdeckt hast, verteidige und hüte ihn wie ein „Fels in der Brandung“, damit seine Fehler nicht auffindbar sind. Hör nicht seinen Gesprächen zu (wenn die Hauswände zu dünn sind und man dadurch zuhören kann), wenn er nicht weiß, dass du zuhörst und füge ihm keine Erschwernisse zu. Zeige keinen Neid, wenn du siehst, dass er von vielen Segen bereichert wird. Verzeih ihm seine Fehltritte und verhalt dich ihm gegenüber gutmütig und ruhig und schimpfe ihn nicht aus. Halte ihn bei falscher oder täuschender Beratung von dritten Personen auf und versuche mit ihm stets respektvoll umzugehen.“[i] Im heiligen Koran wird ebenfalls, das Recht des Nachbarn erwähnt, wie in diesem Beispiel: „Und bete nur Gott an! Und stelle ihm niemanden gleich! Und sei zu deinen Eltern stets wohlwollend und leiste Ihnen nur Gutes! Genauso auch zu deiner Familie, den Weisen und den Armen, und auch zu den nahliegenden und weitliegenden Nachbarn, und den Freunden und Gefährten, den Zurückgebliebenen auf Reisen, und den Sklaven die euch gehören; denn Gott findet keinen Gefallen an diejenigen, die hochmütig und arrogant sind (und die Rechte der Mitmenschen nicht einhalten und verstoßen).“[ii]  

Es ist sehr schön zu sehen, dass der heilige Koran sich sowohl auf die nah gelegenen, als auch auf die entfernteren Nachbarn anlehnt. In keiner anderen Religion oder Kultur ist diese Genauigkeit und Respektierung in moralischen und gesetzlichen Bereich der Gesellschaft aufzufinden.  Wenn man sich an diese Regelungen hält und sich als Gemeinschaft darum bemüht diese einzuhalten, wird die Sicherheit und Souveränität darin auf dem höchsten Niveau sein und sich in allen Gesellschaftszweigen herausspiegeln. Zusammenfassend erkennt man hier bei den Überlieferungen, dass das Recht des Nachbarn sehr ausgedehnt und ausgiebig ist. Dies zeichnet sich natürlich in unterschiedlicher Art und Weise aus, wie zum Beispiel vom Geldausleihen bis hin zum behilflich sein ihm gegenüber, ihm bestimmtes Besitz zu spenden, ihn einzuladen oder ihn zu besuchen, bei seinen Fortschritten Freude und bei Sünden Bedrücktheit zu zeigen, auf die Umweltachtung ihn miteinzubringen und viele weitere Beispiele, die wir uns vielleicht nicht ins Gedächtnis rufen können. Der Prophet Muhammad (Friede sei auf ihn und seine Familie) beschreibt hierzu auch sehr interessant das Recht des Nachbarn wie folgt: „Derjenige, der seine Tür vor seinem Nachbarn, aufgrund der Angst vor ihm, in Bezug auf sein Besitz und Ansehen, schließt, ist selbst kein gläubiger Nachbar. Dann sagten die Zuhörer zum Prophet (Friede sei auf ihn): Oh Prophet Gottes, was ist das Recht des Nachbarn? Er erwiderte: Das wenigste, was er für ihn tun kann (und als Recht gilt) ist, dass er ihm Geld leiht, wenn dieser ihn dazu bittet. Und wenn er Hilfe braucht und ihm unter die Arme greift und bei nachgefragter Ausleihe, dies ihm zu verleihen. Wenn er eine Spende braucht, ihm zu spenden und wenn er dich eingeladen hat, diese zu erwidern. Und falls er krank wird, ihn zu besuchen und wenn er stirbt, Teilnahme bei seiner Trauerzeremonie erkennen zu lassen. Wenn ihm Gutes erreicht, freudig zu sein und wenn ihm Segen geschenkt wurde, niemals Eifersucht zu zeigen. Auch betrübt zu sein, wenn ihm ein Unglück geschieht. Baue dein Anwesen nicht zu hoch, sodass er sich von dir belästigt fühlt. Nehme nicht beim Hausbau seinen Raum insoweit ein, sodass dass ihm die frische Luft genommen wird. Bei Einkäufe wie Lebensmittel oder Gegenständen, ihm davon was zu schenken oder mitzubringen, wenn man natürlich weiß, dass der Nachbar es nicht besitzt. Und dieses Schenken vor den Augen anderer Nachbarn und seiner Familie zu bewahren und nicht öffentlich zu machen, falls man weiß, dass es sich negativ für ihn auswirkt. Dann sprach der Prophet (Friede sei auf ihn und seine Familie): Hört auf das was ich euch sage! Es halten sich nur diejenigen an dem Recht des Nachbarn, die von Gott gesegnet worden sind. Diese Weisung und Empfehlung Gottes in Bezug auf den Nachbarn war insofern nachdrücklich geschildert, dass ich den Nachbarn als einen Erben empfand.“[iii]

In dieser umfangreichen und genauen Aussage des Propheten (Friede sei auf ihn und seine Familie) bemerkt man, dass man sich generell mehr mit diesem Gesetz auseinandersetzen und besser kennenlernen sollte, sodass man im Endeffekt versucht sich an diesem zu halten. Denn es ist eindeutig, dass die Belästigung eines Nachbarn, gesetzlich Verboten und Haram ist. Hierbei überliefert Imam Sadigh (Friede sei auf ihn): „Derjenige, der seinen Nachbarn belästigt und quält, gilt bei Gott als einen verstoßenen und ausgeschlossenen (auch verfluchten) Mensch.“[iv] Daher sollten die Nachbarn untereinander stets einen guten Umgang pflegen und behilflich zueinander sein.

 

Die Auswahl eines guten Nachbarn

In vielen Überlieferungen erkennt man, dass ein guter Nachbar sehr relevant für den Kauf eines Hauses sein kann, da man für die Auswahl eines Ortsteils, über die dort residierten Nachbarn Nachforschungen anstellen sollte. Genau dies besagte der Prophet Muhammad (Friede sei auf ihn und seine Familie) in folgender Überlieferung: „...“[v]

Der entscheidendste Punkt in diesem Zusammenhang ist, dass wir es veranlassen sollten, jeden einzelnen Menschen in der Gemeinschaft zu behüten und zu schützen, ganz gleich in welcher Gruppenschicht er sich befindet. Dies wird auch allgemein ausdrücklich vom Islam betont, denn ist sehr bedauernswert anzusehen, wie wenig wir uns heutzutage mit den moralischen und gesetzlichen Regelungen auseinandersetzen und trotz diesem Defizit, weiterhin ungerecht und unzuverlässig handeln. Zumal sich so ein negatives Verhalten in einer Gesellschaft, die normalerweise die Akzeptanz anderer Religionen in deren Grundgesetzen innehält, nicht zu vereinbaren ist.



[i] Ibn Shaba Harani, Hassan ibn Ali, Tuhaf al-Ughul, Seite 266, Qom, Jamee Mudaressin, Zweite Auflage, Jahr 1404 (Mondjahr).

[ii] Sura An-Nisa , Vers 36.

[iii] Nuri, Hussain ibn Muhammad Taghi, Mustadrak al-Wasail, Band 8, Seite 427, Hadith 9889, Qom, Muassese Ali al-Bait (Friede sei auf ihnen), Erste Auflage, Jahr 1408 (Mondjahr).

[iv] Karadjaki, Muhammad ibn Ali, Kanz al-Fawaid, Band 1, Seite 150, Qom, Dar al-Zhakhair, Erste Auflage, Jahr 1410 (Mondjahr).

[v] Al-Tabarani, Al-Mujam al-Kabir, Band 4, Seite 269, Erweiterte Version von Abd al-Majid Al-Salafi, Beirut, Dar Ihya al-Turath al-Arabiyy, Zweite Auflage, Jahr 1405 (Mondjahr). Und Nuri, siehe obere Quelle, Band 8, Seite 431, Hadtih 9904.



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