Islamisches Zentrum Hamburg
Delicious facebook RSS An einen Freund senden drucken speichern XML-Ausgabe HTML-Ausgabe Output PDF
Nachrichten Code : 182970
Datum der Veröffentlichung : 7/21/2016 9:46:00 AM
Aufrufe : 2162

Grußwort des Erzbischofs Dr. Stefan Heße

Grußwort des Erzbischofs Dr. Stefan Heße zum Ramadan-Bankett im Islamischen Zentrum Hamburg (12. Juli 2016)

Sehr verehrter Ayatollah Dr. Ramezani,
sehr geehrter Herr Botschafter Majedi,
sehr geehrter Herr Landesrabbiner Bistritzky,
sehr geehrter Herr Prof. Dr. Weiße
geehrte Gäste,

im Moment scheint die Welt aus den Fugen zu geraten.
Jeden Tag gibt es schlimme Nachrichten, die die Menschen in Furcht und Sorge geraten lassen.
Haß, Gewalt, Fanatismus und Intoleranz scheinen sich weltweit auszubreiten.
Gerade Schiiten mußten in den letzten Wochen eine große Zahl von Opfern beklagen, die durch terroristische Gewalt ermordet wurden.

Doch als gläubige Menschen sollten wir uns nicht in die Spirale von Haß und Gewalt hineinziehen lassen. Das ist gerade das Ziel dieser dunklen Mächte.

Was wir für die Welt fordern ist Gerechtigkeit und Barmherzigkeit.

 Gerechtigkeit ist die Antwort auf Haß und Gewalt. In den Hl. Schriften wird uns der Schöpfer als gerecht offenbart. Er möchte, daß wir uns seiner Schöpfung mit Verantwortung und Frieden annehmen. Er will das Leben, nicht die sinnlose, nihilistische Gewalt, die nur zerstört.
Gerechtigkeit ist die Basis für ein friedliches Zusammenleben.

Gerechtigkeit ist verbunden mit Barmherzigkeit. Göttliche Gerechtigkeit ist ohne Barmherzigkeit unvollkommen, denn sie ist  verbunden mit der Liebe zu seinen Geschöpfen. Der Schöpfer ist gerecht und verzeihend.

Wir Christen glauben, daß uns Jesus Christus durch sein Leben und Sterben den Maßstab für unser Handeln gezeigt hat. Papst Franziskus hat daher das Jahr der Barmherzigkeit verkündet, daß gerade heute notwendiger ist denn je, weil es ein deutliches NEIN gegen Haß und Gewalt setzt.

Wer die Heiligen Schriften nur an der Oberfläche betrachtet, ohne Gelehrsamkeit und Frömmigkeit, kann zu Interpretationen kommen, die nicht die spirituelle Tiefe der Hl. Schriften erfassen.

Die Kenntnis der reichen spirituellen Tradition des Glaubens, die Verankerung in der Hinwendungen zu den Geschöpfen Gottes zeigt den Weg zu einer Auslegung der Heiligen Schriften, die Leben und Frieden in die Welt bringt und nicht Haß und Gewalt.

Wie kann man den Schöpfer verehren und seine Geschöpfe durch Haß und Gewalt quälen und verachten?

Wir haben die gemeinsame Aufgabe, diese Verdunklungen und Verzerrungen des Religiösen durch Gelehrsamkeit, Traditionsbewußtsein und Barmherzigkeit zu erleuchten.

Möge der Schöpfer unsere Herzen von allem Dunklem und Bösen reinigen, daß wir zu glaubwürdigen Zeugen seiner Hinwendung zu den Menschen werden.

Dann können wir gemeinsam den Haß und die Gewalt überwinden zur Ehre des Schöpfers und zum Segen für seine Geschöpfe.

Ich übermittele Ihnen verehrter Ayatollah Dr. Ramezani und allen Gästen meinen Segen.

+ Dr. Stefan Heße
Erzbischof von Hamburg


Kommentar



Zeige nichtöffentliche